Melancholisch

HÖRBAR ROCK

David Gadze
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Bild: David Gadze

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HÖRBAR ROCK

Leicht geknickt sitzt er da, der Mann mit Eselskopf. Wartend, hoffnungslos, irgendwie traurig. Es ist ein Sinnbild für die Musik der Tindersticks: Diese ist auch auf dem zehnten Studioalbum fragil, zurückhaltend und düster, aber tiefer als jeder Ozean. Die britische Gruppe um Stuart A. Staples, dessen flüchtiger, ja gespenstischer Gesang einen umgarnt, serviert elf melancholische Kleinode voller Eleganz und Schönheit. Songs wie «Were We Once Lovers?», «We Are Dreamers!» mit Jenny Beth oder «Lucinda», ein herzergreifendes Duett mit der US-Sängerin Lhasa de Sela, die 2010 verstorben ist, sorgen durchgehend für Gänsehaut. Und wenn der letzte Ton verklingt, setzt man sich einfach zum Eselmann und wartet zur Musik der Tindersticks. Egal worauf. Egal wie lange.

Tindersticks: The Waiting Room (City Slang/TBA); Live: 7. März, Zürich (Kaufleuten)

Anstrengend

Sieben Jahre und zwei Platten sind seit der Wiedervereinigung von Skunk Anansie vergangen. Und auch auf dem dritten «neuen» Werk, dem sechsten insgesamt, wird man das Gefühl nicht los, dass die Band um Sängerin Skin selbst nicht so genau weiss, warum sie zurückgekehrt ist. Zwar zeigen sich die Londoner auf «Anarchytecture» so experimentierfreudig wie schon lange nicht. Sie brechen ihr Alternative-Rock-Muster mit elektronischen Spielereien auf. Der Musik fehlt aber dieses Feuer der vergangenen Tage. Selbst der Gesang von Skin, der sich früher bis ins Knochenmark bohrte, wirkt stellenweise stumpf. Trotz der neuen Ansätze klingt vieles nach Routine, dabei aber unfertig und uninspiriert. Und noch schlimmer: Über weite Teile der Platte sind Skunk Anansie einfach nur anstrengend.

Skunk Anansie: Anarchytecture (Ear Music/Phonag)

Intim

Sechsmal wurde Will Oldham alias Bonnie «Prince» Billy zwischen 1994 und 2002 vom legendären britischen Radiomoderator John Peel zu einer seiner BBC-Sessions eingeladen. Drei dieser Sessions, insgesamt zwölf Aufnahmen, erscheinen nun als «Pond Scum». Das Ergebnis ist nicht einfach eine Compilation, die Songs klingen vielmehr wie aus einem Guss. Den Grossteil der Lieder – darunter auch zwei bisher unveröffentlichte – hat der Indie-Folk-Künstler alleine eingespielt. Entsprechend intim ist die Atmosphäre der Platte. Oldham reduziert die Songs auf das Wesentliche und haucht ihnen so einen neuen Geist ein.

Bonnie «Prince» Billy: Pond Scum (Domino/Musikvertrieb)

Bild: David Gadze

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