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Milo Rau und der erste schwarze Jesus der Filmgeschichte

Der St.Galler Theatermacher inszeniert im italienischen Matera das Neue Evangelium als Kampagne, Spektakel und Film. Sein Cast: Flüchtlinge, Aktivisten und ehemalige Schauspielerinnen und Schauspieler der Jesus-Filme von Pier Paolo Pasolini und Mel Gibson.
Milo Rau gilt als einer der wichtigsten europäischen Theatermacher. (Bild: KEY/Jörg Carstensen)

Milo Rau gilt als einer der wichtigsten europäischen Theatermacher. (Bild: KEY/Jörg Carstensen)

Theater muss die Welt verändern – darunter macht es Milo Rau nicht. Der St.Galler Theatermacher nennt denn auch als erste der zehn Thesen seines Genter Manifests: Nicht die Darstellung des Realen ist das Ziel, sondern dass die Darstellung selbst real wird.

Rau hat dies bereits mit etlichen Inszenierungen eindrücklich unter Beweis gestellt. Mit seinem «Kongo-Tribunal», den «Moskauer Prozessen» oder zuletzt mit «Orest in Mossul», wo er mit flämischen und irakischen Schauspielern in Mossul das antike Drama «Orestie» verfilmte und so die Parallelen zwischen antiker Schicksalsfigur und heutiger Kriegsbiografie grausam und verstörend aufzeigte, so die Kritikerin der NZZ.

Milo Rau ist seit einem Jahr Intendant des grössten flämischen Schauspielensembles am Nationaltheater Gent. Auch mit seinem neusten Projekt wird er für Aufsehen sorgen. Ende August startet Rau eine «Revolte der Würde».

Ein «Manifest der Solidarität mit den Ärmsten»

Hauptspielort ist Matera, Europäische Kulturhauptstadt 2019. In dem süditalienischen Ort haben Pier Paolo Pasolini und Mel Gibson ihre Jesus-Filme gedreht. Milo Rau will dort ein realpolitisches wie theatrales und filmisches «Neues Evangelium» fürs 21. Jahrhundert erschaffen, «ein Manifest der Solidarität mit den Ärmsten, eine Revolte für eine gerechtere, humanere Welt», wie es in einer Mitteilung heisst.

Rau verfilmt dort die Passion Christi mit einem Cast aus Flüchtlingen, Aktivisten und ehemaligen Schauspielern der Filme von Pasolini und Gibson. Der Aktivist Yvan Sagnet wird Jesus spielen.

Sagnet kam als Student aus Kamerun nach Italien mit einem Stipendium, das er nach einer nicht bestandenen Prüfung verlor. Er arbeitete in Süditalien als Erntehelfer, wo er das System anprangerte, mit welchem Plantagenarbeiter in sklavenähnlichen Verhältnissen ausgebeutet wurden. Er wird nun den ersten schwarzen Jesus der Filmgeschichte spielen, so die Ankündigung.

Für den St.Galler Kulturpreis nicht regional genug

Milo Rau lässt ihn einen Marsch aus den Flüchtlingslagern anführen und, analog zum Einzug in Jerusalem, in Matera einziehen. Auch die Verurteilung und Kreuzigung Christi werden nachgespielt. Zudem wird ein Kongress in Rom abgehalten und die «erste Mission», eine Performance in Palermo.

Milo Rau gilt als aufregendster Theatermacher Europas. Seine Stücke werden regelmässig ans Berliner Theatertreffen eingeladen, er selber wurde mit unzähligen Preisen ausgezeichnet. Den St.Galler Kulturpreis, für den ihn die Kulturkommission letztes Jahr vorschlug, erhielt er allerdings nicht. Stadtpräsident Thomas Scheitlin befand Milo Raus Arbeiten für nicht regional genug. (red)

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