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Meister einer beschwingten Kunst: zum 200. Geburtstag von Jacques Offenbach

Vor 200 Jahren ist in Köln Jacques Offenbach geboren worden, Komponist zahlloser Operetten und mehrerer Opern. Sein letztes Werk hat ihn vollends unsterblich gemacht: «Hoffmanns Erzählungen».
Rolf App
Genialer Schöpfer unzähliger Operetten: Jacques Offenbach (1819-1880). (Bild: Getty)

Genialer Schöpfer unzähliger Operetten: Jacques Offenbach (1819-1880). (Bild: Getty)

Eigentlich möchte Orpheus, von Beruf Geigenlehrer, seine Frau Eurydice loswerden. Ihre Ehe ist erkaltet. Er hat ein Auge auf eine Nymphe geworfen, sie wiederum umgarnt den Nachbarn Aristeus. Allen also scheint gedient zu sein, als Eurydice vom – als Aristeus verkleideten – Gott der Unterwelt entführt wird. Nur die öffentliche Meinung rebelliert. Sie erwartet von Orpheus, dass er um seine Gattin kämpft. So beschwert er sich zuoberst, im Olymp, wo die Götter sich gerade langweilen und gegen den unverbesserlichen Schürzenjäger Jupiter rebellieren.

Jupiter verwandelt sich in eine Stubenfliege

Der sieht seine Chance, die Gegner abzulenken. Ausserdem soll diese Eurydice hübsch sein. So unternehmen nun alle erfreut einen Ausflug in die Unterwelt und tanzen dort den berühmten Cancan. Und Jupiter, verkleidet als Stubenfliege, macht sich an Eurydice heran. Die langweilt sich da unten ganz grässlich und ist hoch erfreut über den illustren Besuch.

Juliette Mealy als Eurydice in der Gesellschaftssatire «Orphée aux Enfers». (Bild: Alamy)

Juliette Mealy als Eurydice in der Gesellschaftssatire «Orphée aux Enfers». (Bild: Alamy)

«Orphée aux Enfers» – «Orpheus in der Unterwelt» – ist Jacques Offenbachs grösster Erfolg, bis heute. Die in der Gestalt des Jupiter auf Napoleon III. gemünzte Götter- und Ehe-Satire hat ihrem Schöpfer auch ziemlich viel Geld eingebracht. Weshalb er denn auch sein Haus im malerischen Étretat an der normannischen Küste Villa Orphée genannt hat. Hier ruht er sich in den Sommermonaten aus. Wenn er nicht gerade auf Tournee geht, seine Truppe an den angesagten Kurorten seiner Zeit vor gekrönten Häuptern auftreten lässt und danach das in den Konzertsälen verdiente Geld gern in den Casinos verspielt.

Jacques Offenbach muss fleissig sein

Denn Jacques Offenbach braucht immerzu Geld. Er muss fleissig sein. Aber er ist es auch aus innerem Antrieb. «Offenbachs Leichtigkeit und Schnelligkeit der Ausführung waren beispiellos», stellt Komponistenkollege Camille Saint-Saëns verblüfft fest. Und weiter:

«Seine Partituren sind übersät mit Fliegentupfen, mikroskopisch kleinen Noten. Er hatte ein System von Kürzeln, das er bis zum Äussersten ausbaute; und die Simplizität seiner Kompositionsmethode erlaubte es ihm, sich ihrer immer wieder zu bedienen.»

Und doch führt diese geradezu serielle Produktivität nicht zur Verflachung. Denn Saint-Saëns lobt zugleich Offenbachs «Gabe fürs Melodische», attestiert ihm harmonische Eleganz, eine Menge Humor und Einfälle, schliesslich ein «hochentwickeltes Gespür fürs Theater – das war alles, was er zum Erfolg brauchte.»

Mit zwölf Jahren Auftritte in Gastwirtschaften

Es ist ein Erfolg in der Fremde. Denn Jacques Offenbach wird am 20. Juni 1819 in Köln geboren. Er ist der Sohn eines jüdischen Kantors, der nach dem Gottesdienst oft noch zum Tanz aufspielt und seinem Sohn früh Cellounterricht erteilt. Ab dem zwölften Lebensjahr tritt er zusammen mit seinen Geschwistern in Gastwirtschaften auf, zwei Jahre später erscheint kurz vor der Abreise nach Paris seine erste Komposition: ein «Divertimento über Schweizerlieder».

Paris: Das ist die Hauptstadt des 19. Jahrhunderts. «Versammelt ist alles, was gross ist durch Liebe oder Hass, durch Fühlen oder Denken», schreibt der Dichter Heinrich Heine, der sich ganz selbstverständlich in Paris niederlässt.

«Eine neue Kunst, eine neue Religion, ein neues Leben wird hier geschaffen, und lustig tummeln sich hier die Schöpfer einer neuen Welt.»

Hier also vervollkommnet der junge Offenbach seine Ausbildung, hier findet er als Cellovirtuose Eingang in die Salons der besseren Gesellschaft. Auch die Presse beachtet ihn bald; Jacques Offenbach versteht es bestens, mit allerlei Neuigkeiten oder auch offenen Briefen an seine Gegner für sich PR zu machen.

Eine «vollständig neue Art der Belustigung»

Doch die Konkurrenz für den jungen Komponisten und seine begabte Librettisten-Crew ist hart. Das kulturelle Leben ist streng reglementiert; jedes Theater darf nur bestimmte Stücke herausbringen. Nachdem er immer wieder aufgelaufen ist mit seinen Projekten, entschliesst Jacques Offenbach sich zu einem radikalen Schritt. 1855 ersucht er den Staatsminister Fould um die Erlaubnis, ein Theater an den Champs-Élysées mit einer «vollständig neuen und einzigartigen Art der Belustigung» bespielen zu dürfen – mit kurzen Stücken, die er «Operette» nennt. «Les Deux Aveugles», ein ausgelassenes Stück über zwei nur angeblich blinde Bettler, begründet den Ruhm von Offenbachs neuem Theater, von da an ist es fast ständig ausverkauft.

Unerträgliche Schmerzen durch die Gicht

Offenbach feiert die Freuden und Vergnügungen von Paris, hemmungslos überdreht er sie, und stellt sich mit seinen leichtfüssigen Stücken der «Mode der grossen Musik, tyrannisch wie alle Moden» entgegen.

Er hält ihr satirisch den Spiegel vor und karikiert die Herrschenden.

Doch der Meister einer beschwingten Kunst ist selber schwer krank. Die Gicht verursacht ihm unerträgliche Schmerzen, nur unter grossen Mühen bringt er das letzte Werk an ein zumindest provisorisches Ende: die Oper «Hoffmanns Erzählungen», die ihn vollends unsterblich macht. Und an deren Ende die Muse lebensweise singt: «On est grand par l’amour et plus grand par les pleurs!» – Man wird gross durch die Liebe und grösser durch die Tränen.

Am 5. Oktober 1880 stirbt Jacques Offenbach in Gegenwart seiner Frau und seiner fünf Kinder.

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