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Lang Lang, der Pianist der Herzen ist zurück

Für Klavierstar Lang Lang ist Klassik nicht alte Musik, sondern gute. Auf seinem Comeback-Album hat er seine einstigen Lieblingsstücke wie «Für Elise» eingespielt.
Anna Kardos
Die Pose gehört zum Geschäft: Lang Lang ist ein begnadeter Pianist und Performer. (Bild: Jean-Baptiste Millot)

Die Pose gehört zum Geschäft: Lang Lang ist ein begnadeter Pianist und Performer. (Bild: Jean-Baptiste Millot)

In Sachen Weltbekanntheit kann sie fast mit dem Kotelett-Walzer mithalten: Beethovens «Für Elise» wird von Millionen Kinderfingern auf Klavieren rund um die Welt geklimpert – und seit neuestem auch von zehn Starpianisten-Fingern interpretiert. Es sind die von Lang Lang, dem ultimativen Klassikstar. «Piano Book» heisst das neue Album des Chinesen, und es macht staunen.

Klar, Staunen gab es bei Lang Lang immer schon, serienmässig. Meistens wegen seiner «phänomenalen Technik» oder seiner «Palette an Klangnuancen». Manchmal auch der Selbstverständlichkeit wegen, mit der sich Lang Lang über interpretatorische Traditionen hinwegsetzte – und last but not least: natürlich wegen seines fingerbrecherisch schwierigen Repertoires. Und nun das. In «Für Elise» besteht die Melodie aus zwei benachbarten Tönen, die dreimal pendeln – von Begleitung keine Spur –, bevor sie sich zur Linie fügen. Simpler geht es kaum. Kein Klaviersolist würde das Stück ins Zentrum eines Albums stellen – schon gar nicht in Kombination mit Debussys «Childrens Corner», Schumanns «Album für die Jugend» sowie der Melodie von «Morgen kommt der Weihnachtsmann», die bei Wolfgang Amadeus Mozart zwar «Ah, vous dirai-je, Maman», heisst, aber deshalb nicht anders klingt. Keiner ausser Lang Lang. Warum tut man als Starpianist so etwas? Hat die technische Einfachheit der Stücke mit Lang Langs Sehnenentzündung zu tun, die ihn 15 Monate zwangspausieren liess?

Spielen, was man liebt

Die Antwort des Pianisten ist so einfach wie ehrlich: «Machen Sie sich keine Sorgen wegen der Hand. Ich kann alles spielen. Der Grund für das Album ist: Das waren meine ersten musikalischen Lieben, und bis heute liebe ich es, sie zu spielen.» Und er fährt fort: «Oft stuft man diese Stücke als einfach ein. Ich wollte sie mit dem künstlerischen Anspruch spielen, den sie verdienen — und damit eine Referenz schaffen.»

Es stimmt. Die Anfangstöne von «Für Elise» haben beim Chinesen etwas Zögernd-Schwebendes, als müsste sich die Melodie dazu entschliessen, Form anzunehmen. Sobald der Puls da ist, liefert die linke Hand mit perfekt getimten Impulsen Energie – das Stück wächst – auch in die Tiefe. Anders bei Bachs C-Dur-Präludium, das durch allzu viel künstlerischen Anspruch etwas Künstliches erhält. «Natürlich versuche ich, die Stücke heute anders zu spielen», erzählt der Pianist, aus einer Konzertprobe in Paris kommend, am Telefon. Im Hintergrund Strassenlärm, Passanten, Gekreisch. Vielleicht gilt es auch dem Klavierstar, der – gemessen an seinem Bekanntheitsgrad – der «King of Classic» ist: 7 430 000 Treffer ergibt die Google-Suche nach Lang Lang. Mehr als doppelt so viele als bei David Garrett (3 860 000) oder Herbert von Karajan (3 370 000).

Der Erfolg kam nicht über Nacht. Schon als Einjähriger wurde der Chinese intensivst gefördert. Manche würden sagen: gedrillt. «Mit vier Jahren habe ich vier Stunden täglich geübt, mit fünf Jahren fünf Stunden, mit Vierundzwanzig ging das nicht mehr weiter», erzählte er 2018 bei einem Konzert in der Tonhalle Zürich. Dennoch stellt Lang Lang eines klar. «Man kann niemanden zwingen, Musiker zu werden. In meinem Fall ist es so, dass ich Musik liebe, aber auch weiss, dass Musiker sein ein schwieriger Prozess ist.»

«Egal, wie hart ich arbeite, es geht darum, die Herzen des Publikums zu gewinnen.»

Die unerträgliche Schwere des Musikerseins lernte er bereits als Kind kennen. Etwa als er wegen des Klaviers mit dem Vater in eine Pekinger Slumgegend zog, während die Mutter in der Provinzstadt Shenyang zurückblieb, um für den Unterhalt der Familie zu sorgen. Am härtesten war aber, als der Vater die Kontrolle verlor und Lang Lang anhielt, sich zu vergiften (anschliessend wollte er sich ebenfalls das Leben nehmen). Der Grund? Der Junge war von seiner Lehrerin «gefeuert» worden mit den Worten, er solle aufhören, Klavier zu spielen. Da war er neun und übte täglich ab 5 Uhr morgens.

Den Jungen die Türen zur klassischen Musik öffnen

«Egal, wie hart ich arbeite, es geht darum, die Herzen des Publikums zu gewinnen», ist er überzeugt. Vielleicht darum hat er für einen Klassikstar ungewöhnlich junge Fans: In Asien sind 90 Prozent seines Publikums unter 20. Lang Lang erstaunt das kaum: «Viele junge Leute sind interessiert an klassischer Musik, sie wissen nur nicht, wie mit ihr in Verbindung kommen. Es ist unsere Aufgabe als Musiker, die Türen zu öffnen für sie.»

Genau das tut der 37-Jährige: Mit Leidenschaft, mit Auftritten in Fernsehshows und Konzert-Tenues aus Glitzerstoff, aber auch mit einem Musizieren ohne jegliche Berührungsängste. Es habe ihn erstaunt, dass Beethoven schon so lange tot sei, sagte er einmal. Es stimmt: Für Lang Lang ist Klassik in erster Linie nicht alte Musik, sondern gute Musik. Und die gilt es, genauso selbstverständlich wie wunderbare Augenblicke oder das Menü im begehrten Lokal zu teilen. Ob auf Facebook, Instagram oder im Konzertsaal, spielt keine Rolle. «Wenn du das teilst, was du am meisten liebst», sagt er, «dann verstehen die Leute sehr vieles. Sind dir die Menschen wichtig, ist auch ihnen wichtig, was du tust.»

Hinweis

Lang Lang: Piano Book, Deutsche Grammophon.

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