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Wo aufstrebende Operntalente ihr Handwerk erproben

Wie erlernen junge Sänger ihr Handwerk? Das Opernhaus Zürich hat eine eigene Institution geschaffen, in die wir einen Blick werfen. Denn ein grosses Projekt steht vor dem Abschluss.
Rolf App
Ein lebhaftes Trio: Sinéad O’Kelly (Rosina), Dean Murphy (Figaro) und Leonardo Sánchez (Almaviva) auf der Bühne. (Bild: Michael Sieber)

Ein lebhaftes Trio: Sinéad O’Kelly (Rosina), Dean Murphy (Figaro) und Leonardo Sánchez (Almaviva) auf der Bühne.
(Bild: Michael Sieber)

Auf der Bühne des Theaters Winterthur ist gerade mächtig was los, im Halbdunkel des Zuschauerraums kommt uns Michael Fichtenholz entgegen. Er ist hier, um an dieser ersten Bühnen-Orchester-Probe zu Gioachino Rossinis «Il barbiere di Siviglia» seine Schützlinge zu beobachten. Auf der Bühne stehen nicht gestandene Sänger. Sondern junge Mitglieder des Internationalen Opernstudios, das am Opernhaus Zürich seit 1961 als eine Art Nachwuchsabteilung existiert, und dessen Leiter Fichtenholz ist.

Nach zwei Jahren gehen sie als gute Profis

Es sei entstanden aus der Einsicht, «dass jedes Opernhaus Sängerinnen und Sänger jeden Alters für die ganze Vielfalt an grossen und kleinen Rollen braucht, welche die Opernliteratur bietet», erklärt Fichtenholz. Momentan neunzehn jungen, aufstrebenden Talenten aus vierzehn Nationen gebe das Opernstudio die Chance, sich zu vervollkommnen. Sie erleben das Opernhaus im Normalbetrieb - und verlassen es nach zwei Jahren als «sehr gute Profis».

Junge Sänger entwickeln sich noch, aber auf sehr unterschiedliche Weise. Beim einen fehlt es an Gesangstechnik, beim andern liegt es an den Fremdsprachen. Oder am Schauspielerischen. «Wir gleichen diese Defizite aus», erzählt Fichtenholz. «In kleinen Rollen können junge Sängerinnen und Sänger an Erfahrung, Sicherheit und auch Glaubwürdigkeit gewinnen.»

Und sie haben dabei manchmal grosse Namen an ihrer Seite, zu denen aber eine normalerweise ganz unkomplizierte Beziehung besteht. «Manchmal veranstalten wir neben den Meisterkursen, die wir organisieren, auch kleine Workshops», erklärt Michael Fichtenholz.

«Kürzlich hat sich Piotr Beczala spontan bereit erklärt, mit unseren fünf Tenören zu arbeiten. Da haben sie dann konzentriert viel gelernt.»

Neben den vielen kleinen Herausforderungen gibt es die eine grosse: den «Barbiere di Siviglia», die Eigenproduktion des Opernstudios. «Der ‹Barbiere› hat fünf grosse Rollen, drei davon sind riesig», sagt Fichtenholz. «Da müssen unsere jungen Sänger ihre Kräfte genau einteilen.»

Brenda Hurley sucht unablässig nach Talenten

Ausgesucht und betreut werden sie von Brenda Hurley, der Direktorin. Sie ist gelernte Korrepetitorin und Coach, gehört also zu jener kaum je beachteten Spezies aus dem Innern eines Gesangsbetriebes, die am Klavier mit den Sängern zusammen eine Rolle erarbeitet. Brenda Hurley ist unablässig auf der Suche nach Talenten. Sie findet sie an anderen Opernstudios, bei Wettbewerben und bei Vorsingen, oder spürt sie gezielt auf. «Wir wollen, dass das Niveau so hoch wie möglich ist», sagt sie. Die endgültige Auswahl hängt dabei auch davon ab, welche Rollen zu besetzen sind.

«Dieses Jahr wussten wir, dass wir für die Rosina im ‹Barbiere› eine geeignete Mezzosopranistin brauchen – und haben Sinéad O’Kelly gefunden.»

Fünfzig Prozent ihrer Zeit am Opernstudio verbringen seine Mitglieder, die alle eine Hochschule absolviert haben, in der Ausbildung. Sie besuchen Meisterkurse, haben individuelle Coachings, und sie lernen auch viel voneinander, gerade was Fremdsprachen angeht. Russisch zu singen, so dass es echt wirkt, oder Französisch, das ist nicht einfach. Dazu kommen fünf oder sechs Rollen, die jeder in den Produktionen des Opernhauses übernimmt, und die erarbeitet werden müssen.

So bereitet das Opernstudio sie auf eine Welt vor, in der eine scharfe Konkurrenz herrscht, und in der jeder seinen Weg erst finden muss. «Sie lernen miteinander auszukommen, oft wohnen sie auch zusammen, und ich muss manchmal auch streng sein», erzählt Brenda Hurley. Denn Talent allein genügt nicht, es braucht auch Fleiss und Selbstdisziplin.

Das Skelett auf der Bühne heisst Hildegard

Natürlich können die erfahreneren Sänger des Opernhauses auch viel von den Schattenseiten des Metiers erzählen, von der Einsamkeit nach dem Auftritt und vom Vagabundenleben, das gerade freischaffende Sänger führen. Sinéad O’Kelly und Dean Murphy lassen sich davon nicht schrecken. Sehr lebhaft erzählen die Irin und der Amerikaner nach der Probe von den Erfahrungen, die sie in Zürich machen, und wie es ist, als Rosina und Figaro auf der Bühne zu stehen. «Wir stecken gerade in einer sehr steilen Lernkurve», sagt Sinéad O’Kelly, «für uns beide ist diese Opernproduktion das Grösste, was wir bisher gemacht haben.» Hier und in ihrer Arbeit am Opernstudio bekämen sie einen Einblick, was es bedeute, «Teil dieser Industrie zu sein». Wobei Dean Murphy beeindruckt ist von jenen Sängern, denen er in seinen anderen Rollen am Opernhaus begegnet - zum Beispiel Bryn Terfel im Musical «Sweeney Todd».

Ob sie Angst haben vor der Zukunft? «Nein», sagt Sinéad O’Kelly, die sich der Tatsache bewusst ist, dass viele gute Nachwuchssänger um wenige Stellen konkurrieren. Und dass es manchmal darauf ankommt, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. «Ich arbeite hart», sagt sie, «und ich hoffe, dass mich die richtigen Leute sehen.»

Dass sie hart arbeiten, das bestätigt Johannes Pölzgutter, ihr Regisseur beim «Barbiere di Siviglia». «Nach der ersten Probenwoche waren sie ziemlich erledigt», erzählt er. «Seither aber haben sie viel Erfahrung gesammelt und dabei grossen Mut gezeigt, Dinge auszuprobieren und sich in ungewöhnliche Situationen zu begeben.» Er sei szenisch auch eher fordernd, «und unsere Bühne zwingt die Protagonisten zur Bewegung.»

Mehr verraten will Johannes Pölzgutter nicht - nur, dass das Skelett auf der Bühne, das sofort auffällt, Hildegard heisst. «Sinéad hat es so getauft.»

Premiere Mittwoch, 15.Mai, Theater Winterthur

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