Mehr Beethoven dank Corona: Raritäten in der Ziegelhütte Appenzell

Unter dem Motto «Eine Sinfonie zu dritt» präsentiert das Schweizer Klaviertrio zwei neue Beethoven-Klaviertrios. Sein Streichquintett und die zweite Sinfonie hat der Komponist 1806 selbst transkribiert. Das Quintett in der Triofassung ist jetzt erstmals in der Schweiz zu hören.

Martin Preisser
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Das Schweizer Klaviertrio (Joel Marosi, Martin Lucas Staub und Angela Golubeva) warten mit Beethoven-Raritäten auf.

Das Schweizer Klaviertrio (Joel Marosi, Martin Lucas Staub und Angela Golubeva) warten mit Beethoven-Raritäten auf.

Bild: PD

Grosse Sinfoniekonzerte sind im Augenblick noch nicht zu geniessen. Kammermusik im Rahmen der gegenwärtigen Schutzkonzepte schon. Auf eine Beethoven-Sinfonie im Beethoven-Gedenkjahr muss man aber dennoch nicht verzichten. Das Schweizer Klaviertrio präsentiert Beethovens Zweite in Triobesetzung. Siebzehn Konzerte hat das in Winterthur beheimatete und weltweit erfolgreich konzertierende Trio wegen des Lockdowns absagen müssen. Am Sonntag gibt es einen Neustart in der Ziegelhütte Appenzell.

«Statt in Perspektivlosigkeit zu versinken und Trübsal zu blasen, haben wir die Coronapause kreativ genutzt.»

Das sagt Pianist des Trios, der aus dem Thurgau stammende Martin Lucas Staub. Mit seiner Partnerin, der ukrainischen Geigerin Angela Golubeva, und dem Zürcher Cellisten Joël Marosi hat er zwei unbekannte Klaviertrios von Beethoven ausgegraben und einstudiert. Auf fünf, auch international und von der Kritik bestens bewerteten CDs hat das Schweizer Klaviertrio beim deutschen Label Audite das Gesamtwerk Beethovens bereits für Klaviertrio aufgenommen. Die Reihe ist eigentlich abgeschlossen. Jetzt kommt eine überraschende sechste Einspielung mit diesen Raritäten hinzu.

Erst vor vier Jahren wieder neu aufgelegt

Beethoven selbst hat seine zweite Sinfonie 1806 für Klaviertrio transkribiert. «Sehr gut gesetzt» sei diese Fassung, schwärmt Martin Lucas Staub. Und eine echte Entdeckung dürfte die ebenfalls von Beethoven realisierte Klaviertrio-Fassung seines Streichquintetts op. 4 sein. Beethoven hat sie als eigenes Opus 63 herausgegeben. Das Werk wurde erst vor vier Jahren in einem italienischen Verlag wieder aufgelegt und dürfte jetzt wohl erstmals in der Schweiz zu hören sein. «Brillant, optimistisch und positiv» klinge es, sagt Martin Lucas Staub, der das Schweizer Klaviertrio 1998 gegründet hat und heute auch als künstlerischer Leiter der Kammermusik Bodensee und der Konzerte in der Ziegelhütte Appenzell tätig ist.

Zwischen April und Juni war, auch in der Ziegelhütte, zum 250. Geburtstag des Komponisten eine Konzertreihe mit allen Klaviertrios des Wiener Klassikers geplant. Corona hat es verhindert. Ende Dezember wird dieser Zyklus aber nachgeholt. Dass gerade Corona jetzt zu zwei Klaviertrio-Neuentdeckungen geführt hat, ist ein schöner und seltener Glücksfall. Nicht nur in Appenzell werden diese beiden unbekannten Werke am Sonntag aufgeführt. Auch das KKL Luzern hat das Schweizer Klaviertrio für dieses interessante Programm Anfang Juli gebucht.

Hinweis

So, 14.6., 17 Uhr, Ziegelhütte Appenzell (nur noch Restkarten); Sa, 4.7., 19.30 Uhr, KKL Luzern; CD-Infos: www.audite.de

Sie bekamen schon Blumen von der thailändischen Prinzessin

Das Swiss Piano Trio wird zwanzig Jahre alt. Gegründet wurde es vom Thurgauer Pianisten Martin Lucas Staub. Auf allen Kontinenten erfolgreich unterwegs, aber auch in der Region stets präsent, ist das Trio nicht zuletzt die Folge einer Liebesgeschichte.
Martin Preisser