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Volksmusiker: Mit Geige, Akkordeon und einem Juchzer

Zwei Ostschweizer Volksmusiker werden mit dem Schweizer Musikpreis geehrt. Noldi Alder und Willi Valotti stehen bei der Preisverleihung in Lausanne nicht zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne. Lange spielten sie bei den Alderbuebe – dann trennten sich ihre Wege.
Julia Nehmiz
Der Toggenburger Willi Valotti spielt in sechs Formationen. (Bild: PD)

Der Toggenburger Willi Valotti spielt in sechs Formationen. (Bild: PD)

Sie kennen sich schon mehr als ein halbes Jahrhundert. Beide waren Kinderstars, Jugendstars, und sind in der Volksmusikszene bis heute Grössen, an denen man nicht vorbeikommt: Der Toggenburger Willi Valotti und der Ausserrhoder Noldi Alder. Beide sind Virtuosen, der eine am Akkordeon, der andere an der Geige. Und beide tief der Volksmusik verbunden. Der eine als Erneuerer, der andere als Bewahrer.

Am Donnerstagabend stehen sie nach Jahrzehnten wieder gemeinsam auf der Bühne, allerdings ohne ihre Instrumente. Valotti und ­Alder gehören zu den 15 Musikern, die am 13. September vom Bundesamt für Kultur mit dem Schweizer Musikpreis 2018 ausgezeichnet werden. Dass sie jetzt beide im selben Jahr diesen Preis erhalten, ist ein schöner Zufall. Und bringt zwei Musiker wieder zusammen, deren musikalische Wege sich vor vielen Jahren trennten.

Auftritte schon als Siebenjähriger

Noldi Alder entstammt der ­berühmten Urnäscher Musikerfamilie. Schon Grossvater und Urgrossvater waren Musiker. Sein Vater gründete die Alder Streichmusik. Noldi Alder wuchs mit sieben Geschwistern auf dem elterlichen Bauernhof auf, weit ausserhalb von Urnäsch. Für den Schulweg waren die Kinder eine Stunde zu Fuss unterwegs.

Musik spielte im Hause Alder ein grosse Rolle. Ein Radio gab es nicht, musiziert wurde selber, Appenzeller Musik. Noldi lernte Geige. Während der Vater mit seiner Formation weltweit auftrat, bewirtschaftete die Mutter den Hof. Die Kinder halfen, und traten früh auf: 1963 wurde die Formation Alderbuebe gegründet. Rasch wurde sie erfolgreich.

Dass Willi Valotti Akkordeon lernte, verdankt er einem hart­näckigen Onkel. Der schenkte dem Fünfjährigen eine Ziehharmonika in Kindergrösse. Nach wenigen Tagen war sie kaputt, klein Willi hatte sie mehrfach die Treppe herunterpoltern lassen. Die Eltern fanden dann, er brauche kein neues Instrument, es gehe sowieso wieder kaputt. Sie sollten unrecht behalten.

Willi Valotti lernte rasch und trat schon als Siebenjähriger auf. Er spielte ab Gehör und beherrschte bald ein grosses Repertoire. 1965 stiess er zu den Alderbuebe.

Für gewisse Sachen muss man sich zurückziehen

Innovative Appenzeller Volksmusik, damit wurde die junge Kapelle berühmt und erspielte sich mit ihrem virtuosen, neuen Stil ein grosses Fanpublikum. Und die jungen Musiker waren gut. Sehr gut. «Ich kam doch gar nicht auf die Idee, Geige zu studieren», erzählt Noldi Alder.

«Ich dachte, ich kann’s ja. Alle haben mir immer gesagt, wie toll ich sei. Niemand sagte, ‹du könntest noch etwas lernen›.»

Der Ausserrhoder Noldi Alder experimentiert mit Klängen, Harmonien, Geräuschen. (Bild: PD)

Der Ausserrhoder Noldi Alder experimentiert mit Klängen, Harmonien, Geräuschen. (Bild: PD)

Er sitzt im sonnendurchfluteten Arbeitszimmer seines Hauses in Urnäsch, eigentlich mag er gar nicht gross über sich und seine Musik sprechen. Mehr Öffentlichkeit bringe bloss mehr Arbeit mit sich, die ihn von der Musik abhalte. Mehr als zehn oder zwölf Konzerte im Jahr mag er nicht spielen. «Für gewisse Sachen muss man sich zurückziehen», sagt er. Noldi ­Alder ist gerne allein, übt für sich.

«Wenn ich zu viele Konzerte gebe, verleidet mir die Musik.»

Noch ein Unterschied zwischen Alder und Valotti: Der Akkordeonist spielt in sechs Formationen, allein im September bestreitet er mehr Konzerte als Alder im Jahr. Noch am Tag vor der Preisverleihung in Lausanne spielt er solo im schwäbischen Sindelfingen. Die Auftritte bereiten ihm Freude.

Sie lernten Plattenleger und Mühlenbauer

Valotti hätte als Jugendlicher ­gerne Musik studiert. Doch Akkordeon konnte man nur an der Musikhochschule Trossingen im Schwarzwald studieren, das lag finanziell nicht drin. Valotti lernte Plattenleger, kein Traumberuf, reiner Pragmatismus. Und er spielte nebenher.

«Mein Lehrmeister war tolerant.»

Oft hat ­Valotti am Montag verschlafen, wenn er am Wochenende mehrere Auftritte absolviert hatte.

Noldi Alder lernte Mühlenbauer, arbeitete später vier Jahre in England. Die Alderbuebe ­baten ihn inständig, er möge ­zurückkehren. Das tat Alder, dem es in England gut gefiel, aber nur unter einer Bedingung: Alle ­Kapellenmitglieder sollten sich weiterbilden. «Ob Theologie, Klettern oder Musiktheorie, das war egal», erzählt Alder. «Hauptsache, wach bleiben!»

1980 kehrte er zurück, trat mit drei Brüdern und Willi Valotti auf – und «es ging geradewegs on top». Sie ­waren eine der gefragtesten ­Kapellen der Schweiz. Er selber lernte Geigenbauer. Und hatte ­irgendwann das Gefühl, da sei noch mehr zu entdecken: Alder begann als 35-Jähriger ein klassisches Geigenstudium.

Kaum hatte er mit dem Studium begonnen, spürte er einen Riss zwischen den Sparten. Alder entwickelte neue Ideen für die ­Alderbuebe. Doch das kam nicht immer gut an. Für Noldi Alder war bald klar: Er steigt aus.

«Ich hätte die Alderbuebe sonst kaputtgemacht.»

Seit 1996 verfolgt er seine eigenen Projekte. Auch hier mit grossem Erfolg: Er gilt als ­Erneuerer der Volksmusik, als einer, der Grenzen sprengt und die Volksmusik erweitert. Sie ist für ihn die wichtigste, die höchste Musik. Doch er verbindet sie mit Klassik, mit Geräuschen, auch im Jodeln. «Geräusche sind Musik.» Er experimentiert mit Pausen, Klängen, Harmonien.

Traditionelle Volksmusik wird belächelt

Auch Willi Valotti hat die Volksmusik erweitert, als einer der ersten. «Vor 50 Jahren habe ich Ländler in Anlehnung an Duke Ellington komponiert.» Er hat die Zuschriften aufgehoben, die er nach TV-Auftritten erhielt: «Der Valotti verhunzt die Volksmusik.» Heute setzt er sich dafür ein, die «alte» Volksmusik zu ­bewahren.

«Ich finde Crossover sehr gut, aber es wird überbewertet.»

Er bedauert, dass traditionelle Volksmusik belächelt, an den Rand gedrängt wird. Er will seinen Studenten mitgeben, welche Musik er als Volksmusik ­ansieht, und nicht nur das, was Mode ist.

Bei beiden ist die absolute Hingabe zur Volksmusik zu spüren. Und die Hochachtung und Wertschätzung zueinander. Volksmusik, das ist auf eine Art für beide Heimat.

Verleihung Schweizer Musikpreis am 13.9.2018, livestream auf schweizermusikpreis.ch

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