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«Mit Lesen beginnt das Schreiben»

Margret Kreidl ist diesjährige Stipendiatin der Kulturstiftung des Kantons Thurgau. Lyrik zieht sich wie ein roter Faden durch die Literatur der österreichischen Autorin. Doch das ist keineswegs alles.
Brigitte Elsner-Heller
Die Autorin Margret Kreidl mit einem ihrer roten Notizbücher. (Bild: Brigitte Elsner-Heller)

Die Autorin Margret Kreidl mit einem ihrer roten Notizbücher. (Bild: Brigitte Elsner-Heller)

Es gibt Gespräche, die noch lange weitergeführt werden könnten, weil sie erfrischend sind, immer wieder Neues streifen. Das Gespräch mit Margret Kreidl ist so eines. Die österreichische Autorin, deren Markenzeichen die Vermischung von Gattungen ist, ist in diesem Jahr Stipendiatin der Kulturstiftung des Kantons Thurgau und als solche im Bodmanhaus zu Gast. An einer Matinée können Literaturfreunde ihr an diesem Sonntag begegnen.

Dass Margret Kreidl – wie nun auch im Bodmanhaus – einmal als Lyrikerin vorgestellt werden würde, war in ihrem Lebenslauf zunächst nicht unbedingt vorgezeichnet. 1964 in Salzburg geboren, legte sie die Matura an einer Wirtschaftsschule ab, um dann nach Graz zu gehen (sie lebt heute in Wien). Das Studium der Geschichte, Philosophie und Soziologie geriet jedoch bald ins Abseits, schliesslich war Graz die Literaturhauptstadt Österreichs. Margret Kreidl besuchte Lesungen, las auch auf eigene Faust sehr viel – und fing an zu schreiben. Ausgangspunkt war für sie die freie Theaterszene, wo sie in Theaterproduktionen eingebunden wurde. «Ich konnte viel ausprobieren, es gab viele Räume dazu in Graz, die heute zum Teil weg sind», erinnert sie sich. Während Texte von ihr bereits 1989 eine Bühne fanden, erschien das erste Buch erst 1995.

Auf Beutezug im Bla-Bla der Wirtschaftssprache

«1989 habe ich mich entschlossen, freie Schriftstellerin zu sein und zu werden», sagt sie im Rückblick. Der Satz hat erstaunlicherweise nichts Naives an sich, wenn er von Margret Kreidl kommt. Nachdem sie zunächst für sich und dann für eine Literaturzeitschrift geschrieben hatte, ging sie weiter professionell vor, reichte Manuskripte bei Verlagen ein. Zufall und Glück seien auf ihrer Seite gewesen, und doch sei alles sehr organisch verlaufen.

Zum Erfrischenden an der Begegnung mit Margret Kreidl und ihren Texten zählt die Offenheit, mit der sie sich Themen annähert und sie sich über ein «Spiel mit der Sprache» kreativ erschliesst, sie damit in Literatur verwandelt. «Mit Lesen beginnt das Schreiben», sagt sie dann auch zu ihrer Dozententätigkeit am Max-Reinhart-Seminar in Wien, wo sie mit Studierenden der Fächer Regie und Schauspiel in Texte hineingeht und eine Schreibwerkstatt betreut. Auch für sie selbst gilt die Feststellung, dass Lesen am Anfang steht, immer noch, denn ihre Texte gehen oft aus Material hervor, das Zeitungen (ihr) in Form von Schlagzeilen liefern. «Ich würde mich als wache Bürgerin bezeichnen», äussert sie, wobei sie besonders gern im Wirtschaftsteil auf Beutezug geht, im «Bla-bla der Wirtschaftssprache».

Lange Romane oder lange Prosa sind nicht die Welt der Margret Kreidl. Ihren Rhythmus findet sie in kurzen Prosaformen beziehungsweise lyrischer Prosa. Wenn sie im Bodmanhaus als Lyrikerin vorgestellt wird, hat das durchaus seine Berechtigung, denn Lyrik zieht sich wie ein roter Faden durch ihre literarische Tätigkeit. Dramatische Texte entstehen heute nur noch als Auftragsarbeiten. Margret Kreidl hat da ein Stück weit auch einen kritischen Abstand entwickelt.

«Das Theater ist heute sehr gefrässig, was Uraufführungen betrifft. Es will nur ganz bekannte Autorennamen und Skandale.»

Forschungsreise rund um den See

In die Schweiz hat Margret Kreidl schon lange gute Kontakte, sie hat auch bereits zweimal im Bodmanhaus gelesen, wobei Zsuzsanna Gahse beide Male moderierte. Auch zu ihr ist der Kontakt nicht abgerissen. Obwohl sie oft in der Schweiz war, kannte Margret Kreidl die Bodenseeregion nur wenig. Mit Notizbüchern ausgerüstet, war sie den August über bewusst als Touristin unterwegs, wie sie sagt: «Ich verwende den Aufenthalt als soziologisch-ethnologische Forschungsreise rund um den See.» Die Bodenseelandschaft erscheint ihr mild und weit, was ihr die Frage aufdrängte, ob das die Literatur der Region präge, ob es so etwas wie eine «See-Literatur» gebe.

Für diese Fragen war das Bodmanhaus selbst mit seiner Bibliothek eine gute Forschungsbasis. Dort hat Margret Kreidl viel gelesen, hat die Geschichte der Region erforscht, sich Fragen zur Grenze gestellt, die sie als Reisende wenig gespürt habe. Bewusst habe sie sich für den Aufenthalt als Stipendiatin kein Projekt mitgenommen. «Ich versuche, möglichst offen zu sein.»

Auf die neuerliche Lesung im Bodmanhaus freut sie sich: «Ich habe das laute Lesen gern. Ich finde, Literatur hat so begonnen – dass wir uns etwas erzählt haben. Und ich bin gern in Kontakt mit dem Publikum.»

Margret Kreidl liest im Bodmanhaus Gottlieben, heute So, 11 Uhr.

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