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MENSCHENBILDER: Du sollst Dir ein Bildnis machen

Zum achten Mal gibt das Kunstmuseum Thurgau Einblick in seine reichen, wertvollen Bestände. Wie sehen Künstler den Menschen? Was ist überhaupt ein Bild? Die Ausstellung gibt beziehungsreiche Antworten.
Martin Preisser
Figurenbilder von Daniel Gallmann: Konzentriert auf ein Motiv, füllt diese Arbeit des Thurgauers einen eigenen Austellungsraum. (Bild: Martin Preisser)

Figurenbilder von Daniel Gallmann: Konzentriert auf ein Motiv, füllt diese Arbeit des Thurgauers einen eigenen Austellungsraum. (Bild: Martin Preisser)

Martin Preisser

martin.preisser

@tagblatt.ch

Porträts, auf denen sich Künstler inszenieren, sind oft Akte der Selbstbefragung, aber auch der Frage nach dem Menschen an sich. Seit langem sammelt das Kunstmuseum Thurgau Selbstporträts von Künstlern und zeigt sie im ersten Ausstellungsraum. Helen Dahm, Adolf Dietrich und dem letztes Jahr verstorbenen Anton Bernhardsgrütter kann man da wiederbegegnen, letzterem auch in Fotografien aus seinem letzten Lebensumfeld.

Wie machen sich Menschen Bilder von sich selbst? Danach fragt die Ausstellung und zeigt in geschickter Konstellation Strategien und Zugangsweisen zu diesem kunstgeschichtlich dominanten Thema. Ein facettenreicher Gang durch verschiedene Epochen, aber auch durch unterschiedliche Medien ist die achte Präsentation der reichen Bestände des Kunstmuseums Thurgau.

Demenz: Was bleibt vom Menschen?

Menschenbilder, Bilder vom Menschen, das sind auch Bilder und Inszenierungen seiner Endlichkeit. Eine beeindruckende Arbeit, die keinen unberührt lassen dürfte, ist «Present» der finnischen Künstlerin Heta Kuchka, Das Museum hat sie jüngst angekauft. Kuchka filmt die Reaktionen dementer Menschen auf ihre Lieblingsmusik. Erinnern und Erlöschen der Emotionen: Was macht den Menschen, was macht den Körper, was macht die Person aus? Ein starker, nachhaltiger Versuch einer Antwort.

Der Mensch in der Kunst als Abbild oder Ideal, als Person oder Figur, überhöht, hinterfragt, inszeniert? Für die vielfältigen Aspekte von Menschenbildern hat die Ausstellung viele faszinierende Beispiele parat. Auch mit fotografischen Zugängen. Chantal Michel inszeniert sich als Fremdkörper innerhalb einer anderen Kultur, innerhalb eines Porträt einer ägyptischen Familie. Mirjam Wanner entlarvt mit Bildern ihrer Tochter das scheinbar Dokumentarische als letztlich kunstvoll versteckte Inszenierung.

Weitere Fotografen in der Ausstellung sind Roland Iselin, Simone Kappeler und der in Brasilien lebende Barnabás Bosshart. Seine noch analogen Schwarzweiss-Arbeiten stellen den Menschen, oft in existenziellen Extremsituationen, in dessen Lebensumfeld. «Er spiegelt einen Ort gleichsam in den Gesichtern, in den Lebensbedingungen seiner Bewohner», schreibt Museumsdirektor Markus Landert über Bossharts Strategie.

Was macht den Menschen aus? Muda Mathis hinterfragt dieses Thema und stellt das Porträt von«Babette» in die Lebenswirklichkeit des vom Krieg heimgesuchten Sarajevo. Wie reagiert der Mensch im gesellschaftlichen Kontext?, fragt dieses auch musikalisch eindrückliche Video.

Bilderreihe als grosses Triptychon

Der Thurgauer Daniel Gallmann malt seit Jahren seine immergleichen Figurenbilder. Eine endlose Reihe eben nur scheinbar gleicher Bilder bespielt als einzige Leihgabe der Ausstellung einen ganzen Raum, angeordnet als grosses Triptychon. Eine radikale Arbeit, so seriell wie mönchisch, das identische Sujet, das bisweilen auch zum Teil eines Filmstreifens zu werden scheint, abstrakt in der Form und doch als menschliche Figur sehr präsent. Hier gipfelt die Ausstellung in der Frage: Was ist überhaupt ein Bild?

Die Kunst aus den Archiven des Kunstmuseums liefert viele Antworten und Vorgehensweisen bei der Frage nach dem Menschen und dem Bildnis, das sich Künstlerinnen und Künstler immer wieder neu machen. Das Bild erlischt mit dem Tod, der Bildnerisch-Konkretes wieder in die Welt der Erinnerung oder Vorstellung verschiebt. «Cleaning the Mirror» heisst eine Arbeit von Marina Abramovic. Sie nähert sich mit dieser Performance dem Thema Tod an: «Den Spiegel reinigen», um dem Tod klar ins Auge schauen zu können.

Der Reichtum der Bestände in der Kartause Ittingen erstaunt, von den traditionellen Selbstporträts bis zu unkonventionellen und aufrüttelnden Sichtweisen auf den Menschen, sein Gesicht und seinen Körper. Markus Lan-dert, der seit über 25 Jahren als Museumsdirektor sammelt, ist auch ein wenig stolz auf «seine» Schätze: «Es sind die Kernbestände der Sammlung, die das ausmachen, was die Sicht des Publikums langfristig prägt.»

«Konstellation 8»: Bis 6. August; Kunstmuseum Thurgau, Warth; www.kunstmuseum.ch

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