«Mit angezogener Handbremse und spärlich besetzt»: Trotz verschobener Ausstellung «Thurgauer Köpfe» wird im Kunstmuseum Thurgau weiter aufgebaut

Betroffen sind fünf weitere Thurgauer Museen, welche diese erste gemeinsame Schau am 25. April  eröffnen wollten. Die Kuratorin des Kunstmuseums, Stefanie Hoch, erklärt, wie die Vorbereitungen weiterlaufen.

Christina Genova
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Die Kuratorin Stefanie Hoch mit Techniker Uwe Fuchs bei den Vorbereitungen für «Thurgauer Köpfe – Frauen erobern die Kunst» im Kunstmuseum Thurgau in Warth.

Die Kuratorin Stefanie Hoch mit Techniker Uwe Fuchs bei den Vorbereitungen für «Thurgauer Köpfe – Frauen erobern die Kunst» im Kunstmuseum Thurgau in Warth.

Bilder: Donato Caspari

Noch hängt im Kunstmuseum Thurgau in Warth kein einziges Bild. Die Werke befinden sich in Warteposition, lagern an die Wände gelehnt auf Schaumstoffunterlagen. Eigentlich hätte am 25. April «Thurgauer Köpfe» eröffnet werden sollen – die erste gemeinsame Ausstellung von sechs Thurgauer Museen. In diesem Rahmen zeigt das Kunstmuseum unter dem Titel «Frauen erobern die Kunst» Werke von meist vergessenen Thurgauer Künstlerinnen, die zwischen 1880 und 1980 entstanden sind.

Rund die Hälfte der Werke für die Ausstellung T«hurgauer Köpfe – Frauen erobern die Kunst» wurden bereits angeliefert.

Rund die Hälfte der Werke für die Ausstellung T«hurgauer Köpfe – Frauen erobern die Kunst» wurden bereits angeliefert.

Doch noch ist es nicht soweit. Gemäss dem Lockerungskonzept des Bundesrates können Museen frühestens am 8.  Juni wieder eröffnen. Trotzdem gehen die Vorbereitungen weiter: «Mit angezogener Handbremse und spärlich besetzt», sagt Stefanie Hoch, die Kuratorin. Bei einem Augenschein vergangene Woche ist neben ihr nur noch Techniker Uwe Fuchs mit dem Aufbau beschäftigt. In normalen Zeiten hätte er zwei Kollegen zur Unterstützung gehabt. Kurzarbeit leistet im Kunstmuseum Thurgau aber niemand. Eine besondere Regelung gibt es für das Aufsichtspersonal: Es wird bis und mit Juni gemäss geltendem Einsatzplan entlöhnt.

Virtuelle Ausstellungen sind kein Ersatz

Noch hängen die Gemälde nicht an der Wand sondern lagern am Boden.

Noch hängen die Gemälde nicht an der Wand sondern lagern am Boden.

Hätte Hoch sich gewünscht, der Bundesrat würde die Museen schon früher öffnen? «Es ist nicht an uns, und es bringt nichts, die Entscheidung in Frage zu stellen», sagt Hoch. Man müsse jetzt das Beste daraus machen. Die Politik habe momentan keine leichte Aufgabe.

Die Kuratorin arbeitet häufig von zu Hause aus, sie lebt in Konstanz und teilt sich mit ihrem Mann die Betreuung der Kinder. Dank ihres Grenzgänzerausweises hat sie keine Probleme, in die Schweiz einzureisen. Langweilig wird ihr nicht: Sie schreibt Katalog- und Audioguidetexte, ausserdem warten Werke im Depot darauf, aufgearbeitet zu werden. Als Museum sei man privilegiert, alles Material sei vor Ort vorhanden: «Wir sitzen auf einem Schatz und haben immer genug zu tun.» Aber es brauche auch das Publikum. Virtuelle Ausstellungen seien kein Ersatz. Kunst müsse man im Original sehen und im Raum erleben.

Obwohl Hoch die ausserordentliche Lage gelassen nimmt, fehle es ihr, als Team zusammenzuarbeiten. Auch der Flow, der sich sonst beim Endspurt auf eine Eröffnung hin einstelle, sei nicht derselbe. Es sei eigentlich der schönste Moment, wenn sich nach langen Vorbereitungen alles zusammenfüge. Doch momentan relativiere sich vieles:

«Spitäler sind wichtiger als Museen.»
Stefanie Hoch packt die Bronzen der Bildhauerin Isabelle Waldberg aus.

Stefanie Hoch packt die Bronzen der Bildhauerin Isabelle Waldberg aus.

Etwa die Hälfte der Exponate befinden sich schon im Museum, 40 Prozent stammt aus eigenen Beständen. Noch nicht angeliefert werden konnten Werke von vier bis fünf Leihgebern, älteren Leuten, die man keinem unnötigen Risiko aussetzen will. Bereits eingetroffen sind Bronzen der Oberstammheimer Bildhauerin Isabelle Waldberg (1911-1990), ihre surrealistischen Werke werden gerade wiederentdeckt. Sie wurden kurz vor dem Lockdown aus Paris angeliefert.

Bekommen die Museen grünes Licht vom Bund für eine Wiedereröffnung, wäre es möglich, die Ausstellung innert zwei Tagen zu eröffnen, sagt Hoch: «Wir sind relativ klein und flexibel und wir haben sehr gute Handwerker.» Gut vorstellbar und sogar sehr wahrscheinlich sei, dass keine eigentliche Vernissage stattfinde. Sie und Direktor Markus Landert würden dann vielleicht die Eröffnungsrede per Videobotschaft verbreiten.

Stefanie Hoch hofft, dass die Leute danach derart ausgehungert nach Kultur seien, dass sie sofort ins Museum kämen:

«Wenn man im Sommer nicht weit weg in die Ferien fahren kann, entdeckt man vielleicht die eigene Region.»
Werke in Warteposition.

Werke in Warteposition.