Mieses Theater um Ruag und Neumarkt Theater

Die Ruag wolle keine Waffen mehr herstellen, behauptet ein Aktionskünstler. Aber die Fake News an der Medienkonferenz waren nur schlechtes Theater. 

Valeria Heintges
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Die Medienkonferenz der Aktionskünstler, mit Patrick Frey als «Pressesprecher». (Bild: Valeria Heintges)

Die Medienkonferenz der Aktionskünstler, mit Patrick Frey als «Pressesprecher». (Bild: Valeria Heintges)

Montag früh, Restaurant Au Premier im Zürcher Hauptbahnhof. An einem Tisch ein Banner mit Ruag-Schriftzug und -Motto «Together ahead». Der Schriftzug stimmt, die grüne Farbe nicht. Auch nicht das Wort «green», das daruntersteht. Wo sind wir? In einer Performance von Mike Bonanno, der mit «They shoot horses, don’t they?» die Saison des Theaters Neumarkt eröffnet. Er ist Teil des Aktivistenduos The Yes Men. Die kapern Namen oder Webseiten von Firmen und geben sich als deren Inhaber aus. Die WTO war schon Opfer, ebenso ExxonMobil oder Dow Chemical.

Im Au Premier ist nichts glaubwürdig. Nicht, dass sich Schauspielerin Sascha Ö. Soydan als «geschäftsführende Sekretärin» der Verwaltungsrätin Monica Duca Widmer vorstellt. Auch nicht, dass sie verkündet, die Ruag wolle zum 1. Oktober 2019 ihre Waffensparte schliessen. Dann spricht der neue Pressesprecher: Kabarettist Patrick Frey. Der erzählt, wie CEO Urs Breitmeier im Kreis der Familie «bei Ghackets und Hörnli» bekehrt worden sein soll. Wer immer noch an den Osterhasen glaubt, erfährt, dass die Ruag «zehn Millionen Schweizer Franken für Schweizer Kulturinstitutionen gesprochen» habe. Erster Empfänger: das Theater Neumarkt.

Nichts gelernt aus missglückten Politaktionen

Das neue Führungstrio Hayat Erdogan, Tine Milz und Julia Reichert hat das «Theater» aus dem Namen gestrichen und plant jetzt im Neumarkt drei Stränge im Programm, «Love», «Play» und «Fight». Fight heisse, sich angreifbar zu machen, und Konflikt als Chance zu sehen, sich weiterzuentwickeln.» Haben die nichts gelernt aus der missglückten Idee ihrer Vorgänger, die das Zentrum für Politische Schönheit einluden? Das wollte mit der Aktion «Die Schweiz entköppeln» dem SVP-Mann den Teufel austreiben, was Ärger gab und 50000 Franken Subventionen kostete.

Es kommt noch schlimmer. Denn auch der Brasilianer Anderson Franca sitzt am «Pressetisch». Er musste fliehen, weil er Morddrohungen erhielt, nachdem er angezeigt hatte, dass die Polizei Unschuldige erschoss. Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro verfolge «wie ein neuer Hitler» die schwarze Bevölkerung, sagt er. «Auch die Indigenen sterben an den Waffen, die Sie produzieren und verkaufen», wirft er der Schweiz vor. Der Schmerz war ihm anzusehen. «Ich werde verfolgt, aber innerlich bin ich schon tot.» Dass das Theater Neumarkt diese Verzweiflung nur benutzt, um Aufmerksamkeit zu erheischen, ist mies und geschmacklos.