Mitbieten für die Kunst Halle

Die Stiftung Kunst Halle Sankt Gallen kann gegründet werden. Als Startkapital wurde an einer Benefiz-Auktion in Zürich ein Erlös von 180 250 Franken erzielt.

Peter Brühwiler
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Giovanni Carmine durfte nicht mitbieten, denn er verfügt als Direktor der Kunst Halle Sankt Gallen über Insiderwissen. Dafür ersteigerte sich seine Freundin an der Benefiz-Auktion «25 Jahre Kunst Halle Sankt Gallen» im Kunsthaus Zürich gleich das erste Objekt: Georg Kellers «Art Déco Taschenuhr mit Arbeiter». Der besagte Arbeiter ist ein in die Taschenuhr integrierter Schmied aus 18karätigem Gold, der im Sekundentakt auf einen Amboss hämmert.

Rasant war dann auch der Takt, den das Auktionshaus Christie's anschlug. 26 gespendete Werke von 25 Künstlern, die in den vergangenen 25 Jahren in der Kunst Halle ausgestellt haben, kamen im Vorfeld der Swiss Art Auktion unter den Hammer. «Hoffentlich bricht jetzt keine Bank zusammen», hat Giovanni Carmine in den vergangenen Wochen ab und zu zu sich gesagt.

Denn der Kunstmarkt hat zwar seine eigenen Gesetze, völlig abgekoppelt von der Wirtschaftsentwicklung funktioniert aber auch er nicht.

«Phantastisches Ergebnis»

Dann, kurz vor der Auktion, war der Kunsthalle-Direktor «sehr gespannt». «Wie süss ist der Apfel?», habe er sich gefragt. Oder anders gesagt: Wie viel Geld würde der Stiftung Kunst Halle Sankt Gallen, für die jetzt die Statuten erarbeitet werden, als Startkapital zur Verfügung stehen?

«Pro Werk dauerte die Auktion jeweils etwa 30 Sekunden», erinnert sich Carmine. Ziemlich schnell liess sich also sagen: Der Apfel schmeckt gut. Der Erlös von 180 250 Franken sei ein phantastisches Ergebnis, findet Carmine, auch wenn der Schätzwert – «ein sehr hochgestecktes Ziel» – bei 200 000 Franken gelegen hatte. Der einzige fade Beigeschmack ist für ihn die Tatsache, dass nur wenige St. Galler den Weg ins Zürcher Kunstmuseum fanden.

Trotzdem, die Stimmung sei sehr gut gewesen und «man hat gesehen, dass es auch Leute von ausserhalb gibt, denen die Kunst Halle Sankt Gallen am Herzen liegt». Denn einerseits seien die Werke natürlich wegen ihres Wertes gekauft worden, anderseits aber auch, «um die Kunsthalle zu unterstützen». Das perfekte Publikum für die Auktion von Gegenwartskunst war im Kunstmuseum wohl nicht anwesend, denn bei der darauffolgenden Hauptauktion wurden hauptsächlich ältere Werke, unter anderem von Vallotton und Hodler, versteigert.

10 000 Franken für ein Konzept

Am meisten Geld für die Kunst Halle brachte das Auktionsobjekt Nr. 9 ein. «Day by Day», Öl auf Leinwand von Armen Eloyan, wurde für 22 000 Franken ersteigert. Eine sehr positive Überraschung war für Carmine auch das Stück Nr. 10, «Brown Abstract•11», braunes Klebeband, Dimension variabel, von Matias Fladbakken. Denn mit nach Hause nehmen konnte der Käufer für die gebotenen 10 000 Franken lediglich ein Konzept mit einer Zeichnung.

Das Muster, das der dänische Künstler im vergangenen Jahr an der Wand der Kunst Halle angebracht hatte, muss er, falls gewünscht, selber kleben.

Unter den Auktionsobjekten befanden sich unter anderem auch Werke von Pipilotti Rist und Roman Signer. Sogar Künstler, die nie in der Kunst Halle ausgestellt haben, boten laut Carmine Werke für die Benefiz-Auktion an. Diese starke Verbundenheit gebe ein gutes Gefühl, sagt Carmine.

«Die Künstler wissen, dass die Kunst Halle ein wichtiger Ort ist, und sie betrachten ihr Engagement als wichtig für die Förderung weiterer Künstler.»