Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

MEDIEN: «Ernst» nimmt Männer ernst

Aus der ehemaligen «Männerzeitung» ist «Ernst» geworden. Das junge Gesellschaftsmagazin für den Mann wird in Winterthur produziert und schreibt gegen Stereotypen an. Das finden auch Frauen gut.
Anina Frischknecht
Das Wandstück von Anish Kapoor ist für 300 00 Dollar zu haben (oben). Das Bild von Remy Zaugg kostet 120 000 Franken (Mitte). Der Metallbaum von Ai Weiwei wird auf mehrere Millionen geschätzt. (Bilder: KEY)

Das Wandstück von Anish Kapoor ist für 300 00 Dollar zu haben (oben). Das Bild von Remy Zaugg kostet 120 000 Franken (Mitte). Der Metallbaum von Ai Weiwei wird auf mehrere Millionen geschätzt. (Bilder: KEY)

Für Männer Magazine zu schreiben, lohnt sich nicht. Sie lesen zu wenig. Und Zeitschriften fast nur, wenn sie «Beef» oder «Playboy» heissen. Verleger wissen das. ­Adrian Soller eigentlich auch. Der 34-jährige Winterthurer ist Geschäftsführer und Redaktions­leiter von «Ernst», dem neuen Gesellschaftsmagazin für den Mann.

«Ernst» tritt die Nachfolge der «Männerzeitung» an, dem ehemaligen Blatt der Burgdorfer Männerbewegung. Das Magazin hat sich vom politischen Sprachrohr zu einem Blatt für gesellschaftliche Brennpunkte gewandelt. Dem Thema und Ziel der ehemaligen Männerzeitung ist «Ernst» aber treu geblieben. Adrian Soller und sein siebenköpfiges Team schreiben auch von den schwierigen Seiten des Mannseins. So wollen sie traditionelle Geschlechternormen aufbrechen. Im März ist das erste Magazin erschienen. «Mach es gross» ist auf dem Cover unter einem Monstertruck zu lesen. Und beim Blättern stechen Muskeln und Autos ins Auge.

Der Bodybuilder und seine Mutter

«Wir wollen keine Klischees bedienen», sagt Redaktionsleiter Adrian Soller. Der in Hefenhofen aufgewachsene Journalist hat es sich zur Aufgabe gemacht, Männer auf überraschende Art zu ­zeigen. Sie ernster zu nehmen. So spricht der porträtierte Bodybuilder nicht über seine liebsten Aufbaupräparate, sondern über sein Mami. Und er erzählt von Momenten, in denen er sich schwach fühlt. Und ein Monstertruck-Fahrer, der Polizist ist, erweist sich als hingebungsvoller Familienvater, der regelmässig einen Papi-Tag einplant.

Redaktionsleiter Adrian Soller ist weder Vater noch geschieden. Sein Magazin leitet er von einem Gemeinschaftsbüro in der alten Bschüssig-Teigwaren-Lagerhalle in Winterthur aus. Mit im Büro sitzen zwei Werbetexter, eine Schneiderin und eine Maltherapeutin – aber keine Redaktionskollegen. Das kleine Team ist verteilt über Burgdorf, Biel, Winterthur und Hamburg. Der Austausch finde normalerweise via Skype statt, zweimal in drei Monaten trifft man sich an einem Sitzungstisch.

In der neuen Ausgabe setzt sich das siebenköpfige Team mit «Geheimen Orten» auseinander. Das Heft enthält eine Reportage über eine Touristenführung in Tschernobyl, ein Interview mit einem Darknet-Experten und eine Meditationsreise in einem Vorortszug nach Osaka, Japan. Auch Frauen werden künftig für das Männermagazin schreiben. Den Auftakt machte Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer mit einem Plädoyer für Geschlechterquoten in Führungsetagen. Ist es das, was Männer lesen wollen? «Als Männermagazin sind wir ein Nischenprodukt», sagt Adrian Soller. Doch ist die Zahl der Abonnenten seit der Neulancierung leicht angestiegen. Viele davon sind Frauen, die das Heft für ihre Männer abonniert haben.

Anina Frischknecht

focus@tagblatt.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.