Mit souveräner Leichtigkeit

Im neuen Roman von Adolf Muschg sucht ein Mensch sein Heil. Der Historiker Beat Schneider verschwindet, weil ihm aus eigener Schuld die geliebte Frau abhanden gekommen ist.

Beat Mazenauer/Sfd
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Adolf Muschg: Die japanische Tasche, C. H. Beck, 2015, 484 S., Fr. 31.90

Adolf Muschg: Die japanische Tasche, C. H. Beck, 2015, 484 S., Fr. 31.90

Einmal nur hat der Historiker Beat Schneider die Hand gegen seine Frau erhoben, es reichte, um alles zu zerstören.

Kindliche Vertrautheit

Die Ehe zwischen ihm und der psychisch labilen Künstlerin LouAnne stand von Beginn an unter einem besonderen Stern. Als Waise geboren wuchs er mit einer Kinderfrau auf, die ihn mit Märchen ins Leben einführte. Nach Jahren des Studiums spürte er diese kindliche Vertrautheit erstmals wieder, als er LouAnne kennenlernte. Doch eine kleine Unbeherrschtheit zerstört das Glück.

Als auch die japanische Tasche gestohlen wird, die ihm LouAnne geschenkt hat, scheint alles verloren. Er verschwindet ins Unbekannte. «Die japanische Tasche»: So heisst der neue Roman von Adolf Muschg denn auch. Schneider sucht sich nach LouAnnes Verlust eine Nische, in der er unbehelligt seinen Studien nachgehen kann. Er findet sie «Im Auerhahn», einer Villa am Stadtrand, wo er auf eine kleine Gesellschaft ähnlich gestimmter Menschen trifft.

Fäden aus «Sutters Glück»

Unter ihnen Emil Gygax, ein Wiedergänger aus dem Roman «Sutters Glück» von 2001. Muschg nimmt einige Fäden daraus wieder auf und verwebt sie ins neue Buch. Ob Gygax vielleicht der Vater sein könnte?

Muschgs Erzählpfade

«I would prefer not to», zitiert Schneider eingangs den Schreiber Bartleby. Auch sein Autor Muschg hält sich an diese Devise. Er möchte lieber nicht unnötig Klarheit schaffen, weil es solche Klarheit bestenfalls in kurzen Lichtblicken gibt, die Schneider «Geistesgegenwart» nennt. Vielmehr führt Adolf Muschg seine Leserinnen und Leser behutsam in einen Garten, dessen Erzählpfade sich immer neu verzweigen. Schneider bleibt ein Rätsel, ebenso wie Gygax oder Elinor, die Hausherrin im Haus Auerhahn. Adolf Muschg erzählt von Krankheit und Verlust, von Einsamkeit und Scheitern, von Liebe und Verrat. Was den Roman auszeichnet, ist die Art und Weise, wie Muschg die Themen zusammenführt. Sein Roman ist durchdrungen von einer souveränen Leichtigkeit und subtilen Ironie.