Mit Liedern durch Europa schweifen

Schattentheater, Figurenspiel und Gesang verbindet Kurt Fröhlich vom Figurentheater Fährbetrieb in seiner neuen Produktion für Erwachsene: «Liederabend» ist eine musikalische Reise in Legenden und Balladen – am Wochenende war sie in Winkeln zu sehen.

Bettina Kugler
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Die Ballade der Muschelverkäuferin: Kurt Fröhlich spielt und singt. (Bild: Michaela Rohrer)

Die Ballade der Muschelverkäuferin: Kurt Fröhlich spielt und singt. (Bild: Michaela Rohrer)

ST. GALLEN. Er ist ein grossartiger Märchenerzähler und mit dem Schatz der Brüder Grimm häufig in Kindergärten und Schulen unterwegs. Doch auch Erwachsene nimmt Kurt Fröhlich gern in seinen Geschichtenkahn und setzt mit ihnen über auf die andere Seite, wo historische Figuren warten, Engel, Heilige, Märchenwesen oder singende Seehunde.

Santa Lucia als Mini-Oper

Nicht umsonst nennt er sein Einmannunternehmen mit Sitz in Herisau «Figurentheater Fährbetrieb»: So darf in seiner neuen Produktion für Grosse – dem «Liederabend» mit Figuren und Schatten auf der Reise kreuz und quer durch Europa – ein handgeschnitztes Boot mit gebauschtem Segel nicht fehlen. Es schaukelt auf den Wellen vor Syrakus, Sizilien, und versetzt uns in die Zeit der frühen Christen, ans Grab der heiligen Agata. Die Legende von Lucia, die auf dem Scheiterhaufen endet, weil sie nicht heiraten will, sondern ihr Leben Gott weihen, spielt Kurt Fröhlich als italienische Oper mit munteren Zitaten von da und dort – und mit geschnitzten Handpuppen.

Ein Kontinent in Balladen

Sein Orchester sitzt am Piano: Jonathan Schaffner, zweiter Wanderer auf diesem der Laune folgenden Spaziergang. Mal singen sie gemeinsam, mal färbt Schaffner die Überleitungen mit sanften Blue Notes, stets spielt die Musik lebhaft mit. Die Fussreisen dazwischen deuten die beiden nur an; es geht vielmehr flugs von der Schweiz an die Nordsee, von dort nach Sizilien, sodann ins Land, das die heilige Lucia stimmungsvoll mit Lichterfesten feiert: Schweden.

Nach Prag, ins Schtetl, nach Frankreich auf die Brücke von Avignon, nach Irland auf den Fischmarkt, nach Granada. Europa, ein Problemfall? Für Fröhlich ist es vor allem ein Kontinent voller Märchen, Geschichten, Balladen und Gassenhauer. Mit einer Humoreske beginnt die Reise: mit dem Berner Volkslied «Es wott es Froueli z Märit gah» als Schattenspiel mit markant geschnittenen, bis in die feinsten Glieder beweglichen Figuren – zugleich ist die Eröffnungsepisode eine Hommage an die Volkskunst der Scherenschnitte. Vom Zeitgeist und dessen Hang zur Hetze – im doppelten Wortsinn – setzt sich der «Liederabend» entschieden ab.

Liebevoll ausgestattet

Fröhlich und Schaffner nehmen sich Zeit, den Kontinent in kleinen Szenen mit vielen Strophen zu erkunden. Zur Nostalgie des Abends passt die liebevolle Ausstattung: etwa die Düne aus Stoffbahnen, auf der ein Seehund strandet und seiner Hundedame «La Paloma» singt. Doch damit nicht genug, Kurt Fröhlich hat ihm auch ein Schifferklavier geschnitzt, auf dem der Seehund seinen küstenerschütternden Gesang begleiten kann.

Premiere hatte der «Liederabend» Anfang März in Winterthur, erst Ende des Jahres werden die beiden Wanderer wieder in Säntisnähe sein. Der Alpstein-Sommernachtstraum, mit dem der Abend so zauberhaft endet, ist dann leider dem Winter gewichen.