Migros Classics sagen auf Russisch Adieu

ST. GALLEN. Von «Anna Karenina» über «Eugen Onegin» bis zu «Petruschka» und «Nussknacker»: Die sich allmählich neigende Spielzeit 2015/16 von Konzert und Theater St. Gallen hat stark auf russische Akzente gesetzt.

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ST. GALLEN. Von «Anna Karenina» über «Eugen Onegin» bis zu «Petruschka» und «Nussknacker»: Die sich allmählich neigende Spielzeit 2015/16 von Konzert und Theater St. Gallen hat stark auf russische Akzente gesetzt. Das mag den Programmgestaltern der Migros-Classics-Konzerte nicht bewusst gewesen sein. Doch die Auswahl dreier markanter Werke von Tschaikowsky, Schostakowitsch und Prokofjew versüsste dem Ostschweizer Publikum die bittere Tatsache, dass es künftig nicht mehr in den Genuss der über das Migros Kulturprozent finanzierten Gastspiele renommierter Orchester und Dirigenten kommt. Ein durch und durch russisches Encore, könnte man sagen.

Im Eissturm der Hölle

Die Tournée unter Leitung von Yannick Nézet-Séguin, mit dem Philharmonischen Orchester Rotterdam und Sol Gabetta war die letzte mit Station in St. Gallen; Prokofjews Sinfonie Nr. 7 immerhin ein stimmiges, bravouröses Adieu. Oper instrumental und in konzentrierter Form bot zum Auftakt Tschaikowskys Sinfonische Fantasie «Francesca da Rimini»; ein erschütterndes, mit in den Höllensturm Dantes reissendes Erzählstück. Nézet-Séguins jugendlicher Elan, sein sportiv wirkender Auftritt entspringt zum einen klaren musikalischen Vorstellungen. Zum anderen kennt der Nachfolger Valery Gergievs in Rotterdam den riesigen Klangkörper des Orchesters bis in den feinsten Nerv; er versteht, ihn zu modellieren, zu Spitzenleistungen anzutreiben – dies in mit Weitblick gespannten Bögen.

Sol Gabettas grüblerische Seite

In Schostakowitschs 2. Cellokonzert g-Moll war Sol Gabetta von ihrer ernsten, hochsensiblen Seite zu erleben, als Kammermusikpartnerin in wechselnde, subtil ausgespielte Dialoge verstrickt. Auch darin zeigten sich die herausragende Klangqualität des Orchesters und der Esprit seines Chefdirigenten. (bk.)

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