Mit Gustav Mahler zu Höchstform

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Junge Menschen spielen Gustav Mahler. Und wenn sie es so tun wie die Vierländer-Jugendphilharmonie Quarta vorgestern im Festspielhaus Bregenz, möchte man Mahlers erste Sinfonie eigentlich nur noch mit Jugendlichen hören. Der Vorarlberger Christoph Eberle dirigiert das Werk mit grosser Detailkenntnis auswendig und ist so mittendrin und ganz nah bei den jungen Spielerinnen und Spielern aus den vier Bodensee-Anrainerstaaten.

Unerhört konzentriert und klanggenau kommt schon die Naturstimmung des Beginns. An morgendliche Vogelrufe hat das an den im Dezember verstorbenen Cellisten Heinrich Schiff zurecht erinnert. Ihm, der das Orchester Quarta zum Start letztes Jahr noch massgeblich gefördert hatte, war das Konzert im Gedenken gewidmet. Christoph Eberle gelingt es, sein Jugendorchester, das in einer Woche professioneller Probenarbeit dieses Konzert vorbereitet hat, zu einer wunderbaren Balance aus Präzision und Natürlichkeit zu verführen. Die schwere Partitur ist stets getragen und doch emotionsgeladen.

Begründet in der Liebe zur Musik

Auch im elegant Wienerischen des zweiten oder dem sanften Fliessen der Pianissimo-Passagen des dritten Satzes führt das Orchester keine Leistungsshow vor. Nichts wirkt hier wie Drill, sondern alles ist verbunden und begründet in der Liebe zur Musik. Diese Mahler-Sinfonie geriet zur echten Sternstunde. Der Dirigent konnte die Kraft dieser Musik bis ins fulminante Finale vermitteln. Und die jungen Menschen haben das mit einer Leidenschaft und einem Entdeckergeist umgesetzt, die auch die völlig begeisterten Zuhörer dieses Werk wie taufrisch neuentdecken liessen.

Ist Mahler ein Prüfstein für grosses, passioniertes sinfonisches Denken, so ist Mozart ein Prüfstein für Genauigkeit im Detail. Auch hier beim Klarinettenkonzert A-Dur bewies Quarta eine grosse und dynamisch breite Klangpalette. Die Dialoge mit dem Solisten waren so energisch wie sensibel, so ziseliert wie hingebungsvoll. Kein Begleiten, sondern ein engagiertes Mitatmen. Sehr überzeugend der junge Klarinettist Alex Ladstätter, der in allen ­Höhenlagen über einen zauberhaften Ton verfügt und vor allem zwischen tief und hoch auf seinem Instrument eigene spannende Dialoge gestaltete.

Nach diesem zweiten Programm von Quarta freut man sich auf nächstes Jahr, wenn wieder ein Auftritt in der Schweiz geplant ist, wie 2016 im Zentrum Würth Rorschach. (map)

Nochmals: • Sa, 9.9., Vaduzer Saal, Vaduz • So, 10.9., Montforthaus, Feldkirch; jeweils 19.30 Uhr