«Mer spiele no chli witer»

Es war ein wunderbares Konzert, gestern abend im komplett ausverkauften Palace. Diese Bewertung ist freilich jetzt schlicht eine Behauptung. Denn als das Karfreitags-Konzert zur Plattentaufe von Stahlbergers «Abghenkt» begann, war dieser Text bereits in der Druckerei.

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Begeisternder Mundartpop: Manuel Stahlberger (hinter ihm Marcel Gschwend) beim Konzert zum CD-Fest im Palace. (Bild: Ralph Ribi)

Begeisternder Mundartpop: Manuel Stahlberger (hinter ihm Marcel Gschwend) beim Konzert zum CD-Fest im Palace. (Bild: Ralph Ribi)

Es war ein wunderbares Konzert, gestern abend im komplett ausverkauften Palace. Diese Bewertung ist freilich jetzt schlicht eine Behauptung. Denn als das Karfreitags-Konzert zur Plattentaufe von Stahlbergers «Abghenkt» begann, war dieser Text bereits in der Druckerei. Begründen lässt sich diese Voraussage jedoch mit einem guten Argument: Bereits am Abend zuvor wurde das Publikum mit einem grossen Konzertabend beschenkt. Es war erneut ein denkwürdiger Abend, wie damals, als Manuel Stahlberger und Band ihr Album «Rägebogesiedlig» mit befreundeten Musikern feierten.

Welches Liebeslied?

Als «bunter Abend» war das CD-Fest am Gründonnerstag angekündigt gewesen. Und munter und entspannt geht der Abend los. Bei einem Stahlberger-Quiz mit kniffligen Fragen von Marcel Elsener, assistiert von Thomas Kuratli von der Band Thomaten und Beeren. Die mit Nummern ausgelosten Kandidaten aus dem Publikum werden auf ihr Wissen zu Leben und Werk der Band getestet. Neben einfacheren Fragen (Welche Berufsgruppe will in einem Song die Weltherrschaft übernehmen? Antwort: Bäcker.) sind einige Schätzfragen, aber auch witzige Fangfragen darunter (In welchem Schweizer Film kommt ein Stahlberger-Liebeslied vor? Richtige Antwort: in keinem.). Neben CDs als Trostpreisen gibt es für die Finalisten Palace-Freikarten, Stahlberger-CDs sowie nagelneue «Abghenkt»-T-Shirts – die allerersten Merchandising-Artikel der Band sind tags zuvor erst in St. Gallen eingetroffen.

Aussortiertes, exklusiv

Nach einer weiteren Runde an den beiden begehrten Töggelikästen vor der Bühne wirds Zeit für den musikalischen Auftritt. Mit Songs, die es nicht auf die CDs geschafft haben, präsentieren die Stahlbergers ein ziemlich einmaliges, exklusives Konzert. Sie würden jetzt aber nicht bei jedem Song begründen, wieso er es nicht aufs Album geschafft habe, meint der Bandleader und fügt an, das Publikum komme vielleicht selber drauf. Wer dann allerdings Songs wie «Autofahrer», «Grüselbeiz», «Räge hämmer gärn» oder jenen coolen 70er-Jahre-Disco-Pop-Song «Bös» hört, wird beim einen oder anderen Lied womöglich anderer Meinung sein.

Mit einer St. Galler Mundart-Coverversion des Hits «Lullaby» von The Cure sowie der groovenden Slow-Blues-Variante von «Nachbar grillieren» klingt die vorgesehene Show mit «B-Sides» und Raritäten schön rund aus.

Aber das Konzert, zu dem ihr Plattenproduzent Olifr M. Guz schliesslich nicht kommen konnte, ist damit nicht zu Ende. Denn einerseits ist es der Band grad nicht mehr so wohl mit der schräg-originellen Idee, beim CD-Fest keine Songs des neuen Albums zu spielen. Anderseits ist es ihnen – und ebenso dem jubelnden Publikum – nun viel zu wohl, um jetzt bereits aufzuhören. Darum kehren Manuel Stahlberger, Michael Gallusser, Dominik und Christian Kesseli und Marcel Gschwend auf die Bühne zurück – und spielen zur Begeisterung der rund 200 Zuhörerinnen und Zuhörer noch mehrere Stücke der neuen Platte. Und mit tollen Songs wie «Heimat», «Abghenkt» oder «Immer wieder use» wird wieder verständlicher, warum es gute Lieder wie zuvor dann eben nicht aufs Album geschafft haben.

Düster-pulsierender «Bummler»

«Mer spiele no chli witer, denn mer sind grad iigspielt», bedankt sich Manuel Stahlberger, als sie zu einem weiteren Zugabenblock beklatscht werden. Mittlerweile ist es gegen 1 Uhr nachts – und es wird zu Stahlberger getanzt. Mit einer grossartig pulsierenden, düsteren Horror-Soundtrack-Version von «Bummler nach Rüti» endet ein begeisternd-epischer Auftritt. Nochmals wird deutlich, wie famos sich dieser Fünfer entwickelt hat, zu einer Popband geworden ist. Und die lange, schöne Gründonnerstagnacht, sie dürfte bei manchen noch bis in die Ostertage nachklingen.

Andreas Stock