Mehr als Ausfallentschädigungen: Wie die Ostschweizer Kulturämter den Kampf gegen Corona aufnehmen

Die Auswirkungen der Pandemie treffen einmal mehr die Kultur. Um nachhaltige Schäden von der Kulturszene abzuwehren, greifen die Förderstellen nach einem neuen Hilfsmittel: Ostschweizer Kulturämter vergeben Gelder für Transformationsprojekte. Eine Übersicht, was das ist, wer davon profitiert, und was man sich erhofft.

Julia Nehmiz
Drucken
Teilen
Magere Zeiten für die Kultur (wie hier an der Premiere «Black Ride»r im Theaterprovisorium St.Gallen): Publikumsgewinnung in Pandemiezeiten kann neu vom Kanton mit Projektgeldern gefördert werden.

Magere Zeiten für die Kultur (wie hier an der Premiere «Black Ride»r im Theaterprovisorium St.Gallen): Publikumsgewinnung in Pandemiezeiten kann neu vom Kanton mit Projektgeldern gefördert werden.

Bild: Benjamin Manser

Unter den Massnahmen, mit denen der gebeutelten Kulturbranche in Pandemiezeiten geholfen werden soll, findet sich seit neustem auch ein Wortungetüm, das es in sich hat: Unterstützung von Transformationsprojekten. Katrin Meier, Leiterin Amt für Kultur St.Gallen, erklärt, was darunter zu verstehen ist.

Was soll die neue Unterstützung bewirken?

Die Grundidee: Kulturelle Vielfalt fördern und erhalten. Eine nachhaltige Schädigung durch die Auswirkungen der Pandemie vermeiden. Es herrscht allgemein die Auffassung, dass es keine Lösung ist, über einen langen Zeitraum einfach Ausfallentschädigungen zu zahlen. Niemand weiss, wie lange die Pandemie noch andauert. Man will keinen Anreiz schaffen, in alten Strukturen zu verharren. Lieber möchte man unterstützen, wenn sich Kulturinstitutionen auf die neuen Bedingungen einstellen. Verschiedene Institutionen haben bereits im Frühjahr schnell reagiert, diese Wandlungsfähigkeit soll weiter gefördert werden.

Was sind solche Transformationsprojekte?

Diese sind vielfältig gefasst. Bewusst haben die Kulturämter dafür keine engen Vorgaben gemacht. Die Kulturinstitutionen sollen reagieren und Lösungen für sich erarbeiten, dies kann nicht von den Förderstellen aus geschehen. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Bereiche, die gefördert werden können: die strukturelle Neuausrichtung und die Publikumsgewinnung. Ein Beispiel: Wenn sich öffentliche Anlässe innovativ und nachhaltig ins Digitale verlagern, könnten dafür Fördergelder beantragt werden. Oder wenn Institutionen Kooperationen anstreben, sich organisatorisch verändern.

Wer kann Gesuche stellen?

Dieses Fördermittel ist für Kulturinstitutionen gedacht, nicht für einzelne Kulturschaffende. Gesuche einreichen können Kulturinstitutionen, auch Vereine, Stiftungen, Genossenschaften oder Gruppen, die mindestens 50 Prozent ihres Jahresumsatzes im Kulturbereich erwirtschaften. Oder wenn ein grössere kulturelles Projekt ansteht.

Was ist mit dem Geld?

Ein Transformationsprojekt wird mit bis zu 60 Prozent des Gesamtbudgets unterstützt, maximal mit bis zu 300000 Franken je Kulturunternehmen. Ein gewisses Mass an Eigenleistung ist von den Institutionen zu erbringen. Im Kanton St.Gallen stehen rund 22,8 Millionen Franken für Corona-Unterstützungen im Kulturbereich zur Verfügung. Bislang ist von dieser Summe rund ein Drittel für Ausfallentschädigungen verwendet worden. Eine Prognose, ob das Geld bis Ende 2021 reicht, ist schwierig. Im Moment und bis auf Weiteres können die Gelder für alle Gesuche, die gutgeheissen wurden, auch gesprochen werden.

Wie sind die ersten Reaktionen?

Bislang sind bei Katrin Meier im St.Galler Amt für Kultur vereinzelt Anfragen eingetroffen, aber noch keine Gesuche. Denn diese Art von Projekten brauchen eine längere Vorbereitung.

Mehr zum Thema