Mit Luthers Liedern durch die Zeiten

ST. GALLEN. Sie kommen aus der Bachstadt Leipzig, sind aufgewachsen mit Bachs Chorälen, Kantaten und Passionen – insofern also auch mit Texten Martin Luthers, gedacht für die singende Gemeinde.

Bettina Kugler
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Das Calmus-Ensemble aus Leipzig.

Das Calmus-Ensemble aus Leipzig.

Bild: Marco Borggreve

ST. GALLEN. Sie kommen aus der Bachstadt Leipzig, sind aufgewachsen mit Bachs Chorälen, Kantaten und Passionen – insofern also auch mit Texten Martin Luthers, gedacht für die singende Gemeinde. Rechtzeitig zum bevorstehenden Reformationsjubiläum hat das Calmus Ensemble, 1999 gegründet und derzeit eine der gefragtesten deutschen A-cappella-Formationen, ein facettenreiches Konzertprogramm rund um Luthers Lieder zusammengestellt. Zu hören war es am Freitagabend in der Kirche St. Laurenzen, als drittes der Laurenzen Konzerte 2015.

Dabei überraschte weniger die vielgelobte homogene Klangkultur der vier Sänger und ihrer Sopranistin Anja Pöche als die Leichtigkeit, mit der das Ensemble einen Bogen über die Zeiten spannte – vom Gregorianischen Choral über Renaissance und Barock bis zur Romantik, zu Reger, Siegfried Karg-Elert und schliesslich in die Gegenwart, zum 1936 geborenen Schweden Gunnar Eriksson.

Orgelfassungen, vokal

Dem Volk aufs Maul zu schauen, ihm handkehrum biblische Inhalte mit Liedern in den Mund zu legen: Diesem Bestreben Luthers folgte das Programm in einem Gang durchs Kirchenjahr, vom adventlichen «Nun komm der Heiden Heiland» bis zu Allerseelen – letzteres in einem innigen Reigen vorwiegend romantischer Versionen, von Brahms, Reger, Piutti und Mendelssohn.

Dass Luther keineswegs mit allen Traditionen gebrochen hat, beweisen seine Übersetzungen, etwa des adventlichen «Veni redemptor gentium» («Nun komm der Heiden Heiland») und des Pfingsthymnus' «Veni creator spiritus». In seiner einstimmigen Schlichtheit zog das Calmus Ensemble den Gregorianischen Choral durch kunstvoll gesetzte Strophen von Balthasar Resinarius, Johann Eccard und Johann Hermann Schein. Hinzu kamen textierte oder gesummte Orgelfassungen: kein Problem für die so beweglichen, ganz aufeinander eingestellten Sänger.

Ernste Texte durchspielen

So treten weit auseinander liegende Zeiten in einen vielstimmigen Dialog – was bei Anja Pöche, Sebastian Krause, Tobias Pöche, Ludwig Böhme und dem seit Anfang 2015 mitsingenden Bassisten Manuel Helmeke stets leicht wirkte und verspielt. Ohne jedoch den Ernst der Texte in den Hintergrund zu spielen.