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13-jähriges Wunderkind spielt am Lucerne Festival

Das dritte Wunderkind-Debüt am Lucerne Festival gestaltet Dmitry Ishkhanov. Erst 13-jährig ist er der jugendliche Virtuose, wie er im Buche steht. Dabei sollte er gar nicht Musiker werden.
Roman Kühne
Dmitry Ishkhanov bei seinem Konzert in der Lukaskirche. Bild: Patrick Hürlimann/Lucerne Festival

Dmitry Ishkhanov bei seinem Konzert in der Lukaskirche. Bild: Patrick Hürlimann/Lucerne Festival

Am erstaunlichsten ist es vielleicht, mit welcher Sicherheit und Ruhe sich der Dreizehnjährige ans Pianoforte setzt. Konzen­triert und selbstbewusst vom ersten Takt an, scheint es für Dmitry Ishkhanov schon jetzt nur wenige Grenzen zu geben. Zumindest technisch. Dabei spielt er am Mittwoch in der Lukaskirche nicht einfach ein beliebiges Lunch-Konzert, sondern ein Gemisch aus Schumann, Mendelssohn und Liszt, das es in sich hat. So wählt er beispielsweise aus dem vierten Heft der «Lieder ohne Worte» von Felix Mendelssohn das «Presto agitato», ein ­rasendes Bravourstück, eine Knacknuss für Kunstfertigkeit und Geschick.

Doch für den jungen Mann ist dies kein Problem. Wie in einem Ameisenhaufen wimmeln die Finger der rechten Hand über die Tasten, werden die schnellen Akkordfolgen angeschlagen. Es ist ein richtiges Wunderkinderprogramm.

Mathematik oder Schach

Dabei war sein Weg in die Musik überhaupt nicht vorgezeichnet. «Mein Vater ist Ingenieur und ein guter Mathematiker», erklärt der junge Spross. «Er hätte es lieber gesehen, wenn ich seinen Fussstapfen gefolgt wäre, oder zumindest mehr Schach gespielt hätte.» So kam es, dass Musik in seinem Hause in Malta nicht gerade auf den vordersten Plätzen fungierte. Ein Klavier war natürlich auch nicht vorhanden. Es war schlussendlich seine Nanny, die ihn auf den Geschmack brachte. «Bei ihr zu Hause spielte sie mir regelmässig auf dem Piano vor», erklärt der Jungpianist.

«Ich habe ihre Melodien dann nachgespielt. Oft reichte es, das Stück ein bis zwei Mal zu hören, und ich konnte es auswendig. Sie hat mich dann auch ermuntert, Klavierunterricht zu nehmen.» Schach spielt Dmitry Ishkhanov zwar heute noch gerne, aber nur noch als Hobby. Denn er bewies am Klavier ein so grosses Talent, dass er schon zwei Jahre später, er war gerade mal 5 Jahre alt, erstmals öffentlich auftrat. Mit neun Jahren zog er, begleitet von seiner Familie, nach Deutschland.

«In Malta wäre ich nicht mehr weitergekommen», blickt er zurück. «In Köln wurde ich an die Musikhochschule aufgenommen und studiere jetzt bei Gesa Lücker. Daneben besuche ich das Humbolt-Gymnasium.» Dmitry wurde nicht nur an die Hochschule zugelassen, er ist auch der jüngste Student, der dort je Eintritt fand. Aber darüber macht Dmitry kein Aufheben. Genauso ruhig und bescheiden wie er auf der Bühne auftritt, ist er auch im Gespräch. Dabei ist er ebenfalls aussermusikalisch sehr begabt und spricht bereits vier Sprachen. Russisch wegen seiner Eltern, Englisch, weil er in Malta lebte, Deutsch, da er jetzt in Köln wohnt. «Und dann noch Spanisch, weil ich das in der Schule habe. Aber das beherrsche ich nicht fliessend», erklärt er. So einfach ist das! Daneben ist er auch noch ausgezeichnet in Mathematik.

Guter Schulabschluss ist wichtig

Leidet er denn nicht unter ständiger Zeitnot. Kann er bei all dem Üben und Lernen auch noch Freunde treffen. «Gewisse Abstriche muss ich natürlich schon machen», führt Dmitry aus. «Nach der Schule muss ich erst mal Klavier spielen und Hausaufgaben machen und kann meine Freunde erst später treffen.» Er habe aber genügend Freizeit. Denn einerseits sei alles eine Frage der Einteilung und zweitens wolle er ja nicht ein «blöder Klavierspieler» werden. «Das Klavier ist mir wichtig, aber es darf nicht mein alleiniger Lebensinhalt sein. Deshalb will ich auch einen guten Schulabschluss.»

Am liebsten interpretiert er Chopin, technisch und von der Auslegung her nicht gerade das Leichtgewicht unter den Komponisten. Doch auch die anderen Romantiker beherrscht er überzeugend. An diesem Mittagskonzert sind es etwa die fünf Ausschnitte aus Schumanns Fantasiestücken. Neben der stupenden Technik beweist er eine bereits überzeugende Gestaltungskultur, variiert spielerisch das Tempo, lässt dem Fliessen seinen Lauf. Virtuos ist alles, was er spielt.

Zwischentöne fehlen noch

Auch das Liebeslied «Widmung» (Schumann) gestaltet Dmitry mit jugendlichem Überschwang. Die Stille und die schattigen Zwischentöne sind – noch – nicht sein Ding. Viel Pedal und wuchtige Akkorde wie im Rondo capriccioso von Felix Mendelssohn prägen das Bild. Es ist ein Konzert aus einem Guss. Ein romantisches Fest, in welchem der Pianist keine Sekunde den grossen Faden oder die Energie verliert. Man mag es kaum glauben, dass da ein erst 13-Jähriger auf der Bühne steht.

Evgeny Kissin, Grigory Sokolov – euer Nachfolger kommt.

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