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MENSCHENRECHTE: «Es geht um den Ruf der Schweiz»

Im Dok-Film«Trading Paradise» entlarvt Regisseur Daniel Schweizer die Praktiken von Rohstoffunternehmen mit Sitz in der Schweiz. Die lokale Bevölkerung leidet unter den skrupellosen Geschäftspraktiken.
Philipp Bürkler

Philipp Bürkler

«Überall ist das Grundwasser verschmutzt», klagt Melchora, eine ältere Bäuerin aus einem kleinen Dorf in Peru. Die Frau mit dem runzligen Gesicht melkt ihr Vieh von Hand. Der Boden und die Tiere sind ihre einzige Lebensgrundlage. Schuld an der schlechten Wasserqualität ist das Schweizer Unternehmen Glen-core. Der Konzern betreibt neben dem Haus von Melchora die Antapaccay-Kupfermine, die das Grundwasser in der Umgebung verseucht. Melchora ist kein Einzelfall. Auch in Brasilien oder Sambia gibt es ähnliche Fälle. Weltweit beuten Rohstoffunternehmen die Böden aus, erwirtschaften Milliardengewinne und lassen die lokale Bevölkerung, die indigenen Stämme, ausser Acht.

Den Genfer Filmemacher Daniel Schweizer beschäftigt das Thema Rohstoffhandel seit langem. In seinem neusten Film «Trading Paradise» zeigt er ohne Polemik die menschenverachtenden Geschäftspraktiken solcher Rohstoffriesen.

Schweiz ist Drehscheibe für Rohstoffhandel

Es läuft immer gleich ab: Grossunternehmen aus reichen Industriestaaten bauen in südlichen Ländern, die viele Rohstoffe haben, riesige Förderanlagen und Minen. Der Handel mit Kupfer, Gold, Silber, Erzen und anderen Primärrohstoffen boomt und ist ein globales Milliardengeschäft, in dem auch die Schweiz kräftig mitmischt. Rund 30 Prozent des globalen Rohstoffhandels werden von Firmen mit Sitz in der Schweiz abgewickelt, neben Glencore sind das Mercuria, Gunvor, Vitol und Vale. Sie fahren Milliardengewinne ein und zahlen ihren Aktionären satte Dividenden aus.

Glencore und Vale als Paradebeispiel

Daniel Schweizer fokussiert in seinem Film auf die beiden Unternehmen Glencore aus dem Kanton Zug und Vale aus dem Kanton Genf. Obwohl der Film sachlich erzählt ist, sind die Fakten und Erzählungen der anliegenden Bewohner der Minen erschütternd. Die Unternehmen behaupten in ihren Leitbildern, sie würden sich um Menschenrechte kümmern und sich an internationale Standards halten. «Die Realität sieht anders aus», so Schweizer. Der Begriff Menschenrecht sei bei Grossunternehmen dieser Art eine reine Worthülse. Mit einem ihrer Vertreter ein Interview zu führen, sei fast unmöglich. «Wenn die nicht die gesamte Kommunikation kontrollieren können, machen sie nicht mit.» Dennoch hat es Schweizer geschafft, Ivan Glasenberg, den CEO von Glencore, in seinem Büro am Hauptsitz im zugerischen Baar zu interviewen. Glasenberg lobt in der Aufnahme sein Unternehmen in den höchsten Tönen. Glencore halte sich an internationales Recht und sei bemüht, alle Menschenrechte einzuhalten. Ausserdem investiere Glencore Milliarden in Entwicklungsländer wie Peru. Das Geld komme der lokalen Bevölkerung zugute, sagt der CEO. Ausser schlechtem Wasser, schlechter Luft und Lärm sehen die Menschen von den Milliarden wenig.

Auch das Unternehmen Vale vom Genfersee schert sich wenig um die Menschen, sondern nur um die eigenen Minen. Ein Bauer klagt im Film um Schadenersatz für sein Land, das durch die Vale-Mine Carajas verseucht wurde. Vale teilte dem Bauern schriftlich mit, er erhalte höchstens 40 Prozent Entschädigung für den Ausfall. Das ist für ihn zu wenig, um seine Familie ernähren zu können. Der Film führt eindrücklich vor Augen, in welchen Parallelwelten die betroffenen Menschen in Peru oder Brasilien und die reichen CEOs, Unternehmer und Politiker in der Schweiz leben.

Mehr Sensibilität für das Thema Rohstoffhandel

Mit dem Film will Schweizer für das Thema Rohstoffhandel und die damit verbundenen Menschenrechtsverletzungen sensibilisieren. Schweizer zieht eine Parallele zwischen dem Rohstoffhandel und dem Bankgeheimnis. «Erst auf Druck aus dem Ausland wurde das Bank- geheimnis fallen gelassen.» Vielleicht brauche es auch beim Rohstoffhandel Druck von aussen oder der Zivilgesellschaft. Die Schweiz sei das reichste Land der Welt und sehe sich als Hüterin der Menschenrechte. Gleichzeitig sei das Land in Menschenrechtsverletzungen involviert. «Schlussendlich geht es um die Reputation der Schweiz.» «Trading Paradise» ist definitiv ein Film, der aufrüttelt. Hoffentlich auch die Politik, die solche Unternehmen kontrollieren sollte.

Trading Paradise

Kinok St. Gallen

Fr 22.9., 17.15, So 24.9., 14.20

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