Mit Mahler die Welt vergessen

Das Gute liegt oft so nahe. Zum Beispiel im Festspielhaus Bregenz, an einem gewöhnlichen Samstag im September: der Welt abhanden kommen mit Gustav Mahlers Rückert-Liedern und der 6. Symphonie.

Bettina Kugler
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Kirill Petrenko (Bild: pd)

Kirill Petrenko (Bild: pd)

Das Gute liegt oft so nahe. Zum Beispiel im Festspielhaus Bregenz, an einem gewöhnlichen Samstag im September: der Welt abhanden kommen mit Gustav Mahlers Rückert-Liedern und der 6. Symphonie. Ruhen «in einem stillen Gebiet» aus vielen, vielen Noten jener gewichtigen Partitur, die auf dem Pult eines kleinen, scheu wirkenden Mannes liegt. Kirill Petrenko, aufgewachsen in Sibirien, künstlerisch gereift in Feldkirch, ist wieder einmal in seiner zweiten Heimat Vorarlberg. Während sich die grossen Opernhäuser und Orchester um ihn reissen, macht sich Petrenko rar. Umso intensiver, was er der Partitur ablauscht und jedem einzelnen Musiker des Symphonieorchesters Vorarlberg mit unprätentiösen Gesten in den Schoss fallen lässt. Atemlose Stille im Saal, vorn die Essenz des Werkes: grosse Wonne, grosses Weh. So muss Musik, nicht nur von Mahler, ins Herz singen.