Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Pionierreise als fesselnde Lektüre:
Mit Hans Beat Wieland ins ewige Eis

«Auf Nordlandfahrt» nimmt uns mit in die Frühzeit des Polar-Tourismus. Die Historikerin Sandra Walser hat ein spannendes Buch geschrieben, das prächtig illustriert ist. Auch ein Stück Kriens fährt mit.
Pirmin Bossart
Das Ölbild von Hans Beat Wieland zeigt die «Erling Jarl» auf Fahrt entlang der Packeiskante. (Bild: SKKG, Reproduktion Philipp Hitz/SIK-ISEA)

Das Ölbild von Hans Beat Wieland zeigt die «Erling Jarl» auf Fahrt entlang der Packeiskante. (Bild: SKKG, Reproduktion Philipp Hitz/SIK-ISEA)

Das Interesse von Sandra Walser für ihre nördliche Spurensuche erwachte, als sie im Buch «Eisblumen» der Krienserin Bolette Petri-Sutermeister (1920–2018) über die Nordlandfahrt des Schweizer «Alpenmalers» Hans Beat Wieland gelesen hatte. Wieland war ein damals bekannter Landschaftsmaler und hatte die letzten 15 Jahre seines Lebens in Kriens verbracht. Von ihm stammt das grosse Fresko im alten Bahnhof Luzern, das nach dem Brand aufwendig demontiert wurde und heute im Bahnhof Göschenen untergebracht ist.

Dieser Hans Beat Wieland war einer der 52 Passagiere, die im Juli und August 1896 mit dem Dampfer «Erling Jarl» auf einer der ersten Expeditions-Kreuzfahrten in die Arktis unterwegs war. Initiant und Reiseleiter dieses Unternehmens war der nordische Abenteurer und Kapitän Wilhelm Bade, der 1869/70 auf einer Nordpolarexpedition im Packeis steckengeblieben war. Mit seiner Mannschaft wurde er während über 200 Tagen auf einer Eisscholle südwärts getrieben. Mit viel Glück konnten sie schliesslich an der Südspitze Grönlands wieder Land erreichen.

Mit dem Gasballon zum Nordpol

«Auf Nordlandfahrt» führt uns in eine Zeit, als es speziell in den nördlichen Regionen noch weisse Flecken auf der Landkarte gab. Die Passagiere der «Erling Jarl» gehörten zu den ersten arktischen Touristen. Walser erzählt nicht nur die Geschichte einer touristischen Pionierreise, sondern vermittelt auch viele Informationen über das Leben im arktischen Norden und die Entwicklung des Tourismus in diesen damals schwer zugänglichen Gebieten.

Der damalige Reiseleiter Wilhelm Bade gilt als Begründer der Polar-Touristik. Er gab sich Mühe, den betuchten Gästen etwas zu bieten. Die Passagiere der Wieland-Reise vom Sommer 1896 erlebten nicht nur einzigartige Landschaften, sie besuchten auch eine Walfangstation, stiessen mit dem Schiff ins Packeis nördlich von Spitzbergen vor und begegneten Wissenschaftlern und Polarforschern.

Ein besonderer Höhepunkt war, den Start des Gasballons auf Spitzbergen zu erleben, mit dem der schwedische Abenteurer Salomon A. Andrée den Nordpol auf dem Luftweg erreichen wollte. Zur gleichen Zeit war auch Fridtjof Nansen mit der «Fram» zum Nordpol unterwegs. Das Treffen mit Andrée verlief sehr angeregt, die Gäste konnten ihn ausfragen und den Ballon-Hangar bewundern. Doch der Start wurde aufgrund der ungünstigen Winde immer wieder verschoben. Dem Ballonfahrer gelang es erst ein Jahr später, abzuheben. Von seiner Expedition kehrte er nicht mehr zurück.

Tagebuch von Wieland ausfindig gemacht

Sandra Walser hat diese spezifische Schiffsreise vom Sommer 1896 ausgiebig recherchiert. Sogar die Passagierliste ist im Buch säuberlich aufgelistet. Über zahlreiche Umwege gelangte sie auch an die Tagebuchaufzeichnungen von Hans Beat Wieland, aus denen sie zitiert und Stimmungen zaubert. Wieland ist begeistert von der Landschaft, die ihn an das Gotthardgebiet (Küste Norwegens) oder an im Meer ­eingesunkene, eisbedecke Alpen (Spitzbergen) erinnert. Wieland war ein passionierter Berggänger und über 50 Jahre Mitglied der SAC Sektion Gotthard.

«Auf Nordlandfahrt» ist nicht nur ein gut zu lesendes und informatives, es ist auch ein in Schrift, Layout und Gestaltung (Kaj Lehmann) sehr schönes Buch geworden. Eine Augenweide sind die zahlreichen historischen Fotos mit ihrem Hauch von Patina. Sie zeigen die Pro­tagonisten und die Schauplätze und machen das Nordleben und das Unterwegssein in diesen urtümlichen Landschaften aus damaliger Zeit so anschaulich, dass man fast Gänsehaut bekommt. So lange her und doch so nah.

Sandra Walser: Auf Nordlandfahrt. 1896 von Hamburg nach Spitz­bergen, NZZ Libro, 176 Seiten, ­ 64 Abbildungen, Fr. 47.–.

Dienstag, 28 Mai, , 19.30 Uhr: Buchpräsentation/Lesung mit Sandra Walser im «Buch und Kaffee», Schachenstrasse 15a, Kriens.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.