Rap
Mimiks kommt mit Selbstzweifel und Selbstlob auf Platz 1 der Hitparade

Mimiks schaffte es als erster Schweizer Musiker mit seinem Debüt auf Platz eins der Schweizer Hitparade.Jetzt folgt der Zweitling des 24-jährigen Luzerners. Trotz allem Grund zum Feiern ist dieser düsterer geraten.

Michael Graber
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«Ich schreibe nur, wenn ich einen Beat richtig fühle»: Angel Egli alias Mimiks.

«Ich schreibe nur, wenn ich einen Beat richtig fühle»: Angel Egli alias Mimiks.

Es war das musikalische Sommermärchen 2014. Ein junger Luzerner Rapper mit spanischen Wurzeln landete mit seinem Debüt «VodkaZombieRamboGang» direkt auf Platz eins der Hitparade. Damals steckte Angel Egli im ersten Lehrjahr als Koch. Es folgten eine Tour mit Stress und Konzerte vor ausverkauften Sälen.

Jetzt, anderthalb Jahre später, steht der 24-jährige Mimiks vor dem Lehrabschluss und mit «C.R.A.C.K» erscheint bereits sein zweites Album. Da hat einer einen hohen Arbeitseifer an den Tag gelegt. «Ich schreibe nur, wenn ich einen Beat richtig fühle.» Immerhin siebzehn solche Beats hat er für sein neues Album gefühlt.

Was verwundert: Der Grundton des Albums ist dunkler als beim Vorgänger. Selbstzweifel werden ebenso thematisiert wie die Schattenseite des Ruhms. Musikalisch ist alles etwas schleppender, langsamer, aber nicht ohne Druck. Da stürmt einer die Charts und wird nachdenklicher. Ein Widerspruch? «Nein, keineswegs», sagt Mimiks, «nur weil ich aufs Eins gehe und am Wochenende vor ein paar hundert Leuten spiele, bin ich nicht nur Mimiks, sondern eben auch Angel Egli.» Selbstzweifel seien auch nichts Neues in seinem Leben, sondern eher ständiger Begleiter: «Die bringt man auch nicht so schnell weg», sagt Mimiks lächelnd.

Fast schon lyrisch

Wer jetzt meint, Mimiks mutiere vom wortgewaltigen und leicht hedonistischen Rapper zum depressiven und enthaltsamen Asketen, der irrt. Der Club, das Feiern und auch das Prollige sind auf «C.R.A.C.K» gut vertreten. Da werden noch immer Flaschen ausgetrunken und anschliessend herumgeworfen, und trotz Selbstzweifeln wird auch das Selbstlob nicht vergessen.

Der Schritt zu mehr Tiefgründigkeit war ein bewusster: «Ich wollte mehr Inhalt in den Texten», sagt Mimiks. Dass er gut rappen kann – technisch ist er in der Schweiz locker auf einem Spitzenplatz in der Super League –, hat er mit «VodkaZombieRamboGang» bewiesen. Die Songs waren schnell und voller Wortwitz, einen tieferen Sinn suchte man oftmals aber vergeblich.

Dagegen wirken jetzt Songs wie «Tattoo» oder «Schatte» reif. Ebenfalls sehr spannend ist «Bon Iver» mit den Gästen GeilerAsDu. Das ist fast schon lyrisch, wie Mimiks, Luzi und Mike über einen herrlich vielschichtigen Beat turnen. Dazu bringen Stress, Xen, Ali und Capo Cris harte Punchlines. Dave und Aleksej sorgen für melodiöse Hooks und Pablo beweist, dass Schweizer auch auf Englisch flowen können.

Texte zu hart fürs Radio

Noch immer ist das Allermeiste auf «C.R.A.C.K» nicht radiotauglich. Für das Tagesprogramm bei den meisten Sendern sind die Texte zu hart – auf Englisch darf böse geflucht werden und es kommt trotzdem in die Heavy Rotation. «Kompromisse will ich keine machen», sagt Mimiks. Trotzdem: Die Ansprüche sind natürlich gewachsen. Auf die 1 in der Hitparade wird gezielt, «jeder Musiker, der sagt, er wolle nicht dorthin, lügt.» Mit Adele und dem verstorbenen David Bowie gibt es aber derzeit eine starke Konkurrenz.

Bequemlichkeit ist momentan nicht das Ding von Mimiks. Neben der Albumproduktion und der folgenden Tour stehen auch noch die Lehrabschlussprüfungen an. Davor hat der Rapper gesunden Respekt: «Ich glaube, es ist einfacher, an die Chartsspitze zu kommen, als die Prüfungen zu bestehen.» Im Sommer folgen Festivals. Das alles unter einen Hut zu bringen, ist nicht einfach: «Nach der Lehre will ich ein, zwei Jahre nur auf Musik setzen – ich will diese Möglichkeit nicht einfach verschenken», sagt Mimiks. Er werde sich dann halt «finanziell etwas durchschlagen müssen». Die Lust auf das Abenteuer ist dem Luzerner aber deutlich anzumerken. Die Voraussetzungen sind mit «C.R.A.C.K» durchaus gewachsen.

Mimiks legt mit seinem zweiten Album eine Platte vor, die deutlich erwachsener geworden ist. Es gibt allerdings immer noch genügend Momente, in denen er den Mittelfinger lustvoll in die Luft streckt. Irgendwie steht ihm beides richtig gut.

Mimiks C.R.A.C.K, FarMore Records.

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