Mit Swing den Bach hinauf

Der Verein Megliodia hat in die Mülenenschlucht geladen, und weit über hundert Interessierte sind gekommen, um sich über die Geschichte der Bauwerke an der Steinach erzählen und von jungen Menschen musikalisch überraschen zu lassen.

Martin Preisser
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Schüler bespielen die abendliche Mülenenschlucht. (Bild: Luca Linder)

Schüler bespielen die abendliche Mülenenschlucht. (Bild: Luca Linder)

Wohl kaum einer hat gewusst, dass man vor über fünfzig Jahren von einem Bärengehege in der Mülenenschlucht geträumt hat. Oder dass der St. Galler Künstler Max Oertli 1973 eine alte Dampfkesselanlage aus einer Fabrik, die Stickereien veredelte, verwendet hat, um sie für seinen Brunnen am Neumarkt wiederzuverwenden.

Der Verein Megliodia (den die Stadt St. Gallen gerade mit einem der beiden Förderungspreise 2013 bedacht hat) engagiert sich für spezielle Kinder- und Jugendmusikprojekte und hat sein Jahresprogramm unter das Motto «Musik und Maschine» gestellt. Die Besucher des musikalisch-industriegeschichtlichen Abendspaziergangs durch die Mülenenschlucht wurden denn auch von drei jungen Blechbläsern (Samuel Senn, Rafael Hug und Valentin Schmidt) und ihrem Lehrer Thomas Länzlinger mit Klängen weit oben über der Mühleggbahn-Talstation musikalisch begrüsst.

Die Steinach übertönt

Und so mancher mag sich gewundert haben, dass der gepflegte Brass Sound die tosende Steinach locker übertönte. Mit viel Swing wurden dann die Erklärungen zur ehemaligen Stickerei Fraefel & Co. umrahmt. Gitta Hassler vom Stadtarchiv als Cicerone des Abends erzählte von den Fahnen und kirchlichen Paramenten, die dort einst bis zu 150 Menschen herstellten. Das Haus wurde später zu einer Mädchen-Schule.

Das Saxophon-Ensemble von Peter Lenzin mit seinen Schülern (Leon Dähler, Christian Sandgaard und Maxim Haas) gab mit viel Sound und Engagement musikalische «Wegzehrung» für den Weiterweg durch die Schlucht vorbei an einem ehemaligen Veredelungsbetrieb, wo 1872 die Arbeiter streikten, um statt dreizehn nur noch zwölf Stunden arbeiten zu müssen.

Es klappert die Mühle

Die Textilindustrie hat in der Mülenenschlucht die ehemaligen Mühlen übernommen. Und gar eine Nudelfabrik hat eine Mühle abgelöst. Der richtige Ort für Miriam Sutter (Gesang) und Urs Baumgartner (Keyboard), um «Spaghetti Carbonara» zum besten zu geben. Weiter ging die grosse Besucherschar an der Grotte vorbei, wo Gerhard Oetiker auf seinem Weinkistencello an dunkel schaurigem Ort sass. Endlich oben angekommen, war der richtige Moment gekommen, um im Chor mit allen Musikanten zusammen das alte deutsche Volkslied «Es klappert die Mühle am rauschenden Bach» anzustimmen.