Mit Songs böse Geister bannen

Büne Huber über «Finitolavoro», das neue Album von Patent Ochsner, und über die Lust, auf Tournée zu gehen. Am Donnerstag stellt die Berner Band zum Auftakt des Zeltfestivals in Konstanz den Abschluss einer Trilogie vor.

Rudolf Amstutz
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Büne Huber: Schwermut und Lebensfreude schliessen sich nicht aus. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

Büne Huber: Schwermut und Lebensfreude schliessen sich nicht aus. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

KONSTANZ. «Ich war noch nie so stolz auf ein Album wie jetzt auf <Finitolavoro>», sagt Büne Huber und strahlt über beide Ohren. Die Freude lässt sich nachvollziehen, wenn man bedenkt, dass die neue Platte der Abschluss einer Trilogie ist, die 2008 mit «The Rimini Flashdown Part I» begann und deren Fortsetzung schon kurz darauf ins Stottern geriet, weil sich der Texter, Komponist und Kopf von Patent Ochsner in der schlimmsten Krise seines Lebens wiederfand.

Als seine Ehe zerbrach, schien sich auch die Muse endgültig von Huber abzuwenden: «Meine Frau und ich hatten 23 Jahre lang eine tiefe und innige Liebesgeschichte gelebt und dann war da plötzlich nichts mehr. Ich dachte lange: Jetzt ist finito. Jetzt musst du zur Berufsberatung. Ein Songschreiber, der keine Songs schreiben kann, ist letztlich eben auch keiner.»

Wie durch Butter gegangen

Und so wurde «Johnny», der zweite Teil der Trilogie mit – wie er betont – sehr viel «Gmurks» geboren, doch auch mit der Gewissheit, dass die Talsohle endgültig geschafft war. «Finitolavoro» sei dann ein Selbstläufer gewesen, dessen Realisierung wie durch Butter gegangen sei.

«Wenn du den Straussenvogel nicht packen kannst, lass ihn springen», ist die Übersetzung des Refrains von «Ausklaar», der ersten Single. Und diese afrikanische Weisheit steht als Motto für die 16 neuen Songs, die Huber im Prolog als Abschiedsbrief und Röntgenbild bezeichnet und die von der Einsicht geprägt sind, «dass es im Leben Brüche gibt».

Abschied und Neuanfang

«Dass man diese Brüche akzeptieren, überstehen und aushalten muss», meint Huber und fügt nach kurzem, nachdenklichen Innehalten an: «Songs zu schreiben, heisst für mich auch, böse Geister zu bannen, indem ich dem Drachen <id Schnurre luege>.» Und weiter: «Im Leben gibt es viel Angst und Verunsicherung. Lieder zu schreiben und Bilder zu malen, sind Prozesse, die es mir überhaupt erst ermöglichen, diese Welt für mich erfassbar zu machen. Das ist mir aber erst jetzt so richtig klargeworden.»

In der Tat ist «Finitolavoro» nicht nur ein grosser (und grossartiger) letzter Abschied von der einstigen Liebe, sondern gleichzeitig auch ein Neuanfang für den Künstler und Menschen Huber. Lieder wie «Nachlass» oder das der Tochter gewidmete «Da für di» handeln zwar vom Abschiednehmen, doch deren Melancholie ist ebenso von einer lebensbejahenden Kraft getragen wie jene Lieder, die wie «Herr Flühmann» oder «Tagesizeut» das Alter thematisieren.

Schwermut und Lebensfreude

Natürlich rumpelt an der Seite Hubers das Orchester wie eh und je und untermalt die Lebensbetrachtungen gewohnt eklektisch und schenkt dabei ihrem Sänger eine klingende Weltreise: Tango, Tex-Mex, Hip-Hop, Polka gesellen sich zu Hubers Poesie oder ein, wie in «Roubtier», schwerer, erdiger Blues.

«Finitolavoro» ist zweifellos der stärkste Teil von «The Rimini Flashdown», gerade weil sich hier Schwermut und Lebensfreude nicht ausschliessen, sondern von Huber zu einem unzertrennlichen Paar zusammengeführt worden sind. Der Sänger sagt: «Auch wenn nicht alles autobiographisch ist auf den drei Platten, so sind sie doch eine Chronik eines persönlichen Lebensabschnittes mit Höhen und Tiefen. Und ich bin gespannt, wie sich jene Lieder, die mir doch sehr sehr nahe gehen, auf der Bühne vor all den Menschen anfühlen werden.»

Symbolträchtiges Refugium

Wie die meisten Musiker zieht auch Büne Huber die Bühne dem Studio vor, die heute zur letzten Bastion geworden ist, die vom digitalen Zeitalter nicht geschluckt werden kann. «Heute», so betont er, «kostet die Produktion eines Albums dermassen viel Geld, das rechnet sich gar nicht mehr. Noch mehr als früher ist eine neue Platte letztlich nur die Legitimation, wieder Konzerte zu geben.»

Huber, der Handwerker, der im Analogen gross geworden ist, schüttelt den Kopf: «Es ist verrückt: Jede und jeder trägt heute einen Kopfhörer – es ist noch nie so viel Musik gehört worden wie heute und gleichzeitig sinken die Verkäufe ins Bodenlose. Ich habe echt keine Ahnung, wo dies noch hinführen soll.» Auch deswegen ist für einen wie ihn die Bühne ein symbolträchtiges Refugium geworden. Ein Ort, wo man ausserhalb von Bits und Bytes musikalische Feste feiern kann.

«Patent Ochsner», meint Büne Huber zum Ende des Gesprächs noch, «sind mit einem tollen Publikum gesegnet. Die Begeisterung und Hingabe dieser Menschen berührt mich immer wieder aufs Neue.» Deshalb freue er sich «wie ne More» auf die Konzerte, die da kommen. Sagt's und strahlt bereits wieder über beide Ohren…

«Finitolavoro – The Rimini Flashdown Part III». Universal Music. Live: Do, 25.6., 20 Uhr, Zirkuszelt auf Klein Venedig, Konstanz