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Mit Musik gegen die Abkapselung

Zwölf Menschen mit geistiger Beeinträchtigung treffen auf singende und musizierende Studierende der Universität St. Gallen. Das spezielle Integrationsprojekt gipfelt in einer Uraufführung einer Messe von Francisco Obieta.
Martin Preisser
Die Perkussionsgruppe der Valida steuert den Rhythmus zu Francisco Obietas neuer Missa Urbana bei, hier bei einer Probe. (Bilder: Ralph Ribi)

Die Perkussionsgruppe der Valida steuert den Rhythmus zu Francisco Obietas neuer Missa Urbana bei, hier bei einer Probe. (Bilder: Ralph Ribi)

Seit über zwanzig Jahren existiert das Universitätsorchester St. Gallen bereits, seit 2010 wird es vom bekannten Kontrabassisten, Tangomusiker und Komponisten Francisco Obieta dirigiert. Die Studierenden hatten ihn damals zu ihrem Orchesterleiter gewählt, weil er sehr gut motivieren könne. «Er verführt uns zu viel Schwung und emotionaler Ausdruckskraft», schwärmt Fabio Haufler, Präsident des Universitätsorchesters, das als eigenständiger Verein organisiert ist.

Verbindende Kraft

Das Orchester wagt den Brückenschlag, hin zum Universitätschor, ebenfalls ein Verein, und hin zu Menschen mit geistiger Beeinträchtigung, die bei der St. Galler Valida leben und arbeiten. Menschen, die geistige Höchstleistungen erbringen und solche, die geistig beeinträchtigt sind, die Kraft der Musik verbindet sie.

Die Studierenden von Chor und Orchester der Universität sind hingerissen von der Begeisterung der zwölf Valida-Musiker, die als Perkussionisten in der Uraufführung der «Missa Urbana XXI» von Francisco Obieta zum Einsatz kommen. «Ich bin von ihrem Engagement fasziniert und berührt», sagt Chorpräsident Joachim Beil. «Sie spielen nicht selten viel präsenter und konzentrierter als wir Studierenden, ja sie motivieren uns», doppelt Fabio Haufler nach.

Valida wie Universität schlagen mit dem gemeinsamen musikalischen Projekt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Sie realisieren eine Uraufführung, eine spezielle Herausforderung, und sie wollen mit ihrer Musik auch in der Stadt selbst Präsenz zeigen. Francisco Obieta hat seine Missa Urbana nicht eigens für diese spezielle Besetzung geschrieben. Er will nicht eines der oft bemüht wirkenden «Behindertenprojekte» realisieren. «Menschen mit geistiger Beeinträchtigung benutzen auch normale Verkehrsmittel. Genauso kann ich sie in ein normales musikalisches Projekt integrieren. Da braucht es keinerlei Sonderbehandlung.» Auch Obieta ist begeistert, wie präsent die Valida-Perkussionisten emotional in diesem Projekt sind.

Den Schwung rüberbringen

Die Missa Urbana über den traditionellen lateinischen Messetext enthält viele Tangoelemente, ohne eine eigentliche Tangomesse zu sein. Rhythmisches Feuer ist aber ein wichtiges Element der Komposition. Die Uraufführung solle selbstverständlich packend klingen, sagt Obieta, aber blosse Perfektion sei nicht oberstes Ziel. Wichtiger sei es, dass sich der Schwung und die Begeisterung der Musizierenden aufs Publikum übertrügen. «Und eine Uraufführung hat ihren speziellen Reiz. Es gibt keine hemmenden Vergleichsmöglichkeiten, alle sind die ersten Schöpfer. Meine Uraufführungsmusiker und -sänger setzen selbst den Massstab.»

Teil eines grossen Klangkörpers

Die St. Galler Valida hat in ihrem Angebot auch Projekte musikalischer Förderung. Zwölf Menschen haben sich für das spezielle Messe-Projekt gemeldet und üben seit August unter musikpädagogischer Anleitung die Rhythmen des Obieta-Stücks. Daniel Derungs, Abteilungsleiter im Bereich Wohnen der Valida, ist vom Musikprojekt begeistert. «Allein schon die Erfahrung, sich als Teil eines grossen Klangkörpers zu spüren, ist für meine Valida-Leute etwas Grossartiges.» Ihn freut der Spirit des Miteinanders sichtlich.

Etwas Ähnliches verbindet die unterschiedlichen Partner dieses Projekts: Universität wie Valida tun etwas gegen die Gefahr der Abkapselung, auch gegen bestehende Vorurteile; sie gehen in die Stadt, bespielen mit der Tonhalle ein bekannte Institution, und zeigen, was musikalische Begegnung leisten und wie sie Integration fördern kann.

Konzerte: Sa, 1. 12., Tonhalle, 19.30 Uhr; Di, 4. 12., Aula Universität, 20.30 Uhr (Eintritt frei – Kollekte); www.unichor.ch; www.uniorchester.ch

Joachim Beil, Präsident Universitätschor (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Joachim Beil, Präsident Universitätschor (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Francisco Obieta, Dirigent und Komponist (Archivbild: Reto Martin)

Francisco Obieta, Dirigent und Komponist (Archivbild: Reto Martin)

Fabio Haufler, Präsident Universitätsorchester (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Fabio Haufler, Präsident Universitätsorchester (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

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