Literatur
Miniaturen des gewöhnlichen Glücks

Dialektautor Ernst Burren lässt Menschen seiner Umgebung zu Wort kommen: ungeschminkt, authentisch, berührend.

Marie-Louise Zimmermann
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Der Solothurner Ernst Burren wagt sich erstmals an einen Mundartroman. Vielleicht, weil sich das besser verkauft? Denn der 72-Jährige, der sein Oberdorf zum Kosmos gemacht hat, erfreut sich zwar einer treuen Lesergemeinde; doch seine zahlreichen Geschichtensammlungen sind nie über bescheidene Auflagen hinausgekommen. Ob die Ausweitung seiner prägnanten Kurztexte wohl gut kommt?

Die Sorge ist unbegründet, denn der Autor bleit seinem Erfolgsrezept treu: Er lässt in zwei Dutzend inneren Monologen die Leute sich selbst porträtieren mit ihren alltäglichen Gedanken, Sorgen und Träumen. Neu verknüpft er sie aber mit familiären und nachbarschaftlichen Banden.

Bangen, Hoffen, Träumen

Da gibt es den alten Kleinbauern mit der grossen Liebe zu seinem Pferd Fränzu: «är het em jeden obe e gueti nacht gwünscht/ das het är mit mir nie gmacht», sagt seine Frau. Ihr Sohn ist frustriert vom Lehrerberuf und von den Zukunftsplänen seines eigenen Sohnes. Ihre Nichte sorgt sich um ihre Tochter, die ihr Kind einer Samenspende verdankt. Und der mit seinem Landverkauf reich, aber nicht glücklich gewordene Nachbar träumt von einem Wohnmobil mit einer jüngeren Frau.

Sie alle denken unzensiert und spiegeln damit heutige Lebensrealität: das Bauernsterben, die Bodenspekulation und der Dorfzwist zwischen Alteingesessenen und Neuzuzügern ebenso wie die Einsamkeit im Altersheim und die berufliche Unsicherheit der Jungen, Beziehungsknatsch und Seitensprünge, die Sorgen Alleinerziehender und die Probleme von PatchworkFamilien.

Trost spenden einfache Weisheiten wie «es geit aune mönsche gliich/ me cha eifach mängisch nit das ha/wo me gärn möchti». Das alles ist überhaupt nicht lustig und reizt doch dank träfem Wortwitz immer wieder zum Schmunzeln. Die tragikomischen Realsatiren sind ohne Bosheit, geprägt von Verständnis für das Menschlich-Allzumenschliche. In ihrem phonetisch geschriebenen Solothurner Dialekt wirken sie überzeugend authentisch. Gefunden, nicht erfunden habe er seine Geschichten, sagt Ernst Burren: Den Fränzu wie die Verrückte im Brunnentrog habe es wirklich gegeben.

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