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Oper: Mit russischer Musik in die Galaxis

Zwei kaum bekannte Werke hatten am Samstag Premiere am Theater St. Gallen: Nikolai Rimski-Korsakows «Der unsterbliche Kaschtschei» als witziges Weltraumkino, Igor Strawinskys «Die Nachtigall» in einem technologisch fortschrittlichen Kaiserreich.
Bettina Kugler
Der Kaschtschei (Riccardo Botta) hält sich zur Kurzweil eine Prinzessin (Tatjana Schneider). (Bild: Iko Freese)

Der Kaschtschei (Riccardo Botta) hält sich zur Kurzweil eine Prinzessin (Tatjana Schneider). (Bild: Iko Freese)

Am Ende der Milchstrasse leben Helden wie Prinz Iwan gefährlich. Riesige Farne und fleischfressende Pflanzen wiegen hier sanft hin und her; ein männermordendes Weib wartet mit Liebestrank und scharf geschliffenem Schwert nur darauf, dass endlich wieder einmal ein Held vom Himmel fällt, der sich in den Weiten des Alls verirrt hat. Es ist Kaschtschejewna, Tochter des unsterblichen Kaschtschei, der auf der anderen Seite der Galaxis Prinzessin Tausendschön gefangen hält. In ihren Tränen, erzählt das Märchen, liegt sein Tod gebannt. Doch ihre Herzenskälte sichert dem Alten ewiges Leben; mag er auch gerade ziemlich schlaff im Autositz auf seinem öden Asteroiden fläzen und keuchen und husten.

Zwischen Märchen und Science-Fiction

Man muss das Volksmärchen aus Russland nicht kennen, um sofort mit Vergnügen einzusteigen ins Opernraumschiff, das Regisseur Dirk Schmeding, die Ausstatter Martina Segna (Bühne) und Frank Lichtenberg (Kostüme) sowie Videodesigner Johannes Kulz im ersten Stück des Operndoppelabends ins All katapultieren. Ein bisschen Spass an Science-Fiction genügt; ein Übriges tut die Musik von Nikolai Rimsky-Korsakow aus dem Orchester-graben. Das Sinfonieorchester St. Gallen, unter der Leitung von Chefdirigent Modestas Pitrenas, bietet grosses Kino fürs Ohr, mit wagnerhaften Wogen, wildem Weltraumsturm und Emotionen in Grossaufnahme. Etwa, wenn die Kaschtschejewna vor Liebe zu Prinz Iwan weich wird und in Tränen ausbricht: das Brennen in den Augen der Zauberertochter hört man schon vorher unmissverständlich von den Streichern.

Ein Kammerspiel im All

Ieva Prudnikovaite singt und verkörpert die Kaschtschejewna mit überaus erotischer Präsenz, einer Magie, die Tricks und Zaubertränke eigentlich nicht nötig hat. Sie ist die spannendste Figur im galaktischen Kammerspiel; die einzige, an der eine Verwandlung geschieht: hin zum Menschlichen und damit zur Erlösung aller. Die übrigen Rollen haben aber ebenfalls ihre Reize. Shea Owens darf sich als Iwan immerhin verführen lassen und in lyrischem Belcanto schwelgen, Tatjana Schneider als Tausendschön den stimmlichen Liebreiz für einmal in ihrer Muttersprache entfalten. Martin Summer hängt als Held Sturmwind in den Seilen. Und Ricardo Botta ist ein urkomischer Greis, verjammert, hin und wieder giftig auftrumpfend, vor allem aber vom Katarrh geplagt.

Das Publikum sitzt wie im Kino, bekommt die Oper als witzigen Flash-Gordon-Verschnitt präsentiert. Die Leinwand, ein transparenter Vorhang, bleibt bis zum Schluss zwischen Orchestergraben und Bühne: Man sieht immer weichgezeichnet und diffus ins All. Nur wenn der Kaschtschei in den Zauberspiegel schaut, erscheint das Töchterlein in Übergrösse projiziert, furchterregend wie die sternflammende Königin. Dass man ihr lieber nicht begegnen will, zugleich kaum erwarten kann, bis sie auf der Bühne steht, gehört zum märchenhaften Spiel mit der Angstlust.

«Die Nachtigall»: Ein Kind und eine Stimme von oben

Unsanft landet der Abend nach der Pause auf Erden und in naher Zukunft. Zur märchenhaft zarten, die Schönheit der Natur heraufbeschwörenden Musik Igor Strawinskys lässt Regisseur Dirk Schmeding den Fischer (Nik Kevin Koch) in einem Berg von Plastikmüll angeln: Willkommen in der Wirklichkeit, mag sie auch musikalisch nach wie vor märchenhaft und exotisch anmuten.

In der kurzen Oper nach dem Märchen von Hans Christian Andersen spielt neben der titelgebenden Nachtigall das riesig besetzte Orchester die Hauptrolle. Seine Magie setzt es dabei so filigran und fein ein wie die Nachtigall; was nicht heisst, dass es um jeden Preis auf «Balance» ausgerichtet ist, wie das kaiserliche Reich. Es darf auch mal geballter kommen und impulsiv: Die Musiker sind bestens darauf eingestellt. Sheida Damghani singt die atemberaubend anspruchsvolle, betörende Titelpartie abseits der Bühne, von der Regieloge aus.

Aus zwei mach eins – ein kleiner Kunstgriff genügt

Chef des technologisch gut gerüsteten Kaiserreichs ist Bariton David Maze; sein Hofstaat (Choreinstudierung: Michael Vogel) ist vernarrt in Schnickschnack für die virtuelle Welt – Datenbrille inklusive. Da wirkt die Nachtigall (auf der Bühne in flatterhafter Leichtigkeit von einem Kind gespielt, Elias Podolski) fast unwirklich lebendig: ein Sehnsuchtsvogel, der nicht in die cleane Welt der Monitore passt. Die Musik aber tänzelt verspielt zwischen Künstlichkeit und Natur.

Das ist kurzweilig und mitreissend für Ohr und Auge; erst recht, weil die Regie sich gegen Ende gönnt, die beiden Opern mit einem kleinen Kunstgriff zusammenzuschweissen. Wie genau, soll hier nicht ausgeplaudert werden. Nur so viel: eine tolle Frau ist dabei mit im Spiel.

Nächste Vorstellungen: 15.2./6.3., 19.30 Uhr, 17.2./10.3., 14.30 Uhr, Theater St. Gallen

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