Mitleiden, mitfiebern, mitfreuen

Mit der Produktion «Die Erben» des Ensembles Zapzarap gelingt ein Werk aus A-cappella-Gesang und darstellerischen, akrobatischen und pantomimischen Elementen, das seinesgleichen sucht. Dies zeigt ein Aufführungsbesuch in Uster. Am Freitag ist Premiere in Frauenfeld.

Ursula Litmanowitsch
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Marion Mühlebach, Giuseppe Spina, Jan Hubacher, Lotti Happle. (Bild: pd/Christian Schmutz)

Marion Mühlebach, Giuseppe Spina, Jan Hubacher, Lotti Happle. (Bild: pd/Christian Schmutz)

USTER/FRAUENFELD. Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen. Geschwister sind lebenslänglich miteinander verbunden. Dies führt das Stück «Die Erben» in aller Deutlichkeit und erschreckend analytisch vor Augen.

Unfreiwillige Reise

Nach dem plötzlichen Tod der Mutter durch Herzinfarkt stehen die Nachkommen vor einer schwierigen Aufgabe. Vom Nachlassverwalter wird ihnen mitgeteilt, dass sie das beträchtliche Erbe von je zwei Millionen plus eine Liegenschaft pro Kind nur dann rechtsgültig antreten dürfen, wenn sie gemeinsam die Asche der Toten auf einem Berg verstreuen.

Diese unfreiwillige Reise bringt die dunklen Seiten der vier zum Vorschein. Und es wird unschwer erkennbar, dass die Geschwister diese Auflage in erster Linie des Geldes wegen erfüllen wollen. Immer wieder bestimmen ambivalente Gefühle ihr Handeln und Denken. Muttersöhnchen Bastiano (Giuseppe Spina) hat einen Hang zum Sadistischen; Chiara (Marion Mühlebach), eine exaltierte Galeristin, ist gerade an der Biennale in Venedig engagiert; Angi (Lotti Happle), die ausgeflippte Jüngste, versucht sich in New York als Designerin; sodann Sven (Jan Hubacher), leidenschaftlicher Pferdezüchter, der sich durch Spielschulden bei Rennwetten ins Bodenlose katapultiert hat.

Es ist eine dichte Aufführung, die knapp zwei Stunden dauert und das Publikum nonstop mitleiden, mitfiebern, mitfreuen lässt.

Lauter Multitalente

Die vier Darsteller zeigen die Spannungen unter den Geschwistern in allen Schattierungen auf. Einer der Höhepunkte ist die in Slow Motion gehaltene Szene, in der die vier Erwachsenen physisch aufeinander losgehen – eine Mischung zum Weinen und Lachen.

Multitalente sind alle vier. Sie glänzen in den einzelnen Sequenzen durch ihre stimmliche Präsenz in anspruchsvollen A-cappella-Gesangswiedergaben ebenso wie durch ihre starke Bühnenpräsenz. Das Repertoire der Musiktitel reicht von «Crying in the Chapel» über «Bang Bang» bis hin zur Schlagerschnulze «Du», dem Evergreen «As Time Goes By» sowie Edith Piafs vollmundigem Chanson «Non, je ne regrette rien» – letzteres hervorragend interpretiert von Marion Mühlebach mit ihrer herrlichen Alt-Stimme.

Aperçus und schwarzer Humor

Die Teamleistung des Ensembles ist in Tonalität, Rhythmus und Bewegungsduktus perfekt abgestimmt. Alle vier Darsteller reizen das volle Potenzial ihrer Rollen aus und geben den Figuren glaubhafte Kraft und Präsenz, immer aber mit leisem Humor durchwirkt. Dies vor allem dort, wo als Stilmittel in der Interpretation überzeichnet wird und etwa die brillante Pferdenummer zum Slapstick wird. Und stets ist der Fortgang der Story auch mit köstlichen Aperçus gespickt, manchmal nahe am schwarzen Humor. Die Spielfreude wird ungefiltert auf das Publikum übertragen. Der unerwartete Schluss ist schliesslich ein dramaturgischer Wurf.

Fr/Sa, 17./18.4., 20 Uhr, Theaterwerkstatt Gleis 5, Frauenfeld Do, 7.5., 20 Uhr, Atelier hohlze, Zürich Fr/Sa, 8./9.5., 20 Uhr, Theaterwerkstatt Gleis 5, Frauenfeld www.zapzarap.ch

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