Mit dem Nuggi ins Kunstmuseum

In den Ostschweizer Kunstmuseen gibt es zahlreiche museumspädagogische Veranstaltungen für Kinder und Familien, die einen spielerischen und kreativen Zugang zu zeitgenössischer Kunst ermöglichen. Ein Überblick über die vielfältigen und kostengünstigen Angebote.

Christina Genova
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Im neueröffneten Kunstlabor des Kunstmuseums St. Gallen können Kinder einmal pro Monat nach Herzenslust kreativ sein. (Bild: pd/Daniel Ammann)

Im neueröffneten Kunstlabor des Kunstmuseums St. Gallen können Kinder einmal pro Monat nach Herzenslust kreativ sein. (Bild: pd/Daniel Ammann)

Was, das soll Kunst sein? Auf eine solche Frage wartet man vergeblich, wenn sich Kinder mit zeitgenössischer Kunst auseinandersetzen. Sie sind neugierig und kennen keine Berührungsängste. Im Wissen darum unternehmen die Kunstmuseen der Ostschweiz einiges, um für Kinder attraktiv zu sein. Es ist ihnen bewusst, dass die Teilnehmer von Goofe-Ateliers, Kinderkunstclubs oder Malnachmittagen die Besucher von morgen sind. Nur so ist es zu erklären, dass die Museen ihre kunstpädagogischen Angebote in den letzten Jahren laufend ausbauten.

Von Kindern für Kinder

Besonders erfolgreich sind Veranstaltungen, die eine kindgerechte Führung mit kreativem Arbeiten verbinden. Als experimentierfreudig erweist sich dabei die jüngste Kunstinstitution, das 2013 eröffnete Forum Würth in Rorschach. Neu wird zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der St. Galler Jugendgalerie «Kunstkiosk» eine Kreativwerkstatt für Jugendliche angeboten. Die Jugendlichen sind eine Zielgruppe, die den Kunstmuseen Kopfzerbrechen bereitet und welche in der Ostschweiz sonst kaum erschlossen ist. Ausserdem sucht das Forum Würth zurzeit Kinder, die Lust haben, andere Kinder durch die Ausstellung zu führen. Solche Kindertouren von Kindern für Kinder gibt es nirgendwo sonst in der Ostschweiz. Das Kunstmuseum Thurgau hingegen plant auf nächstes Jahr einen Rundgang mit Kurzhörspielen zu ausgewählten Künstlern und Kunstwerken.

Nur für Privilegierte

Was in allen Ostschweizer Museen fehlt, sind Rezepte, wie auch sogenannte bildungsferne Kinder und Familien in die Museen gelockt werden können. «Es ist eine eher gebildete, einkommensstarke Bevölkerungsschicht, welche unsere Angebote nutzt», sagt Claudia Hürlimann, eine der Museumspädagoginnen des Kunstmuseums St. Gallen. An den Preisen kann es nicht liegen, denn die Veranstaltungen für Kinder sind kostengünstig oder gratis. Vorerst hofft man, weniger privilegierte Kinder über die Führungen für Schulklassen zu erreichen: «In der Kunst gibt es kein richtig oder falsch wie in der Schule. Es kommen deshalb auch schwächere Kinder zum Zug», sagt Claudia Hürlimann.

Wo bleiben die Familien?

Nicht ganz einfach ist es für die Museen, attraktive Angebote für ganze Familien zu finden. Nachdem das Kunstmuseum St. Gallen mit seinen Familienführungen wenig Erfolg hatte, versucht man es jetzt mit einem offenem Kunstlabor, das an jedem ersten Sonntag im Monat von 10 bis 14 Uhr geöffnet ist. Ausgehend von der aktuellen Ausstellung im Kunstmuseum kann sich dort die ganze Familie kreativ betätigen. Auch Anna Beck-Wörner, die als Kunstvermittlerin in der Kunsthalle St. Gallen und in der Kunsthalle Ziegelhütte arbeitet, kennt das Problem mit den Familienangeboten. Ein Ausspruch ihrer Dozentin für Kulturvermittlung ging ihr dabei nicht aus dem Kopf: «Das Ziel sind nicht die Eltern, sondern die Kinder.» Wann hätten diese denn schon die Möglichkeit, in Ruhe eine Ausstellung anzuschauen? Anna Beck-Wörner schwebt deshalb ein neues Angebot vor mit einer Führung für Eltern, einem Maltisch und der Möglichkeit, draussen zu spielen. Einen Schritt hin in diese Richtung unternimmt auch das Forum Würth: Dort werden unter dem Titel «Mit dem Nuggi ins Museum» neu Führungen für Eltern mit Baby angeboten, wo sich niemand daran stört, wenn die Kleinkinder sich mal lautstark bemerkbar machen und man nebenbei andere junge Eltern kennenlernen kann.

Alle Kunstinstitutionen bieten auch Führungen und Workshops für Schulklassen an.