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Melancholische Nachtseelen

Die kanadische Sängerin Holly Cole hat mit ihrem Trio ihr bestes Album seit langem eingespielt. «Night» versammelt clevere Coverversionen von John Barry und Tom Waits bis zu Jacques Brel. Andreas Stock
Die Sängerin Holly Cole. (Bild: Andrew MacNaughtan)

Die Sängerin Holly Cole. (Bild: Andrew MacNaughtan)

Holly Cole hat sich längst einen Namen als Meisterin von jazzigen Coverversionen gemacht, auch wenn die kanadische Sängerin hierzulande nur wenig bekannt ist. Internationales Aufsehen erregte sie freilich bereits 1995 mit ihrem grossartigen Album «Temptation», auf dem sie sich ausschliesslich Songs von Tom Waits aneignete. Anders lässt sich die Art, wie Cole mit ihren Mitmusikern Aaron Davis (Piano) und David Piltch (Bass, Percussion) jeweils die Songs dekonstruiert, auf ihre Essenz destilliert und ihnen ein neues Trio-Jazz-Kleid verpasst, nicht beschreiben.

Von Jazz bis Pop

Es ist schon beeindruckend, wie Cole den fremden Kompositionen den eigenen Stempel aufdrückt. Dabei bewegt sie sich scheinbar mühelos in verschiedenen Musikstilen, von Jazz, Musicals, Folk, Pop bis zu Blues. Auch ihr neues, zehntes Studioalbum «Night» ist ein Beweis ihrer Entdeckerfreude und ihr bestes Album seit längerem. Neben zwei weiteren Songs von Tom Waits interpretiert sie beispielsweise ein Stück von Captain Beefheart («Love Lies») und «Viva las Vegas», das Elvis Presley bekannt machte. Hinreissend sind «Ne me quitté pas» von Jacques Brel oder John Barrys James-Bond-Song «You only live twice».

Entschleunigt und entschlackt

Bei allen diesen Songs, die sich um Einsamkeit und Traurigkeit drehen und von verlorenen Nachtseelen erzählen, bremst das Trio radikal das Tempo und gibt den Songs einen nachtschwarzen, elegischen Grundton. Die Arrangements sind reduziert und sind von schattiger Eleganz. Dazu kommt die einschmeichelnde, warme Altstimme von Holly Cole, die den dunklen Grundton noch betont. Und weil sie die Texte oft ausbuchstabiert, verändert sich neben ihrem musikalischen Kleid auch meistens ihre Stimmung.

Ein schönes Beispiel ist «If You Could Read My Mind» des kanadischen Liedermachers Gordon Lightfoot; im Original ist es ein wesentlich leichteres, beschwingteres Stück, als in der entschlackten, traurig-schönen und mit Bläser-Arrangement abgedämpften Slow-Waltz-Version von Cole, das sich in die Gehörgänge schleicht. Und mit «You've Got a Secret» präsentiert Holly Cole eine Eigenkomposition, die sich im übrigen nicht zu verstecken braucht und sich sehr schön in diese Kollektion von melancholischen Nachtseelen einfügt.

Holly Cole: Night, Label: Tradition & Moderne, Musikvertrieb

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