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MEDIAKUNST: Hansdampf in allen Medien

Ernst Thoma ist ein bescheidener Pionier. Er hat Sounddesign, die elektronische Musik und die ­Videokunst ­geprägt, lange bevor von Multimedia die Rede war. Ein Besuch in seinem Atelier in Stein am Rhein.
Dieter Langhart
Erst filmen, dann verfremden: Ernst Thoma vor einer seiner Videoarbeiten aus Chicago. (Bild: Andrea Stalder)

Erst filmen, dann verfremden: Ernst Thoma vor einer seiner Videoarbeiten aus Chicago. (Bild: Andrea Stalder)

Dieter Langhart

dieter.langhart

@tagblatt.ch

Er heisst Ernst und er blickt ernst und er nimmt seine Arbeit ernst: der Künstler Ernst Thoma. Doch er kann auch schallend lachen, wenn er einen Mokka einschenkt, sich eine Zigarette anzündet und zu erzählen beginnt in der Dachwohnung eines Hauses in Stein am Rhein. Und gleich gegenüber im grossen Garten liegt sein Atelier und Musikstudio.

Bildschirm neben Bildschirm auf und hinter dem riesigen Tisch und im Nebenraum; in Racks an der Wand die Geräte: Verstärker, Mischpulte, manche selber gebaut. Im Dezember ist er an der jurierten Jahresausstellung «Ernte 16» im Museum zu Allerheiligen Schaffhausen mit dem Ernte-Kunstpreis ausgezeichnet worden. Die preisgekrönte Arbeit mag einen sperrigen Titel tragen («Codec Transformation ‹red line to Howard› Codec 1–2, 2016»), doch die Videoarbeit (ein Loop, zeitversetzt auf drei Monitoren zu sehen und mit einer Audiospur hinterlegt) ist typisch für Ernst Thomas Arbeitsweise.

Springt zwischen dem ­Visuellen und Auditiven

Da ist diese Bildfülle, die sich stetig erneuert und überlagert, die oszilliert zwischen Realität und Abstraktion. Eben zwischen analog und digital. Also auch zwischen dem frühen und dem jetzigen Ernst Thoma. Und die seine zwei Begabungen vereint, das Visuelle und das Auditive, Aug und Ohr. «Das war bereits in meiner Jugend so», sagt der 1953 geborene Künstler, «meine ersten Gehversuche waren stets parallel.» Mit zwanzig schrieb er sich an der F+F Schule für Kunst und Mediendesign ein – als Maler zu einer Zeit, als Performance und Konzeptkunst en vogue waren. «Ich hatte einen schwierigen Stand, war zu jung, um die eigenen Ideen gegen den vorherrschenden Trend umzusetzen. Trotzdem blieb für die Zukunft viel hängen.» Er wandte sich der Musik zu, komponierte für Formationen wie Unknown­miX, bildete sich weiter, schob die bildende Kunst in den Hintergrund. Bis sich Mitte der Neunzigerjahre Bild und Ton am Computer vereinen liessen. Er lernte, mit Flash zu programmieren, entwarf Webauftritte. Er tüftelte, hielt stets Schritt mit Generationen von Computern und Datenträgern, Ton- und Bilderzeugern.

Vor gut fünf Jahren kehrte er für kurze Zeit zur Leinwand zurück («eine wichtige Phase»), skizzierte auf Papier, arbeitete mit Folien und Lasuren und entdeckte über diesen Umweg neue Möglichkeiten für die Videoarbeit. Ernst Thoma mag das Haptische: «Auf dem Computer liegen nur Dateien – was ich ausdrucke, kann ich in die Finger nehmen.» Dieses Hin und Her, dieses Springen zwischen den Medien ist ihm wichtig. Entscheidend ist, das adäquate Medium für eine Idee zu finden.

In den letzten Jahren hat er einen Prozess quasi umkehrt, hat Standbilder bearbeitet und reanimiert. Entstanden sind eine Reihe von «Landscapes»: äusserst arbeitsintensive Serien, die Malerei und Video auf berückende Weise verbinden und auf die er immer noch angesprochen wird.

Online-Archiv statt ­ Staub ansetzende Bücher

Ernst Thoma strahlt dieselbe, beinah meditative Ruhe aus, die in seinen Werken steckt. Und er hat ein grosses Projekt begonnen: sein Archiv. Bis Ende Jahr will er eine Auswahl seiner Arbeiten auf seine neue Website hochladen. Warum? «Meine Datenablage ist im Laufe der Jahre zu einem riesigen, chaotischen Terabit-Jungle angewachsen», sagt er. «Da ich wöchentlich Anfragen zu bestimmten Arbeiten bekomme, die auf dem Internet greifbar sind, habe ich mich entschlossen, das ganze Archiv auf dem Netz sichtbar zu machen. Das hat gegenüber einem Katalog oder Buch den grossen Vorteil, dass das Archiv immer und überall greifbar sein wird.» Seit einem Jahr füttert Ernst Thoma seinen Youtube-Kanal, etwa mit «Performance 34» einer Chicago-Filmmontage und live gespielter Musik. Und er ist daneben immer wieder sichtbar: ab März in Aarau, ab November in Vaduz.

Und was tut Ernst Thoma ausserhalb seines Ateliers? «Früher Hochgebirgstouren, heute ausgedehnte Wanderungen, Theater- und Konzertbesuche.» Und er reist sehr gern: Japan, Indien und die USA. Vor allem die USA mit ihren Gegensätzen der unendlichen Weiten und ihrer Urbanität und offenen Menschen. Und er fotografiert und filmt unterwegs: meist vorerst ohne bestimmte Absicht. Aus dem Material entstehen oft erst später Arbeiten. Wie die nun im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen gezeigte, die auf einem Aufenthalt letzten Winter in Chicago zurückgreift.

Ernte 16, Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen, bis 29.1. ernstthoma.wordpress.com

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