«Mit kindlicher Freude»

Seine Schätze aus dem Archiv wirft morgen Boris Blank vom Duo Yello auf den Markt. Er sagt von sich, dass er wie ein Maler arbeitet – nur halt mit Klängen und Rhythmen.

Olaf Neumann
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Boris Blank Musiker (Bild: Darius Ramazami)

Boris Blank Musiker (Bild: Darius Ramazami)

Herr Blank, Ihr Studio befindet sich im Gartengeschoss der Villa von Dieter Meiers Familie oberhalb der Stadt Zürich. Schätzen Sie die Natur als Ort der Inspiration?

Boris Blank: Wenn man so will, ja. Ich kann mich eigentlich überall inspirieren lassen. Hier habe ich den Vorteil, dass ich im Grünen arbeiten kann, weil ich ein naturverbundener Mensch bin.

Kürzlich veröffentlichten Sie ein Album mit der Sängerin Malia, nun erscheint das Box-Set «Electrified» mit unveröffentlichter Musik aus Ihrem Archiv. Ist das der Beginn der Boris-Blank-Solophase?

Blank: Ja, es akkumuliert sich. Das Projekt mit Malia zog sich über zwei Jahre hin, im Januar haben wir es abgeschlossen. Als wir vor drei Jahren dieses Studio hier umbauten und die Bandmaschinen und Mischpulte rauskippten, sind Ian Tregoning und ich auch das Archiv durchgegangen, also das ganze Bandmaterial und die alten Medien auf digitaler Basis. Dabei stiessen wir auf einen Schatz voll unveröffentlichter Stücke. Ian Tregoning ist ein alter Freund von Yello. Nachdem wir uns durch das Material gehört hatten, meinte er: «Boris, we have to do something. This material is unbelievable.»

Was hat Sie beim Stöbern in Ihrem Archiv am meisten überrascht?

Blank: Eine Kiste voller Musikkassetten. Es waren Hunderte. Viele davon klangen noch erstaunlich gut. Die Sachen, die wir dann auf das Box-Set genommen haben, sind zeitlos. Darüber hinaus habe ich gemeinsam mit anderen Künstlern zwölf neue Filme gemacht und auf DVD gehoben.

Die ältesten Stücke auf «Electrified» stammen aus dem Jahr 1977, mithin noch aus der Zeit vor Yello. Hatten Sie damals schon Ihren eigenen Stil gefunden?

Blank: Ich weiss gar nicht, ob ich selber meinen Stil beschreiben kann, weil ich ein Dilettant und kein Musiker bin. Es gibt aber Leute, die meinen, sie könnten nach drei Takten erkennen, ob es sich um ein Stück von Boris Blank handelt. Ich setze die Klänge, Rhythmus- und Bassmuster zusammen wie ein Maler mit Farben umgeht.

In den letzten 35 Jahren haben Sie mit Yello zwölf Millionen Platten verkauft. Warum bezeichnen Sie sich noch immer als Dilettanten?

Blank: Sicher entwickelt sich durch gewisse Wünsche und Sehnsüchte ein Talent weiter, aber ich gehe immer noch mit kindlicher Freude an die Musik heran. Es wäre sicher anders, wenn ich behaftet wäre mit Kenntnissen über Noten, Partituren und Harmonien.

Sie haben eine App namens Yellofier entwickelt. Sie gilt als eine der besten Musik-Apps für das iPhone. Was kann sie?

Blank: Diese App kommt ganz nah an meine Beziehung zur Musik heran. Mit ihr kann ich innerhalb von Minuten mit Geräuschen wie dem Quietschen eines Autos Musik machen. Ein Kindergarten in Los Angeles arbeitet mit meiner App anstelle von Flöten oder Pianos.

Boris Blank: Electrified (Universal)