Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Interview

Slampoet Valerio Moser: «Mir gefallen urchige Innerschweizer Dialekte»

In Luzern misst sich erstmals die «Slamily». Valerio Moser, Co-Organisator und Co-Moderator der 20. Schweizermeisterschaften im Poetry Slam, über das Zentralschweizer Revival und aktuelle Trends.
Interview: Céline Graf
Das Luzerner Organisationskomitee: Mario Stübi, Remo Rickenbacher, Urs Emmenegger, Lisa Brunner und Valerio Moser (von links). (Bild: PD/Pierre Lippuner)

Das Luzerner Organisationskomitee: Mario Stübi, Remo Rickenbacher, Urs Emmenegger, Lisa Brunner und Valerio Moser (von links). (Bild: PD/Pierre Lippuner)

Valerio Moser, wie wird bestimmt, wo die Schweizer Meisterschaften im Poetry Slam stattfinden?

Während der Meisterschaft versammeln sich die Schweizer Slam-Veranstalter zu einem «Slam-Master-Meeting» und stimmen über den nächsten Austragungsort ab. Bewerben kann sich jede Stadt mit einer aktiven Slam-Szene.

Weshalb kommt erst die 10. Meisterschaft nach Luzern, quasi die Geburtsstadt des Schweizer Slams?

Bei den ersten Schweizer Meisterschaften 2010 und schon 2007, als ich in Luzern studierte, gab es hier kaum Slams. Das hat sich ab 2015 mit einem regelmässigen, grösseren Slam im Neubad geändert.

Und heute?

Mittlerweile ist Luzern wieder eine beliebte Adresse für Slammerinnen und Slammer. Sie freuen sich, dass das Publikum «mega» Freude hat und vielleicht noch weniger abgebrüht ist als in Berlin. Durch die offene Anmeldeliste in der Bar 59 trauen sich auch mehr Leute, mit Slam anzufangen. Es gibt zudem in den Regionen immer mehr Junge, die in ihrem Ort einen Slam auf die Beine stellen. Kürzlich hat so zum ersten Mal eine Innerschweizer U 20-Liga stattgefunden.

Darf jeder um den Titel buhlen?

Um sich anzumelden, muss man mindestens acht Poetry-Slam-Auftritte im letzten Jahr vorweisen können. Die Meisterschaft soll ein Abbild der aktuellen Schweizer Slam-Szene sein.

Weshalb kürt eine Zufallsjury aus Zuschauern mit Noten die Sieger?

Normalerweise gewinnt, wer mehr Applaus kriegt. Wegen der Fairness. Mit Applaus lässt sich nicht immer eine eindeutige Entscheidung fällen. Gerade wenn es um den Meistertitel geht, kann das schwierig sein.

Wie slamtauglich sind Innerschweizer Dialekte?

Jeder Dialekt hat spannende Eigenarten. Es gibt sogar Thurgauer, die ihren Dialekt mit Stolz auf eine Slam-Bühne tragen. In der Innerschweiz gefällt mir das Urchige an gewissen ländlichen Dialekten.

Vor wenigen Jahren wurde in der Schweiz noch mehrheitlich auf Hochdeutsch geslammt. Jetzt liegt Dialekt im Trend.

Das beobachte ich auch, Mundart hat sich etabliert. Fast alle Slammer, die in den letzten fünf Jahren angefangen haben, schreiben in Dialekt. Und viele, die früher auf Hochdeutsch schrieben, haben gewechselt. Ein Grund dafür ist sicher, dass das Angebot an Slams in der Schweiz stark gewachsen ist. Man muss heute weniger schnell nach Deutschland oder Österreich ausweichen, wenn man neue gute Bühnen kennen lernen will.

Welche Trends prognostizieren Sie für den Inhalt der Texte?

Momentan sind Geschichten aus dem persönlichen Alltag beliebt. Gesellschaftliche Themen werden aber jeweils auch behandelt, sehr aktuell sind etwa Gender-Fragen.

Gibt es thematische Tabus?

Texte aus einer bürgerlichen Perspektive habe ich noch nie gehört. Da ist die Slam-Szene halt eher eine linke Blase. Was eigentlich schade ist.

Ihnen als Slammer ist die Sprechform sehr wichtig. Plötzlich zum Beispiel schreien Sie einen Abschnitt. Finden Sie die Botschaft nebensächlich?

Ich bin es etwas müde, wenn jemand auf der Bühne bedeutungsschwanger die Welt erklären will. Momente zu erzählen, die die Zuschauer vielleicht auch kennen, reizt mich momentan mehr. In den fünf Minuten auf der Bühne bin ich ganz im Erzählten, und dabei entwickeln sich durchaus mal Gefühle, die ich nicht in Worten ausdrücken kann.

Sie und andere moderierende und ehrgeizige Slam-Kollegen haben teils Kultstatus in der Szene. Spüren Sie Neid?

Das nicht, aber gerade frische Slammer begegnen mir backstage manchmal etwas schüchtern oder bewundernd. Das ist lächerlich. Die Szene, die sich «Slamily» nennt, ist sehr offen, nach den ersten paar Auftritten kennt man sich. Zudem finde ich es immer super, wenn Slammer mit weniger Erfahrung das Finale erreichen und dort richtig rocken. Solche Überraschungen gibt es jedes Jahr.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.