«Mein Alltag ist beschaulich»

Die Singer/Songwriterin Lissie lebt neuerdings auf ihrer eigenen Farm, träumt von wilden Tieren und singt ihrem Hund ihre Songs vor. Die wilden Zeiten, sagt sie im Interview, seien vorbei.

Michael Gasser
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Sieht unschuldig aus, ist aber eine taffe Frau mit einer Stimme, die gar nicht so recht zu diesen Sommersprossen passen will. (Bild: pd)

Sieht unschuldig aus, ist aber eine taffe Frau mit einer Stimme, die gar nicht so recht zu diesen Sommersprossen passen will. (Bild: pd)

Lissie Maurus, auf Ihrem neuen Album «My Wild West» träumen Sie davon, 40 Aren Land in Ihrem Heimatstaat Illinois zu kaufen. Inzwischen haben Sie sich tatsächlich ein Stück Boden erstanden.

Lissie: Mehr als nur ein Stücklein, ich bin stolze Besitzerin von mehr Boden, als ich mir je erträumt habe!

Was schwebt Ihnen für die Farm vor?

Lissie: Ich bin eben erst eingezogen, aber bereits jetzt träume ich von Bienenstöcken und eingemachten Früchten. Auch möchte ich wilde Blumen pflanzen, denn mein Land soll Lebensraum für Wildtiere bieten. Eines schönen Tages soll die Scheune in ein Aufnahmestudio verwandelt werden, aber das braucht Zeit und Geld.

Die vergangen zehn Jahre haben Sie in Kalifornien verbracht. Ein Ort, der Ihr Herz brechen liess, wie man ihren alten Songs anhört.

Lissie: Das stimmt, aber ich singe auch davon, dass Hollywood viele Träume befeuert. Und obschon die Menschen in Kalifornien häufig sehr oberflächlich sind und sich meine letzte Platte «Back To Forever» vielleicht etwas verbittert anhörte, hatte ich an der Westküste viel Glück und verbrachte dort spannende Jahre. Jetzt bin ich heimgekehrt. Nicht mit eingeklemmtem Schwanz, sondern voller Sehnsucht nach der Natur.

Der Titel Ihrer neuen Platte heisst «My Wild West», wie wild waren denn Ihre Jahre im Westen?

Lissie: Das Album ist eine Ode an meine kalifornischen Jahre, die wild waren. Ich feierte Parties am Laufmeter, trank zu viel Tequila und hatte einen verrückten Freund, um den ich mich auch mal mit einer anderen Frau prügelte. Inzwischen bin ich 33jährig und seit ich meine Farm besitze, ist mein Alltag unglaublich beschaulich geworden. Wie der einer Rentnerin.

Ihre Lieder sind durchgängig autobiographisch. Wird es Ihnen nie zu persönlich?

Lissie: Doch, gerät ein Song zu persönlich, dann veröffentliche ich ihn nicht. Die neuen Stücke sind mir einfach zugeflogen – mitsamt den Texten. Und ich habe beides nicht hinterfragt, sondern direkt eingespielt. «My Wild West» ist deshalb auch so etwas wie die Antithese zu meinem letzten Album. Damals wollte ich den Erfolg erzwingen, heute nicht mehr.

Ihr Hund bekommt neue Kompositionen stets als erster zu hören, heisst es.

Lissie: Sobald ich mich ihm zuwende, beginne ich fast immer zu singen. Auch, wenn er mein Nachtessen vom Tisch zu stibitzen versucht. Wahrscheinlich denkt er, ich sei nicht ganz dicht.

Einer Ihrer Karrierehöhepunkte dürfte sich 2008 ereignet haben, als Sie mit Ihrer Musik bei der Hochzeit von Demi Moore und Ashton Kutchner auftreten durften.

Lissie: Im Vorfeld wusste ich nur, dass ich an einer Feier auftrete. Als ich merkte, wer hier heiratet, fühlte sich das geradezu surreal an. Ich vermochte kaum zu realisieren, wie mir geschieht. Eigentlich darf ich ja gar nichts über den Event erzählen, denn ich musste eine Vertraulichkeitserklärung unterzeichnen. Aber es gäbe auch so gut wie nichts zu tratschen. Ausser, dass sich die beiden mir gegenüber unheimlich nett zeigten.

Lissie: «My Wild West», Cooking Vinyl/MV, ab sofort im Handel Live: So, 5. Juni, 20 Uhr, Salzhaus, Winterthur.

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