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Michèle Minellis Macht der Sprache

Die Schweizer Autorin fragt sich bei jedem Buch: Was will es? Wie will es das und in welcher Sprache? Ein Gespräch über «Der Garten der anderen», über Recherchen und Figuren, Verlage und Schreibcoaching.
Dieter Langhart
Michèle Minelli in ihrem Wohnzimmer im Thurgauischen Iselisberg. (Bild: Andrea Stalder)

Michèle Minelli in ihrem Wohnzimmer im Thurgauischen Iselisberg. (Bild: Andrea Stalder)

Vom Wohnzimmer aus geht ihr Blick über Garten und Reben weit übers Thurtal. Michèle Minelli wohnt mit ihrem Mann Peter Höner auf dem Iselisberg im Thurgau, wo so wenige Häuser stehen, dass es keine Strassennamen braucht. Hier schreiben sie, unabhängig voneinander, und tauschen sich aus über Wortwahl und die Welt. Hier leiten sie auch andere an in literarischem Schreiben. Hier ist auch «Der Garten der anderen» entstanden, mit viel Tee und Musik – ohne kann Michèle Minelli nicht schreiben.

In ihrem neuen Roman webt sie eine Geschichte zwischen Wirklichkeit und Fiktion. Lili verehrt den Schriftsteller Noah, doch seine Frau Sonja lässt sie nicht zu ihm. Lili beginnt, einen Roman über das Paar zu schreiben, und vermischt ihre eigene Geschichte mit der von Noah und Sonja. Wie kam Michèle Minelli zu dieser Idee? «Die erste Fassung handelte von Sonja und Noah, aber sie funktionierte nicht.» Also erfand die Autorin eine zweite Ebene, Lili und deren Partner Fred. Sie musste viele Passagen neu schreiben, musste sich neu in die 30-jährige Lili einfühlen, erfand neben der Überkreuz-Geschichte zwei weitere Paare. Ihre Frage war: Wie meistern Paare ihre Beziehung?

«Meine Figuren sollen lebendig werden»

«Jede Figur bekommt etwas von mir», sagt Michèle Minelli, «ich kann an ihnen Möglichkeiten zeigen, mit Scheitern umzugehen.» Nils etwa verstummt, «ich kenne das auch». Dieser Anteil Wirklichkeit ist der Autorin wichtig, und sie will, dass ihre Figuren selbstständig werden. «Sie sollen lebendig sein, wenn ich sie loslasse. Damit sich die Leser wiedererkennen können.» Die Autorin definiert ihre Figuren nicht durch Eigenschaften, sondern sammelt Bilder und Szenen zu ihnen – da redet die ehemalige Filmerin mit – und druckt sie auf grüne Zettel aus, eine Art Storyboard. Dann beginnt sie zu schreiben, nach der ersten Rohfassung prüft sie, ob alles stimmt. Auf das Schreiben verwende sie rund zwanzig Prozent, weit mehr Zeit brauche die Recherche. Zwei Jahre und acht Bundesordner voll Material waren es für «Die Verlorene» über den Justizskandal um die Thurgauerin Frieda Keller, die Rohfassung entstand in drei Wochen. «Die Schreibzeit ist absolut. Meine Türe ist offen, und wenn jemand etwas von mir will, steht er im Türrahmen und wartet.» Sie will den Schreibfluss nicht unterbrechen; wenn sie stecken bleibt, muss sie spazieren gehen oder Velo fahren.

In der Sprache stecken Macht und Möglichkeiten

Ein fertiges Manuskript ist noch kein gedrucktes Buch, jetzt redet der Verlag mit. Michèle Minellis Belletristik erschien im Berliner Aufbau-Verlag, neu verlegt sie Salis in Zürich. «Ich suchte einen Schweizer Verlag, und ich wollte wissen, wer meine Manuskripte liest.» Die Autorin lobt Lektor Patrick Schär in den höchsten Tönen. Er stellte intensive Fragen zu den sechs Figuren im Roman und wie sie reden. Und während Aufbau Helvetismen schätzte, entschied man sich nun dagegen.

Die Sprache ist entscheidend für Michèle Minelli, jedes ihrer Bücher soll seine eigene haben. Darunter sind Jugendbücher oder Reportagen, etwa über die Jenischen in der Schweiz. Michèle Minelli unterstützt auch angehende Autoren beim Schreiben, ermutigt sie, hilft beim Überarbeiten und bei der Verlagssuche, bringt sie aber bei unrealistischen Vorstellungen sanft in die Realität zurück. In den Coachings sollen sie einander Fragen stellen, sich austauschen. Sehr wichtig: eine Geschichte zu erzählen. «Ich will etwas erlebt haben mit meinen Figuren.» Die grösste Gefahr? «Ich darf meine Figuren als Autor nicht kommentieren.»

Hinweis

Michèle Minelli: Der Garten der anderen, Salis 2018. Buchvernissage: 11.9., 19.30, Kosmos, Zürich

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