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Die St.Galler Restauratorin Sara Allemann arbeitet mit Wattestäbchen und Skalpell

Mit zwei Kolleginnen ist sie beim Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen angestellt. Abstauben gehört ebenso zu ihren Aufgaben wie die Schädlingsbekämpfung.
Christina Genova
Sara Allemann arbeitet in ihrem Traumjob. (Bilder: Michel Canonica)

Sara Allemann arbeitet in ihrem Traumjob. (Bilder: Michel Canonica)

Sara Allemann nimmt ein langes Holzstäbchen zur Hand und zieht etwas Watte aus einer Packung. Geschickt stellt sie nun mit raschen Drehbewegungen ein Wattestäbchen her. «Es braucht etwas Übung», sagt die Restauratorin und Konservatorin, die beim Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen (HVMSG) angestellt ist. Die 37-Jährige ist eine von drei ­Restauratorinnen, die dort in Teilzeitpensen arbeiten. In St.Gallen verfügt einzig noch das Textilmuseum über eine festangestellte Restauratorin; die anderen Institutionen vergeben ihre Aufträge an Externe.

Einblick in die Restaurationswerkstatt des Historischen und Völkerkundemuseums St.Gallen mit Restauratiorin Sara AllemannMichel Canonica / TAGBLATT

Einblick in die Restaurationswerkstatt des Historischen und Völkerkundemuseums St.Gallen mit Restauratiorin Sara Allemann
Michel Canonica / TAGBLATT

Sanft streicht Sara Allemann mit dem Wattestäbchen über ein altmodisches Telefon. Abstauben ist die allgemein gebräuchliche Bezeichnung dafür, das ­hören Restauratoren aber nicht gerne – Trockenreinigung ist das Fachwort. Sie findet im Depot des Museums statt, wo in einem Regal zahlreiche Objekte für die Ausstellung «Vom Jugendstil zum Bauhaus» bereitgelegt sind; sie eröffnet Ende November.

Das Depot ist einer der Arbeitsplätze Sara Allemanns.

Das Depot ist einer der Arbeitsplätze Sara Allemanns.

Tiefgefrorene Schädlinge

Sara Allemann wird für die Schau noch zahlreiche Gegenstände trockenreinigen müssen. Eine wichtige, aber auch eintönige Aufgabe. Sie macht ihr nichts aus, ebenso wenig das Arbeiten im Hintergrund und in fensterlosen Archivräumen. Die Restauratorin hat ihren Traumjob gefunden. Die ausgebildete Primarlehrerin, die in der Region Solothurn aufgewachsen ist, machte in Bern einen Master in Grafik, Schriftgut und Fotografie.

Sie ist spezialisiert auf die Restaurierung von Papier. Zu ihren Aufgaben gehört aber auch die präventive Konservierung: Sie ist verantwortlich für die fachgerechte Aufbewahrung der Objekte und muss Temperatur und Luftfeuchtigkeit überwachen. Schädlingen rückt sie mit Kälte zu Leibe, sie werden mehrmals tiefgefroren.

Sara arbeitet gerade an einem Porträt, das vom bekannten Appenzeller Künstler Carl August Liner stammt. Schadhafte Stellen bessert sie mit Japanpapier aus.

Sara arbeitet gerade an einem Porträt, das vom bekannten Appenzeller Künstler Carl August Liner stammt. Schadhafte Stellen bessert sie mit Japanpapier aus.

Das Depot ist aber nur einer der Arbeitsplätze Sara Allemanns. Es gibt einen Raum, wo sie mit besonders schmutzigen oder gefährlichen Objekten arbeitet. Ein imposanter blauer Schlauch hängt dort über dem Arbeitstisch, genannt «Rüssel» – eine Absaugvorrichtung.

Feine Arbeiten führt die Restauratorin in ihrem Atelier aus. Dort liegt, beleuchtet von einer hellen, grossen Lampe, das medaillonförmige Porträt eines kleinen Mädchens mit blondem Bubikopf. Es wurde vom bekannten Appenzeller Künstler Carl August Liner (1871–1946) mit Pastellkreiden ausgeführt. Doch das spielt für die Restauratorin keine Rolle: «Jedes Objekt ist für mich gleichwertig.»

Sara Allemann arbeitet mit Instrumenten, wie sie Chirurgen und Zahnärzte verwenden.

Sara Allemann arbeitet mit Instrumenten, wie sie Chirurgen und Zahnärzte verwenden.

Sara Allemann hat die schadhaften Stellen an den Rändern des Porträts mit Japanpapier ausgebessert. Nun schneidet sie es mit einer kleinen Schere zurecht:

«Fehlstellen zu ergänzen und Risse im Papier zu schliessen gehört zu meinen Lieblingsaufgaben.»

Im Wandschrank sind weitere Arbeitsutensilien verstaut: Skalpelle, aber auch Instrumente, wie sie Zahnärzte verwenden. Am Daumen trägt Sara Allemann ein Pflaster – typisch für Papierrestauratorinnen. Der Umgang mit Papier verursacht trockene Hände. Eincremen ist wegen der empfindlichen Objekte nicht möglich – rissige Hände sind das Resultat.

Den goldenen Rahmen für das Kinderbild hat ihr Kollege Michael Peterer schon fertig restauriert. Er sieht aus wie neu, was eher unüblich ist. Im Gegensatz zu früher will man heute keine «schönen» Objekte, sondern ihnen ihre Patina belassen. Deshalb beschränkt man sich in der Regel darauf, sie zu sichern und zu erhalten: «Es gehört zur Berufsethik, dass man einem Objekt sein Alter ansehen darf», sagt Sara Allemann. Wichtig ist die Reversibilität der Eingriffe. Das bedeutet, dass es möglich sein muss, sie wieder rückgängig zu machen.

Einblick in die Restaurationswerkstatt des Historischen und Völkerkundemuseums St.Gallen mit Restauratiorin Sara AllemannMichel Canonica / TAGBLATT

Einblick in die Restaurationswerkstatt des Historischen und Völkerkundemuseums St.Gallen mit Restauratiorin Sara Allemann
Michel Canonica / TAGBLATT

Arbeit auch für externe Kunden

Nicht nur für das Museum, sondern auch für externe Kunden arbeiteten die Restauratorinnen des HVMSG. Sara Allemann zeigt auf ein Kästchen aus Holz mit Glasdeckel, darin liegt ein ziemlich zerbröselter Ballon aus Kautschuk. Es ist ein Objekt aus der legendären Serie «Bodensee und Säntis» von Roman Signer und Bernhard Tagwerker von 1975/76. Damals haben die Künstler am Bodensee mit Ballonen die Silhouette des Säntis nachgeformt.

Das Objekt ist ein Versicherungsfall, es hat einen Wasserschaden. Sobald die Versicherung grünes Licht gibt, wird sich Sara Allemann des Kästchens annehmen. Wegen des Kautschuks hat sie bereits Kontakt aufgenommen mit einem ihrer ehemaligen Dozenten, einem Experten für Kunststoffe. Kontakte zu Kollegen zu pflegen ist eine wichtige Aufgabe: «Man kann nicht alles wissen», sagt Sara Allemann.

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