Max Ernst und die Frauen

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Markus Orths: Max. Sechs Frauen. Sechs Lieben. Ein Jahrhundert. Hanser, 573 S., Fr. 29.–

Es ist ein Roman entlang der Biografie des Künstlers Max Ernst und den Frauen, die sein Leben begleiten: die Künstlerin Leonora Carrington, die Mäzenin Peggy Guggenheim, Gala, die mit Max Ernst und Paul Eluard eine Ménage à trois lebt und dann keine Sekunde mehr von Salvador Dali gewichen ist. Vom Rausch des Surrealismus, den Freundschaften mit Hans Arp, Pablo Picasso, André Breton, den Sommer 1934 mit Alberto Giacometti in Maloja, bis zum Rausch der Verzweiflung, der Flucht nach New York, zeichnet Markus Orth eine unruhige Epoche, die uns heute wieder bekannt vorkommt. In den Dreissigerjahren waren es verfolgte Deutsche, denen man entgegenhielt, dass die Obergrenze der Aufnahmefähigkeit von Flüchtenden erreicht sei. Max Ernst war angeekelt von der «grossen Schweinerei dieses blödsinnigen Krieges». Die letzten drei Jahrzehnte bis zu seinem Tod 1976 lebte er mit Dorothea Tanning. Seine letzten Worte: «Einfach machen. Nichts wissen.» Denn sein surrealistisches Credo lautete: «Die Rolle des Malers besteht darin, einzukreisen und zu projizieren, was er in sich selbst sieht.»

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Lorenz Jäger Walter Benjamin. Das Leben eines Unvollendeten. Rowohlt, 395 S., Fr. 29.–

Ein extremer Denker

Walter Benjamin, der Jude aus Berlin, hat sich 1940 an der spanischen Grenze auf der Flucht vor den Nazis vergiftet, als er gewahr wurde, dass es kein Weiterkommen gab. Er hatte eine Mappe mit einem Manuskript dabei, das seither verschollen ist. Benjamins Leben war geprägt von Aufbruch und Flucht. Im Schweizer Exil lernte er den Dadaismus kennen, im Pariser Exil den Surrealismus. Zusammen mit der lettischen Revolutionärin Asja Lacis sympathisierte er in Moskau mit dem Kommunismus, ehe ihn der Stalin-Hitler-Pakt in tiefste Verzweiflung stürzte. Benjamin schrieb «Berliner Kindheit um Neunzehnhundert». Er wollte Aufschluss über die Gegenwart erhalten, indem er die Vergangenheit rekonstruierte. Er schrieb Stadtporträts und hinterliess sein «Passagen-Werk» als Fragment. Von ihm kann man das Flanieren lernen und was es bedeutet, den Kapitalismus ausgebreitet in den Passagen – heute sind es die Shopping-Malls – zu lesen. Lorenz Jäger schreibt seine Biografie als ein faszinierendes Zeitbild.

Erika Achermann