Interview

Jazzmusiker Daniel Schnyder in Kreuzlingen: «Mich interessiert das Ganzheitliche»

Er lebt in New York, ist auf den Konzertbühnen der Welt zu Hause - und besonders gern im Thurgau. Komponist und Jazzmusiker Daniel Schnyder über Ostschweizer Publikum, Improvisation in der Klassik und seinen Thurgauer Grossvater.

Rolf App
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Daniel Schnyder (Bild: Anja Tanner)

Daniel Schnyder (Bild: Anja Tanner)

Der Komponist, Saxofonist und Flötist Daniel Schnyder lebt in New York, ist aber in Schweizer Konzertsälen ein gern gesehener Gast. Das hat mit seiner erfrischenden Vielseitigkeit zu tun; mit Neugier, die den Jazzmusiker immer wieder über musikalische Grenzen hinaus führt. So wird es auch sein, wenn er am Sonntag mit Ensemble im Kreuzlinger Kult-X auftritt.

Im Thurgau waren Sie schon öfters. Wie offen sind die Thurgauer für Ihre Kunst?

Daniel Schnyder: Sehr. Der Thurgau hat kein Sinfonieorchester und kein Opernhaus, deshalb fördert er sehr stark kleinere Projekte. Ich komme deshalb immer wieder hierher zurück - und bin übrigens selber Thurgauer Bürger. Mein Grossvater war Pfarrer in Bischofszell. Und was das Publikum angeht, so finde ich hier wie in der übrigen Ostschweiz eine grosse Offenheit – und eine Aufmerksamkeit, die in Zürich mit seiner Überfülle an Veranstaltungen nur schwer zu finden wäre.

Was werden Sie am Sonntag in Kreuzlingen spielen?

Von mir selber wird unter anderem «Colossus of Sound» dabei sein, eine komprimierte Fassung meiner vierten Sinfonie. Wir werden Teile der CD «Art of the Duo» spielen, weiter «Two-Part Inventions», die sich an ein barockes Format anlehnen, und schliesslich Stücke, die mehr in Richtung Jazz gehen.

Die Titel sagen es: Sie suchen die Verbindung zur klassischen Musik und komponieren für klassische Ensembles. Warum eigentlich?

Die klassische Musik hat leider jenes improvisatorische Element verloren, das man bei Bach und Beethoven noch finden kann. Ich will es wieder hineinbringen, denn mich interessiert das Ganzheitliche in der Musik. Und die Zuhörer, die wie wir alle in einer Welt aus lauter Spezialisten leben, reagieren positiv. Sie spüren eine besondere Energie.

Woran arbeiten Sie gerade als Komponist?

Im Moment arbeite ich an einer Opernidee zu Klaus Manns Mephisto-Roman; das passt in unsere Zeit, leider. Und ich arbeite an einem orientalischen Konzert, das wir in zwei Monaten in Izmir machen werden.

Daniel Schnyder, 8.9.2019, 19 Uhr, Kult-X Kreuzlingen