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MEISTERWERK: Der Musik-Erklärer

András Schiff erklärt Bachs «Goldberg-Variationen» und spielt sie dann. Heute in Zürich zu erleben. Wie intensiv er sich mit Musik befasst, zeigt ein neues Buch.
Rolf App

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@tagblatt.ch

«Si non è vero, è ben trovato»: Mag sein, dass die Geschichte vom Grafen Keyserlingk Legende ist, der unter Schlaflosigkeit litt und Johann Sebastian Bach deshalb bat, für seinen Cembalo­spieler Johann Gottlieb Goldberg ein paar Stücke für Tasteninstrumente Musik zu komponieren: leichte, fröhliche Musik, die ihn in seinen schlaflosen Nächten aufheitern sollte. Zweifel sind angebracht. Das 1741 veröffentlichte Werk enthält keinerlei Widmung, und: Goldberg war da erst gerade 14 Jahre alt.

Wie aber hätte ein derart junger Musiker «die ausserordent­lichen musikalischen, technischen und intellektuellen Schwierigkeiten dieser Komposition bewältigen können»? Das fragt einer, der die «Goldberg-Variationen», wie sie dennoch heissen, bestens kennt: der Pianist András Schiff, für den Bach noch immer die «Vater­figur» ist. Er sagt es in einem ­jener Gespräche, das er mit dem früheren NZZ-Feuilletonchef Martin Meyer geführt hat, und die jetzt als Buch erschienen sind. Was in den «Goldberg-Variationen» steckt, das wird er am ­Montag in Zürich an einem un­gewöhnlichen Anlass erklären: András Schiff gibt zuerst eine Einführung in die «Goldberg-­Variationen», danach spielt er sie.

Scharfe Kritik und üble Beschimpfungen

Wie intensiv sich der 1953 in Buda­pest geborene Pianist und Dirigent mit der Musik beschäftigt, die er im Konzert inter­pretiert, davon legen neben den Gesprächen auch jene Texte Zeugnis ab, die den zweiten Teil des Buches bilden. Man findet ­darunter auch eine «Reise­führung» durch Bachs «Goldberg-Variationen». Und, sogar an erster Stelle, jene Stellungnahmen, die er gegen die «Putinisierung Ungarns» unter Viktor Orbán ­öffentlich abgegeben hat. Schiff trägt auch die Reaktionen nach. Etwa jene von Zsolt Bayer, einem engen Freund Orbáns, der ihn mit anderen Kritikern als «stinkendes Exkrement» ­bezeichnet und bedauert hat, dass «es uns nicht gelungen ist, einen jeden bis zum Hals im Wald von Orgovány zu verscharren». In Orgovány, erklärt András Schiff, «wurden 1920 nach dem Zusammenbruch der jungen kommunistischen Räterepublik Hunderte, vor allem Juden und als Kommunisten verdächtigte Personen grausam gefoltert und getötet». Auf Internetseiten sei er in ­anonymen Blogs als «Saujude», «Verräter und Nestbeschmutzer» beschimpft worden.

«Kurtág ist grundsätzlich mit keinem Ton zufrieden»

Kein Wunder, hat sich der Mann aus Ungarn zurückgezogen und tritt dort auch nicht mehr auf. Er geht seine eigenen Wege, auch wenn Ungarn, seine Sprache und Musik, tief in ihm stecken. Man merkt das, wenn er über Béla ­Bartók spricht oder über György Kurtág, seinen ehemaligen Lehrer und in seinen Augen den grössten lebenden Komponisten. Kurtág sei ein extrem intensiver Mensch. «Wenn ich ihm etwas vorspiele, kommentiert er jeden Ton. Er ist grundsätzlich mit keinem Ton zufrieden.» Was denkt der Komponist über das, was ein Interpret aus den Noten liest? Das ist die Frage, die András Schiff sich ­immer wieder stellt. Deshalb ist es ihm wichtig, Manuskripte und Faksimiles zu studieren. «Dadurch verstehe ich viel mehr von den Kompositionsprozessen, von den Seelenzuständen des Komponisten», betont er.

Darum nämlich geht es ­jenseits aller Technik: um das Seelische. Weil Musik «grundsätzlich aus der Seele kommt».

Sir András Schiff führt in ­deutscher Sprache in die ­Goldberg-Variationen ein. Anschliessend Rezital. Mo, 12.6., 19.30 Uhr, Tonhalle Zürich

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