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Mensch im Laufgitter

Was treibt uns an? Und kann man es auch übertreiben? Eine Ausstellung im Vögele Kultur­zentrum in Pfäffikon SZ sucht nach Antworten zu unserem Drang, bessere Versionen unserer Selbst zu werden.
Julia Stephan
Im urbanen Raum mangelt es nicht an plakatierten Vorbildern. Strassenszene aus New York. (Bild: Natan Dvir/PD)

Im urbanen Raum mangelt es nicht an plakatierten Vorbildern. Strassenszene aus New York. (Bild: Natan Dvir/PD)

Kürzlich wurde die Autorin dieses Textes Zeugin einer skurrilen Begebenheit: Ein sportlicher Mann um die dreissig spulte an einem Flussufer auf einem Citybike seine Kilometer ab. Derweil klärte der digitale Life-Assistent-Alexa des Unternehmens Amazon ihn aus dem Rucksack pausenlos über seine Kalorienbilanz auf und trieb ihn mit freundlicher Stimme zu Höchstleistungen an.

Solche Szenen wird es in Zukunft häufiger geben. In China nutzt die Regierung die Lust des Menschen an der Selbstoptimierung sogar, um den Überwachungsstaat zu perfektionieren. Gutes Verhalten gibt Sozialpunkte. Wer bei Rot über die Strasse geht, verbaut sich die Elite-Uni für den Nachwuchs.

Der Pharmako-Psychologe Boris Quednow: "Nichts ist so effektiv wie der Schlaf."

Die von Simone Kobler und André Utzinger kuratierte Ausstellung «Ist gut nicht gut genug? Warum fordern wir so viel von uns?» im Vögele Kulturzentrum in Pfäffikon SZ zeigt in der für die Institution gewohnten Mischung aus künstlerischer Betrachtung – zeitgenössische Kunstwerke setzen Schwerpunkte – und fundierter Expertenunterfütterung nach Antworten auf die Frage, warum der Mensch ein unverbesserlicher Selbstverbesserer ist.

Monotonie befördert den Flow

Wer sich darauf einlässt, auf die goldene Tretmühle der Künstlerin Sarah Hepp zu steigen – eine Art Hamsterrad für Menschen –, wird schnell mit den guten wie schlechten Seiten dieses menschlichen Wesenszuges konfrontiert. Die Geschwindigkeit ist berauschend, die Monotonie befördert den Flow. Die offensichtliche Sinnlosigkeit dieser reinen Körperertüchtigung ist aber auch bedrückend. Und wer aus dem Rad aussteigen will, merkt, dass er höllisch aufpassen muss, den richtigen Moment für den Absprung zu finden.

Sarah Hepps "Tretmühle" darf in der Ausstellung betreten werden. (Bild: Brigham Baker/PD)

Sarah Hepps "Tretmühle" darf in der Ausstellung betreten werden. (Bild: Brigham Baker/PD)

«Ohne den Aspekt des Wirkens bleibt Selbstoptimierung unfruchtbar wie jede Egozentrik, weil sie vor allem dies verlangt: kontrollieren – und kontrollieren lassen», schreibt der Philosoph und Publizist Ludwig Hasler in der Begleitbroschüre zur Ausstellung. Genau um diese Form der stetigen Selbstverbesserung um ihrer selbst willen geht es aber in Pfäffikon. Wird sie aus reiner Lust betrieben? Oder maskiert sie nur die Angst vor Kontrollverlust in einer unübersichtlicher gewordenen Welt?

Ähnlich wie bei der riesigen Wand des Künstlers Jacob Dahlgren, an der sich Dartscheibe an Dartscheibe reiht, verlieren die Menschen angesichts so vieler Ziele, die sie fokussieren könnten, schnell den Überblick und bekommen deshalb mächtig Stress.

Die interaktive Dart-Installation von Jacob Dahlgren. Wo viele Ziele sind, ist Verwirrung. (Bild: Manuela Matt/PD)

Die interaktive Dart-Installation von Jacob Dahlgren. Wo viele Ziele sind, ist Verwirrung. (Bild: Manuela Matt/PD)

Der Hilfsmittelmarkt ist riesig. Spottbillige und offensichtlich wirkungslose Gadgets von der Verkaufsplattform Ebay ­sollen das Gesicht verschönern. Exotische Esswaren werden zu Superfood erklärt, obwohl der Garten vor der Haustür dasselbe Nährstoffangebot böte, und Psychopharmaka zur Leistungssteigerung werden zu Neuro-Enhancern geadelt. Die meisten von uns sind sich dessen zwar bewusst. Dennoch: Als Glücksbringer, mit denen wir täglich unsere Rituale ausführen, verschaffen uns diese Hilfsmittel dennoch ein gutes Gefühl.

Hilfsmittel für Menschen mit Beeinträchtigung

Manchmal macht Optimierung auch Sinn. Wenn es darum geht, Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung das Leben zu erleichtern, wie ein Kommunikationsgerät mit Augensteuerung zeigt, das man als Besucher ausprobieren kann.

Wer lieber ganz aussteigt aus dem Hamsterrad, auf den warten, so zeigt die Ausstellung in ihrem grossen Finale, Yoga, Slow-Reading-Bücherclubs und Sommercamps für Erwachsene. Dort arbeitet man dann mindestens so hart an sich selbst. Auch keine Leistung zu erbringen will gelernt sein.

«Ist gut nicht gut genug? Warum fordern wir so viel von uns?» Vögele Kulturzentrum, Pfäffikon SZ. Bis 30.9. www.voegelekultur.ch

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