Mit viel Elan ins Drama

Die Rheintaler Schauspielerin Simona Specker erhält viel Lob für ihre erste Kinohauptrolle in Kuno Bonts Drama «Das Deckelbad», das ab Donnerstag im Kino läuft. Davon angespornt, will sie nun ihr grösstes Handicap angehen.

Andreas Stock
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Eine beeindruckende Hauptdarstellerin in ihrer ersten Kinorolle: Simona Specker als Katharina Walser in «Das Deckelbad». (Bild: pd)

Eine beeindruckende Hauptdarstellerin in ihrer ersten Kinorolle: Simona Specker als Katharina Walser in «Das Deckelbad». (Bild: pd)

Es hatte vor 15 Jahren auch mit «Das Deckelbad» begonnen. Simona Specker spielte als 15-Jährige im Theaterstück von Kuno Bont mit. Damals in einer kleinen Rolle, als Insassin in der Irrenanstalt. «Viel, sehr viel ist seitdem passiert», sagt Simona Specker. Damals brach der Theatervirus bei ihr aus, und sie wirkte fortan in mehreren Eigenproduktionen im Fabriggli Buchs mit. Nach der Ausbildung zur Polygraphin ging sie drei Jahre auf die Filmschauspielschule in Zürich. Es folgten Auftritte in Kurzfilmen, Videoclips, Werbungen sowie Regiearbeiten mit Laien.

«Ich bin sehr kritisch mit mir»

In diesen Tagen ist Simona Specker mit Regisseur Kuno Bont in der Schweiz unterwegs, um ihren ersten gemeinsamen Kinofilm «Das Deckelbad» zu bewerben. Bereits hinter ihnen liegen die Premiere im Rheintal und die Aufführung an den Solothurner Filmtagen. Jetzt sitzt sie an der Kinobar im Cinewil in Wil, wo eine weitere Vorpremiere stattfindet. Nach dem Film beantwortet sie mit dem Regisseur Fragen – und erntet Komplimente für ihre Darstellung. Es sind anstrengende Tage, aber sie sagt: «Ich mag die Diskussionen. Im Theater spürt man die Reaktionen des Publikums unmittelbar. Bei einem Film hat man diese Möglichkeit selten – ausser bei Premieren wie diesen.»

Worauf achtet sie neben den Publikumsreaktionen, wenn sie den Film wieder sieht? «Ich sehe alles, was ich anders oder besser machen würde. Ich bin sehr kritisch mit mir selbst», sagt sie und lacht. Die dunkelhaarige Frau mit den blauen Augen erweist sich als heiteres Gemüt. Sie lacht viel – auch über sich selber.

Der Moment vor dem Drehen

Viel zu lachen gibt es im «Deckelbad» allerdings nicht. Das auf wahren Ereignissen beruhende Drama um die österreichische Bäuerin Katharina Walser, die im Rheintal arbeitet und beherzt gegen zahlreiche Widerstände kämpft. Dann wird sie zum Opfer grausamer Behördenwillkür. Die Katharina Walser ist eine herausfordernde Rolle. «Es ist spannend, die Katharina über Jahrzehnte hinweg darzustellen, sich so intensiv mit dieser Frau auseinanderzusetzen», sagt die Schauspielerin, die sich ein Jahr lang intensiv auf die Rolle vorbereitet hat. Sie hat viel über die Zeit gelesen, den Dialekt eingeübt und sich mit der Figur vertraut gemacht.

Ihre Notizen dazu nutzte sie beim Drehen: «Ich habe mir vor einer Szene jeweils vergegenwärtigt, was meine Figur denkt, was ihre Motive sind, was für Ziele sie hat. Also eher theoretische Dinge, aber: Wenn ich das in meinem imaginären Körper durchgegangen bin, muss ich über das Spielen nicht mehr nachdenken.» Ihr Notizen waren zudem hilfreich, weil die Dreharbeiten sich gut über ein halbes Jahr erstreckten – weil es unterschiedliche Jahreszeiten brauchte. Rund eine Woche wurde jeden Monat gedreht. Es war eine ganz andere Art des Arbeitens als beim Theater, wo während Wochen an Szenen gefeilt wird. Denn dafür blieb bei den Dreharbeiten selbst kaum Zeit.

«Reduzieren, reduzieren»

Für Simona Specker, die auch als Regisseurin sehr genau arbeiten will und viel Wert darauf legt, dass die Laienschauspieler ihren Text von der ersten Probe an beherrschen, kein Problem. Die besonders schwierigen Szenen hatte sie vorgängig mit einem Schauspiel-Coach geübt. Eine wichtige Erfahrung beim Film war, «wie man reduzieren und nochmals reduzieren muss; im Vergleich zum Theater, wo alles viel grösser gespielt wird, damit es jene in der hintersten Reihe noch sehen und verstehen». Sie habe anfangs eher zu gross gespielt und Regisseur Kuno Bont habe manchmal gesagt: «Weniger Käschperla!» Er habe sie hin und wieder bremsen müssen, wenn sie mit vollem Elan in eine Szene gestiegen sei, erzählt sie. Natürlich sei man froh, wenn einen der Regisseur korrigiere, gerade weil es bei diesem Film sehr emotionale Szenen gebe.

Ein Anfang, so oder so

Simona Specker hofft nun, dass die vielen guten Reaktionen auf ihr Kinodébut zu Rollenangeboten führen. Denn von der Schauspielerei allein kann die Montlingerin, die seit einigen Jahren in Zürich wohnt, bis jetzt nicht leben – sie arbeitet nebenher in einem Musikvertrieb. «Es gibt in der Schweiz sehr viele gute Schauspielerinnen und Schauspieler. Und viele davon sieht man nie im Kino.» Zudem habe sie ein Handicap: «Ich kann mich schlecht verkaufen.» Ihr liege es überhaupt nicht zu sagen: «Hallo, hier bin ich, ich bin gut – besetzt mich!» Sie will die Gunst jetzt zwar nutzen und weiterkommen – setzt dabei aber nicht nur auf ein Pferd. Specker wird sich einerseits um eine Schauspielagentur in Deutschland bemühen, was zu weiteren Rollen führen könnte. Sie beginnt anderseits eine Weiterbildung als Cutterin. «Ich bin ein visueller Mensch, darum interessiert mich der Filmschnitt.» Ein Film entstehe beim Schnitt, hier könne eine Geschichte nochmals umgekrempelt werden. Darüber wird sie nun mehr erfahren.

Aber vielleicht wird man in ein paar Jahren auch sagen können, dass mit dem Film «Das Deckelbad» die Schauspielkarriere von Simona Specker begann.