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Menschen mit Migrationsvordergrund laden zu einer kanakischen Late Night Show in St.Gallen

Tatiana Cardoso und Tarek Naguib vom «Ostschweizer Kollektiv aus dem Migrationsuntergrund» organisieren in St.Gallen die erste kanakische Late Night Show der Schweiz.
Roger Berhalter
«Wir sind hier und gestalten die Schweiz mit, Punkt»: Tatiana Cardoso und Tarek Naguib in der St.Galler Fussgängerzone. (Bild: Michel Canonica)

«Wir sind hier und gestalten die Schweiz mit, Punkt»: Tatiana Cardoso und Tarek Naguib in der St.Galler Fussgängerzone. (Bild: Michel Canonica)

«Usländer» ist eine klebrige Etikette. Sie haftet an Menschen mit Migrationshintergrund, oft ein Leben lang. Auf dieser Etikette stehen Zuschreibungen, die schnell zur Hand sind, wenn es darum geht, Ausländerinnen und Ausländer in einen Topf zu werfen. Zuschreibungen wie «Das sind ganz Arme» oder «Die sind alle undankbar» oder «Die wollen sich nicht integrieren» oder allgemein: «Die sind so und so.»

Tarek Naguib wehrt sich gegen solche Zuschreibungen. Auf keinen Fall möchte er, der Sohn eines ägyptischen Vaters und einer Schweizer Mutter, ins Opfer-Schema gepresst werden. Er erzählt im Interview von Rassismus-Erfahrungen, die er schon als Kind im Alltag machte. Doch er möchte diese Geschichten nicht in der Zeitung lesen. Er sei kein Bittsteller, er fordere schlicht ein, was selbstverständlich sein müsste: gleiche Teilhabe auf Augenhöhe für alle, die hier leben.

Plurale und demokratische Einwanderungsgesellschaft

Deshalb engagiert sich der 43-Jährige auch im «Institut Neue Schweiz». Dieser ehrenamtliche Verein versammelt Migranten und Secondas aus allen Teilen des Landes und möchte «gemeinsam eine plurale und demokratische Einwanderungsgesellschaft gestalten», wie es auf der Webseite heisst. Das «Institut» hat mehrere regionale Ableger, so auch das «Ostschweizer Kollektiv aus dem Migrationsuntergrund».

Heute organisiert das Kollektiv im Palace die erste «kanakische Late Night Show». Angekündigt sind Comedy, Couchgespräche und Livemusik. Zwar soll es an diesem Abend um Rassismus gehen, aber ohne dass jemand den Zeigefinger hebt oder auf die Tränendrüse drückt oder die «Usländer»-Etikette beschriftet. «Unser Anliegen ist es, neue Räume für tiefergehende, schmerzhafte, aber auch stärkende und lustvolle Debatten zu öffnen», sagt Naguib.

Diskussionen, Moderationen und Frisuren

Am Samstag, 5. Oktober, ab 19.30 Uhr werden im Palace Geschichten aus dem «Ostschweizer Migrationsuntergrund» erzählt. Von Menschen, die im Alltag Rassismus erlebt haben. Angekündigt ist eine «kanakische Late Night Show». Als Moderatoren treten die Bühnenpoetin Fatima Moumouni und der vom Jugendsender «Joiz» bekannte Ugur Gültekin auf. Als Gäste sind unter anderen Stadträtin Maria Pappa und SP-Kantonsrat Etrit Hasler eingeladen. Es gibt Livemusik und Diskussionen, und bei einem Coiffeur vor Ort können sich die Gäste gar eine «Kanaken-Frisur» schneiden lassen.

Auch Tatiana Cardoso hat schon früh Rassismus erlebt, doch auch sie möchte keine Opfergeschichte erzählen, sondern neue Wege für echte Demokratie finden. «Ich bin Ausländerin und präge dieses Land mit wie jede andere auch, egal ob mit oder ohne Schweizer Pass. Deshalb sollte ich auch die gleichen Rechte haben», sagt die 23-jährige Portugiesin.

Sie ist in St.Gallen aufgewachsen und arbeitet als Sozialpädagogin. Ihre Bachelorarbeit hat sie über das Partizipationsreglement geschrieben: Jenes Instrument, das Migranten in der Stadt die politische Mitsprache ermöglichen soll. Auch sie engagiert sich im «Ostschweizer Kollektiv aus dem Migrationsuntergrund».

Migranten prägen die Schweiz schon jetzt mit

Cardoso und Naguib gehören zur neuen, stolzen Ausländergeneration. Die Generation ihrer Eltern kam, um zu arbeiten und den Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. Viele dieser Migranten passten sich an, verstanden sich nur als Gäste in diesem Land. Die junge Generation geht mir ihrer Herkunft selbstbewusster um. Aus dem Migrationshinter- wird bei ihnen ein -vordergrund, den sie nicht verstecken wollen. Tarek Naguib findet:

«Es braucht viele neue Erzählungen über die Schweiz.»

«Die neue Schweiz war und ist längst da», ergänzt Cardoso. Sie sei in unseren Institutionen und Debatten aber nicht angemessen repräsentiert. Naguib: «Wir sind hier und gestalten die Schweiz mit, Punkt.»

Das klingt einfach. Doch diese «neue Schweiz» zu beschreiben, ohne in alte Erzählmuster zu verfallen, ist schwer. Naguib wählt seine Worte mit Bedacht, sucht die passenden Begriffe, wägt ab und differenziert. Ja keine plumpen Verallgemeinerungen, ja keine falschen Zuschreibungen. Die Gespräche heute im Palace dürften dabei helfen, dass die Erzählung von der «neuen Schweiz» künftig leichter von den Lippen fliesst.

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