Mehr Satire für Weinfelden! Thomas Götz und Filmemacher Daniel Felix feilen am neuen Kabarett-Programm

Sie sind Kult: Thomas Götz und Daniel Felix starten mit einer neuen Reihe «Ergötzliches» in ihr neuntes Jahr. Mit dabei: Die alten Kunstfiguren Sabine Schnyder und Arnold Schnyder. Und vielleicht auch Donald Trump. 

Stefan Böker
Drucken
Teilen
Kameramann Daniel Felix filmt Thomas Götz und Dialogpartnerin Marta Wechsler. Im Film wird Thomas Götz sich selber als Sabine Schnyder interviewen.

Kameramann Daniel Felix filmt Thomas Götz und Dialogpartnerin Marta Wechsler. Im Film wird Thomas Götz sich selber als Sabine Schnyder interviewen.

Bild: Reto Martin (Weinfelden, 7. Februar 2020)

«Und: Cut!», ruft Kameramann Daniel Felix und klatscht in die Hände. Der zweiminütige Einspieler für die bevorstehenden Aufführungen im Theaterhaus Weinfelden ist im Kasten. Gerade einmal eine Dreiviertelstunde benötigte das eingeübte Team für die Aufnahme.

Schauspieler Thomas Götz spielte einmal sich selbst als Interviewer, einmal seine Kunstfigur Sabine Schnyder. Die Verwandlung mit Perücke, Lippenstift, extravagantem Kleid, Nylons und hochhackigen Schuhen geschieht blitzschnell; nur die Texte brauchen ab und an mehrere Anläufe. Damit die Szene dynamisch wirkt und seine Reaktionen echt, unterstützt die Präsidentin der «Bühni Wyfelde», Marta Wechsler, Götz beim Dialog.

Aktualität des Programms ist enorm wichtig

«Die Hauptarbeit steht jetzt noch bevor: das Schneiden», erklärt Daniel Felix den nächsten Schritt und setzt den Deckel auf das Objektiv einer seiner beiden Kameras. In seinem Weinfelder Studio wird er die jeweils rechte und linke Bildhälfte der Aufnahmen zusammenschneiden und so die Illusion eines echten Interviews erzeugen.

Sabine Schnyder und ihr Bruder Arnold, ein schrulliger Politiker, sind zwei der beliebtesten Figuren von Thomas Götz. Sie tauchen immer wieder auf und werden auch im neuen Programm prominente Auftritte haben. «Sabine will in den Grossen Rat gewählt werden», verrät ihr Erfinder. «Dafür tritt ihr Bruder nur noch als Nationalrat an.» Daniel Felix ergänzt: «Es kann aber auch sein, dass wir uns spontan neue Figuren ausdenken, die einmal auftreten und dann nie wieder. Das hängt ganz davon ab, was sich im politischen und gesellschaftlichen Leben ereignet hat.»

Der Thurgauer Satiriker Thomas Götz bei seinem Auftritt als Sabine Schnyder im Theaterhaus Thurgau in Weinfelden im September 2019.

Der Thurgauer Satiriker Thomas Götz bei seinem Auftritt als Sabine Schnyder im Theaterhaus Thurgau in Weinfelden im September 2019.

Bild: Reto Martin

Das Satire-Theater «Ergötzliches» der beiden kreativen Köpfe ist Kult. Anfangs produzierten sie von Februar bis Juni monatlich eine Show. Weil das zu aufwendig wurde, änderten sie den Rhythmus der Auftritte auf drei aufeinanderfolgende Tage, jeweils drei mal im Jahr. Immer wieder waren die 104 Plätze des Theaterhauses Weinfelden ausverkauft. Nicht selten sitzen Politiker im Publikum, die selbst schon auf der Bühne auf die Schippe genommen wurden.

«Im Grunde bin ich ständig auf der Suche nach Inhalten», beschreibt Götz die Ideenfindung für seine Show. «Eine meine Hauptinspirationsquellen ist die Zeitung. Wenn ich interessante Artikel finde, schneide ich sie heraus.» Aktualität ist enorm wichtig: die Produktion der Einspielclips beginnt erst 14 Tage vor der Premiere. «Am Programm selbst können wir bis zum letzten Moment schrauben», sagt Götz. Lokales und Kantonales, aber auch Ereignisse von nationaler oder internationaler Bedeutung können Eingang in die Show finden.

Thurgauer «Kulturpapst» zu Gast in der Show

All zu viele Details über das, was das Publikum an der bevorstehenden Inszenierung erwartet, wollen Götz und Felix nicht verraten. Die Abstimmung über den Weinfelder Ortsbus, der Wahlkampf der bevorstehenden Kantons- und Regierungsratswahlen, die Schweigegeld-Affäre beim Abgang des Thurgauer Informatik-Chefs oder das spezielle Anstellungsverhältnis von Trainer Hakan Yakin beim FC Schaffhausen könnten es auf die Bühne schaffen.

Thomas Götz als Arnold Schnyder bei «Ergötzliches» im Theaterhaus Thurgau in Weinfelden.

Thomas Götz als Arnold Schnyder bei «Ergötzliches» im Theaterhaus Thurgau in Weinfelden.

Reto Martin

Darüber hinaus sei die «globale Trumpisierung» ein nicht versiegender Quell der Inspiration für sein Theater, sagt Götz. «Politiker wie Donald Trump, der ja bei seiner Rückfahrt vom Weltwirtschaftsforum mit dem gesamten Konvoi auch durch den Thurgau fuhr, bieten natürlich immer Futter.»

Die drei Vorstellungen kommende Woche werden abgerundet durch Auftritte bekannter Thurgauer. Am Donnerstag ist «Kulturpapst» Dieter Langhart zu Gast, am Freitag alt Regierungsrat Bernhard Koch und am Samstag Karin Frischknecht, die neue Leiterin des Kantonalen Amts für Gesundheit.

«Ergötzliches»: 20.-22.2.2020, jeweils 20.15 Uhr, Theaterhaus Thurgau, Weinfelden; ergoetzliches.ch