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Mit dem Tablet durchs Museum

Das St. Galler Museum im Lagerhaus beschreitet mit Augmented Reality neue Wege in der Kunstvermittlung. Es ist das erste Museum der Schweiz, das jene neue Vermittlungstechnik umfassend anwendet, die bald Standard sein wird.
Christina Genova
Mit Augmented Reality in ein Kunstwerk einzutauchen ist kinderleicht. (Bild: Urs Bucher)

Mit Augmented Reality in ein Kunstwerk einzutauchen ist kinderleicht. (Bild: Urs Bucher)

ST. GALLEN. Auf den ersten Blick ist es eine Ausstellung wie jede andere. An den Wänden des Museums im Lagerhaus hängen flächig gemalte Bilder in kräftigen Farben, die an Pop Art erinnern. Es sind Werke der St. Gallerin Hedi Zuber, die dieses Jahr hundert Jahre alt geworden wäre. Ergänzt wird die Ausstellung mit Bildern von Jakob Greuter, Hans Krüsi und Erich Staub – Künstlern, mit denen Hedi Zuber befreundet war. Doch manche Werke sind unten rechts mit einem roten abgerundeten Rechteck gekennzeichnet – ein Hinweis darauf, dass man im Museum im Lagerhaus in der Kunstvermittlung Neuland beschreitet. Mittels eines Tablets und Kopfhörern, die man an der Kasse kostenlos erhält, ist es möglich, in insgesamt 21 Werke richtiggehend einzutauchen. Augmented Reality nennt man diese Art der Kunstvermittlung – erweiterte Realität.

Erste Erfahrungen mit Dunant

«Wir sind die ersten in der Schweiz, die diese Technik umfassend anwenden», sagt Philipp Lämmlin von der St. Galler Kommunikationsagentur Alltag, der auch im Stiftungsrat des Museums im Lagerhaus sitzt. Es war seine Idee, Augmented Reality einzuführen. Mit seiner Agentur konnte er damit bereits erste vielversprechende Erfahrungen sammeln. Eine kleine Ausstellung mit der neuen Technik wurde vor zwei Jahren für das Dunant-Museum in Heiden realisiert. Sie musste verlängert werden und schloss mit einem Besucherrekord. Die Programmierung der Applikation erfolgte durch die Zürcher Firma Ateo, die auf Gamedesign spezialisiert ist.

Für alle Sinne

Doch wie funktioniert Augmented Reality? «Die Kamera ist entscheidend», sagt Philipp Lämmlin. Das Tablet wird auf das Bild gerichtet, bis die darin integrierte Kamera es erkennt. Dann erscheinen auf dem Display verschiedene Buttons. Tippt man diese an, erhält man Zusatzinformationen zu Werk, Künstlerin und einzelnen Bildelementen. Das können Texte, kurze Filmsequenzen, Audiodateien oder weitere Bilder sein. «Alle Sinne werden angesprochen», sagt Monika Jagfeld, die Leiterin des Museums im Lagerhaus. Jedes Werk wird von einer Mitarbeiterin des Museums in einem Video kurz erläutert. Man erfährt darin zum Beispiel, weshalb Hedi Zuber so häufig Nonnen gemalt hat: Sie ging in Wil ein Jahr zu Schwester Amata zur Schule – eine glückliche Zeit. Es ist ausserdem möglich, alle Werke aufzurufen, auf denen die Künstlerin Nonnen dargestellt hat.

Ein Knopf in Form eines Smileys führt zu Werkinterpretationen von Kindern; ein Bub erzählt, dass Hans Krüsi ihn an seinen Grossvater erinnere. Von Hans Krüsi, der nicht nur malte, sondern auch mit dem Kassettenrecorder als Tonjäger unterwegs war, gibt es Kostproben seiner gesampelten Tonaufnahmen.

Die Vorteile von Augmented Reality liegen auf der Hand. Mit einem leicht bedienbaren Hilfsmittel kann man ein Kunstwerk vertieft erkunden, ohne lange Texttafeln lesen zu müssen. Natürlich ersetzt Augmented Reality keine Führung durch eine Fachperson, die auch für Fragen zur Verfügung steht. Doch auch bei Führungen kann Augmented Reality mit Gewinn eingesetzt werden, etwa um zu erläutern, weshalb sich Hedi Zuber auf einem Selbstporträt beinahe so gross wie die beiden Türme der St. Galler Kathedrale dargestellt hat. In einem Filmausschnitt sieht man die Künstlerin, wie sie nach dem Malen in ihre Küche geht, um die Pinsel auszuwaschen. Um an den Wasserhahn zu gelangen, muss sie auf einen Schemel steigen. Hedi Zuber war als Folge einer Rachitis, an der sie als Kind erkrankt war, kleinwüchsig. Wenigstens auf ihren Bildern wollte sie für einmal hoch hinaus.

Noch nicht ausgereift

Philipp Lämmlin betont, dass Augmented Reality in der Hedi- Zuber-Ausstellung ein Pilotprojekt sei: «Sie werden Fehler finden.» Zum Beispiel sei es noch nicht möglich, die Texte auf dem Tablet zu vergrössern. Auch dreidimensionale Objekte, also Skulpturen oder Installationen, können von Augmented Reality noch nicht erfasst werden. Erst vor einem Monat war die Finanzierung der Projektes dank Geldern von Kanton und Stadt St. Gallen, der Kulturförderung von Appenzell Ausserrhoden und Stiftungen gesichert.

Lämmlin sieht das Tablet als ergänzendes Instrument, aber nicht als Muss. Monika Jagfelds Ziel ist es, Augmented Reality künftig als Vermittlungsform in allen Ausstellungen anbieten zu können. Zwar befindet sich Augmented Reality noch in der Entwicklungsphase, aber schon heute ist klar: Was da im kleinen Museum im Lagerhaus zur Anwendung kommt, wird in wenigen Jahren in allen grossen Museen zum Standard gehören.

Bis 10.7.

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