Mit klarer Linie, mit kräftiger Keule

Der Künstler Christoph Rütimann ist mit dem diesjährigen Thurgauer Kulturpreis ausgezeichnet worden. Er ist in seinem facettenreichen Schaffen mehr als ein blosser Multimediakünstler.

Martin Preisser
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Kostproben seiner Kunst gab's vom frisch gebackenen Kulturpreisträger Christoph Rütimann. (Bild: Andrea Stalder (Warth, 26. Oktober 2016))

Kostproben seiner Kunst gab's vom frisch gebackenen Kulturpreisträger Christoph Rütimann. (Bild: Andrea Stalder (Warth, 26. Oktober 2016))

Der Thurgauer Kulturpreis feiert einen runden Geburtstag. Im Kunstmuseum Thurgau wurde er am Mittwoch zum 30. Mal vergeben, an einen im Thurgau tätigen Künstler, der national und international ausstrahlt. Christoph Rütimann wäre nicht Christoph Rütimann, hätte er die Preisverleihung («mit dem Preis werde ich auch finanziell im Kanton verortet») nicht selbst als Podium genutzt, um Kostproben seines breiten und facettenreichen Schaffens abzulegen.

Rütimanns bekannte Kakteen fungierten erneut faszinierend als Musikinstrumente. Improvisiert, aber wie perfekt inszeniert, zusammen mit dem Trio Kimmig-Studer-Zimmerlin, dessen Musik zur Umrahmung der Feier über weite Strecken wie ein wunderbarer Soundtrack zur Kunst von Christoph Rütimann wirkte.

Rütimann wurde mit einem Preis beschenkt, und beschenkte seinerseits mit Kunst. Aktuell zur Preisverleihung hat er die Homepage www.kulturkeule.ch aufgeschaltet. Regierungspräsidentin Monika Knill und Laudator Beat Wismer sind die ersten Preisträger von Rütimanns Kulturkeulen, zwei veredelten Obstbaumstämmen. «Die Kulturkeule zieht ihre Effizienz aus der Nichtbenutzung als Werkzeug, sie ist Instrument der Phantasie seines Besitzers», sagt Rütimann zu seinem neuen Kunstprodukt.

«Ich bin medial fokussiert, aber nicht multimedial»

Damit ist man mittendrin in Rütimanns künstlerischem Denken und in seinem Phantasie-Kosmos. Als Multimediakünstler hat ihn die Kulturpreisurkunde offiziell gewürdigt. Christoph Rütimann ist aber mehr als ein Multimediakünstler. Er springt nicht einfach zwischen den Medien hin und her, sondern hat sich das jeweilige Medium über die Beschäftigung mit demselben vertieft angeeignet. «Ich bin medial fokussiert, aber nicht multimedial», sagt der Künstler selbst, der 1993 die Schweiz an der 45. Biennale in Venedig vertrat.

«Immer tiefer statt immer mehr», so lautete eine Formel, mit der Beat Wismer, Generaldirektor der Stiftung Museum Kunstpalast Düsseldorf, die Arbeit des Freundes und Mitstreiters Christoph Rütimann würdigte. Wismer zählt den 1953 geborenen «Protagonist der Performance- und der Installationskunst» zu den «ganz grossen Schweizer Künstlern».

Christoph Rütimann fungiere «als eine Art Landvermesser, in alle Dimensionen ausgreifend». Dieser Landvermesser untersuche unsere Position in der Welt und bringe unsere angeblich gesicherten Positionen mit seinen schiefen Ebenen und mit seinen zu Skulpturen aufgeschichteten Waagen ins Wanken und aus dem Lot, sagte Wismer. «Auf dass wir uns nicht in falscher Sicherheit wähnen.» Rütimanns Arbeiten und Denken schaffen weite und immer wieder überraschende Horizonte und Sichtweisen, auch nachzulesen in den beiden Monographien «Der grosse Schlaf» und «Die Linie im Kopf». Die Linie ist ein entscheidender roter Faden in Rütimanns Schaffen, am bekanntesten manifestiert in seinen Arbeiten, in denen er überall auf der Welt Treppengeländern nachgeht.

«Der Kulturpreis ist kein Schulterklopfen»

Die Unbedingtheit seines Tuns und die Unerbittlichkeit seiner Ansprüche an die Kunst, wie es Beat Wismer ausdrückte, werden in Rütimanns Schaffen weitergehen. Der Thurgauer Kulturpreis sei eben nicht nur ein «Schulterklopfen für bereits Erreichtes», sondern vor allem Ansporn für die zukünftige künstlerische Arbeit, formulierte es Hans Jörg Höhener, Präsident der Thurgauer Kulturkommission. Diese schlägt dem Regierungsrat mögliche Kulturpreiskandidaten vor.