Melancholische Malstunde

Was man so alles an einem Kleinkunstabend lernen kann! In die Kellerbühne hingehen, bloss um zu lachen, wäre ja auch ein bisschen schade. Zumindest bei Manuel Stahlberger nimmt man ein paar praktische Lebenskunst-Tips mit nach Hause.

Hansruedi Kugler
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Manuel Stahlberger (Bild: Urs Bucher)

Manuel Stahlberger (Bild: Urs Bucher)

Was man so alles an einem Kleinkunstabend lernen kann! In die Kellerbühne hingehen, bloss um zu lachen, wäre ja auch ein bisschen schade. Zumindest bei Manuel Stahlberger nimmt man ein paar praktische Lebenskunst-Tips mit nach Hause. Und gnädig, wie er ist, drängt er einem das Erlernte nicht mal auf. Niemand aus der ersten Reihe muss als Kasperli auf die Bühne. Danke, Herr Stahlberger. Sein neues Bühnenprogramm wurde im Oktober in der St. Galler Kellerbühne zu Recht umjubelt: Da zuckte er selbst in Technoparty-Manier im Stroboskoplicht und fragte danach: «Ist das jetzt Kunst?» Dann projizierte er im Lehnstuhl sitzend via Beamer allerlei skurril Gebasteltes via Beamer auf die Leinwand: ein Jasskarten-Slapstick, ein Evolution-Inkarnation-Videospiel, spassige Heraldik mit Schwingbesen-Wappen. Der St. Galler Meister der melancholischen Zeitgeist-Betrachtungen, in denen depressive Lebenspläne zu lakonischen Minidramen werden, hatte schon immer einen starken Hang zum Skurrilen, zum verspielt Absurden. Im neuen Programm aber baut er dies aus. Und wie gesagt, er gibt ein paar Tips mit auf den Weg. Die Kunst des Zeichnens hat ein paar einfache Regeln. In der Erinnerung tönt das dann so. Regel Nummer 1: «Zeichne nicht zu weit. Häuser und Blumen genügen.» Regel Nummer 2: «Macht nicht den Fehler, zwei Sonnen zu zeichnen.» Regel Nummer 3: «Kamine quer auf dem Dach geht nicht. Selbstgedrehte Zigis neben den Blumen geht.» Eine fliegende Crèmeschnitte ist okay. Toll!

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