Meisterzyklus in der Tonhalle St. Gallen: Gassenhauer, romantisch variiert

Nils Mönkemeyer, Alban Gerhardt und William Youn spielten am Sonntag Trios und Miniaturen von Beethoven, Schumann, Brahms und Liszt.

Bettina Kugler
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Im Künstlergespräch nach dem Konzert lassen sich Bratschist Nils Mönkemeyer, Pianist William Youn und Cellist Alban Gerhardt (v.l., mit Konzertdirektor Florian Scheiber) auf die Finger schauen - und diskutieren über die Frage, ob Beethoven Romantiker war.

Im Künstlergespräch nach dem Konzert lassen sich Bratschist Nils Mönkemeyer, Pianist William Youn und Cellist Alban Gerhardt (v.l., mit Konzertdirektor Florian Scheiber) auf die Finger schauen - und diskutieren über die Frage, ob Beethoven Romantiker war.

Ralph Ribi

Mit einem Trick legen die Musiker den Köder zur lockeren Gesprächsrunde im Anschluss an das sonntägliche Meisterzyklus-Konzert. Schliesslich hat der Abend doch gerade erst begonnen; zudem ist allein die Tatsache, dass man trotz Viruspanik so unbehelligt in der Tonhalle zusammenkommen kann, Grund genug, das Glas zu heben und noch ein halbes Stündchen zum Talk mit dem Bratschisten Nils Mönkemeyer, dem Cellisten Alban Gerhardt und dem Pianisten William Youn zu bleiben.

Der Trick: Die Zugabe wird zum Quiz. Wer hört den Komponisten heraus? Wer kennt womöglich sogar die Opuszahl? Den Komponisten zu erraten - das ist nicht allzu schwer, zumal nach dem gerade zuvor gespielten Werk, dem Trio a-Moll op. 114 von - ja, genau, Johannes Brahms, in der Version mit Bratsche statt mit Klarinette. Es wird denn auch nicht lange gerätselt im Foyer. Alban Gerhardt verplappert sich - es war die Bearbeitung eines Brahms-Liedes, "Alle Dinge brechen, nur meine Liebe nicht".

Listzs Liebeserklärung an Schubert

Dann kommen die komplexeren Fragen. Der Ton jedoch bleibt locker und verspielt, scherzhaft, dabei auch voller echter Emotion. So war er auch zuvor im Konzert, in welchem das Trio Brahms und Beethoven, Liszt und Schumann gespielt - und im Verborgenen noch deren musikalische Lieblinge mitgeführt hat. Schubert zum Beispiel, in Liszts rauschhaft-virtuosen Klavierintermezzi "Auf dem Wasser zu singen" und "Soirées de Vienne". Mit ihnen verzauberte der Schubertiade-erprobte William Youn die Zuhörer im erste Teil des Abends.

Wie Liszt hatte auch Beethoven seine Ohrwürmer. Ein Opernterzett etwa des heute in Vergessenheit geratenen Komponisten Joseph Weigel, "Pria ch'io l'impegno": Ende des 18. Jahrhunderts wurde es in Wien auf der Gasse gesummt und gepfiffen; es setzte sich fest in den musikalischen Hirnwindungen. Verewigt hat sich die Melodie in Beethovens 1797 entstandenem Klaviertrio Nr. 11 B-Dur, dem so genannten "Gassenhauer"-Trio.

Entspannte Dialoge, "schokoladiger" Klang

Wie in Brahms' Trio a-Moll spielt Nils Mönkemeyer hier die ursprünglich für Klarinette gedachte Stimme auf der Bratsche - schon ist er da, der einzigartig weiche, insgesamt dunkler getönte Trioklang, den die drei facettenreich variieren: "schokoladig", findet Konzertdirektor Florian Scheiber. Das trifft es gut, einmal abgesehen davon, dass nicht jeder Schokolade mag. Alban Gerhardt jedenfalls versteht es, seinen Ton, sein Vibrato, auch seinen Gestus auf jenen der Bratsche einzustellen; es entsteht dabei ein entspannterer, lässigerer Dialog als sonst zwischen Geige und Cello im Trio.

Mönkemeyer und Gerhardt wissen aber auch ihre Duo-Auftritte mit William Youn auszukosten und zu gestalten. Mag der Cellist im Talk auch darüber klagen, wie uncellistisch Schumann seine "Fünf Stücke im Volkston" geschrieben hat und mit dem Märchen aufräumen, sie seien "volkstümlich" - er spielt sie wunderbar beiläufig, sanglich und unaufgeregt. Klare Impulse kommen stets vom Klavier, so auch in Schumanns "Märchenbildern": Wie geschaffen für einen Bratschisten, der Traum und Wirklichkeit so schön in der Schwebe hält, Schwung und Anmut so vollendet verbindet.